Thüringen
Dieter Althaus: Absturz eines Senkrechtstarters

Am Ende blieb wohl keine andere Lösung mehr: Vier Tage nach der Landtagswahl, bei der die erfolgsgewohnte Thüringer CDU auf 31,2 Prozent abgestürzt ist, hat Ministerpräsident Dieter Althaus am Donnerstag aufgegeben. Der Druck – auch innerhalb seiner Partei – war am Ende zu groß. Über das vorläufige Ende einer steilen Karriere.

HB ERFURT. Schon am Tag nach dem Wahldebakel wirkte Dieter Althaus wie ein Schatten seiner selbst. Blass und monoton wich er in der CDU-Zentrale in Berlin Fragen nach Konsequenzen aus. Er wolle auf die SPD zugehen und die Möglichkeiten einer Koalition unter seiner Führung sondieren. Da wurden aus der zweiten und dritte Reihe bereits Rücktrittsforderungen laut.

Der Rücktritt ist der Tiefpunkt in der Karriere eines politischen Senkrechtstarters der Ost-CDU, der als Vertrauter und Unterstützer von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt. Seit 1990 war der Thüringer, der seine Wurzeln im katholischen Eichsfeld hat, auf der Karriereleiter stetig nach oben gestiegen.

Der einstige Lehrer für Mathematik und Physik trat fünf Jahre vor der Wiedervereinigung in die CDU-Blockpartei der DDR ein. 1987 wurde er stellvertretender Direktor und ab Januar 1990 Kreisschulrat des Landkreises Heiligenstadt.

Mit der Wahl zum Mitglied des ersten Thüringer Landtags am 14. Oktober 1990 begann für den Vater zweier Töchter eine steile Karriere: Bereits im Februar 1992 machte ihn der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel als sein Ziehvater zum Kultusminister. Von 1993 bis 2000 war Althaus stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, am 4. November 2000 übernahm der "Kronprinz" den Parteivorsitz und am 5. Juni 2003 auch das Ministerpräsidentenamt von Vogel.

Ein Jahr später gewann Althaus erstmals aus eigener Kraft eine Landtagswahl - an die 51 Prozent, die Vogel zuvor erreicht hatte, kam Althaus allerdings mit den erzielten 43 Prozent bei weitem nicht heran.

Anfang 2009 Jahres war er in einen schweren Skiunfall in Österreich verwickelt, bei dem eine Frau starb. Althaus selbst erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und musste wochenlang in Kliniken behandelt werden. Erst Ende April kehrte er in seine Ämter zurück. Wegen fahrlässiger Tötung war der Regierungschef in Österreich zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

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