TV-Kritik „Maybrit Illner“
Wie viel Ökonomie steckt im Terror?

Trump versinkt in seinen Skandalen, May verheddert sich im Brexit, islamistischer Terror bedroht Europas Städte: Anlass für Maybrit Illner, nach Europas Antwort auf die Weltkrisen zu suchen. Eine TV-Kritik.
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Vermutlich hat es am späten Termin für das britische Wahlergebnis gelegen, auf das am Donnerstagabend alle mit Höchstspannung warteten: Als die Talkshow „Maybrit Illner“ um 22 Uhr begann, sollte es noch eine Dreiviertelstunde bis zur ersten Prognose dauern. Lieber also über das größere Krisenumfeld um Britannien und die Auswirkungen auf Europa reden, dachte Deutschlands erfahrenste TV-Talkerin wohl.

Ihr Thema – „Brexit, Terror, Bündniskrisen - welche Antwort hat Europa?“ – hätte auch gut funktionieren können mit ihren Gästen, allesamt ausgewiesene Experten und Talkshowprofis: Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok ist Brexit-Beauftragter des EU-Parlaments. Die Politikwissenschaftlerin Sylvie Tempel analysiert messerscharf Ursachen von Terror und die Auswirkungen auf die innere Sicherheit. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel kann viel sagen zur schwachen Rolle Deutschlands im Militärbündnis Nato. Und Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart überraschte mit dem Bekenntnis, dass er, wäre er denn Brite, Labour mit dem linken Parteiführer Jeremy Corbyn gewählt hätte - aus ökonomischen Gründen.

Es hätte also eine spannende Runde werden können. Doch leider blieb Illner nicht bei den Punkten „Brexit, Terror, Bündniskrisen“, sondern stopfte auch noch die Kongressanhörung des früheren FBI-Chefs über den mutmaßlichen Zwang, den US-Präsident Donald Trump auf diesen ausgeübt hatte, hinein. 

Die Moderatorin zeigte also erst einmal einen länglichen  Film über das, was den ganzen Abend schon in jeder Nachrichtensendung zu sehen gewesen war. Der britische Wahlabend wiederum durfte auch nicht bis zu den ersten Prognosen um 23 Uhr im Hintergrund bleiben, sondern wurde mit einer hochspekulativen Schalte zu einem britischen Kollegen vor Ort in die Runde geholt: Ein Viertel der kostbaren Diskussionszeit war so schon weg.

Und weil die vielen Facetten der bedrohlichen Weltpolitik – Terror, Trump, Brexit – ja abzuarbeiten waren, vertraute Illner, die das sonst in ihrer Sendung meist sehr gut kann, ausgerechnet diesmal ihren Gästen nicht. Die wurden einer nach dem anderen zu je einer Facette abgefragt und bekamen kaum Zeit, aufeinander einzugehen.

Was hätte denn Brok zu Steingarts Vorwurf an die britische Schwesterpartei der Union gesagt, dass ausgerechnet die Konservativen die britische Wirtschaft über das Zulassen von zu viel Ungleichheit ruiniert hätten? Man hätte es gern gewusst. Doch Illner fragte weder bei Steingart nach, wieso Corbyn denn besser für Großbritanniens Wirtschaft wäre, noch ließ sie Reaktionen der Runde darauf zu.

Denn das Thema innere Sicherheit stand ja auch noch auf ihrer umfangreichen Frageliste, weshalb sie lieber Sylvie Tempel fragte, was denn die westlichen Staaten besser machen müssten, um Terroranschläge in ihren Städten zu verhindern: Eine bessere Kooperation der europäischen Geheimdienste und ein offeneres Ohr der Polizei für Muslime, die Hinweise auf Radikale in ihren Reihen geben, sagte Tempel.

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Und dann kamen die Großbritannien-Prognosen

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  • War klar lieber Redakteur/-in,

    wer die Wahrheit in den den regionalen Tagezeitungen nicht lesen will, diese ignoriert und dazu die Beiträge über Terror hier löscht, wird sie dann ertragen müssen.

  • Der Vollständigkeit wegen sollte man dazu anmerken, dass in Schweden immerhin 0,3% in den Arbeitsmarkt gekommen sind und die Differenz in die Sozialsysteme.

    Vermutlich haben die Schweden nun genug für den Staatskonsum, ansonsten hätten sie die Grenzen nicht geschlossen.

    Merkel und ihre Anhänger haben scheinbar noch nicht genug Konsum.

    Für den Rest gibt es die Exekutive und Judikative, die dann ggf. die Scherben aufkehren kann.

    Hauptsache Konsum und Wirtschaft.

    Ist schon klar wie die Personenschutzsuchenden Politiker im Elfenbeinturm diese Themen wissentlich -warum sollten sie es auch öffentlich machen- kaschieren oder ganz verschweigen.





  • @ Herr Jürgen GAST09.06.2017, 10:43 Uhr

    Herr Gast, hier kriegen Sie die Kurve:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/deutsche-wirtschaft-legt-zu-fluechtlinge-erweisen-sich-als-segen-fuer-die-konjunktur/19243974.html

    Zitat:
    "Einen überdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag leistete, was die Nachfrageseite angeht, der Staat. Weil dieser wegen des starken Zustroms Schutzsuchender seine Ausgaben kräftig ausweitete, nahm der sogenannte Staatskonsum um 4,2 Prozent zu. „Einen stärkeren Zuwachs des Staatskonsums hatte es zuletzt 1992 in Folge der deutschen Wiedervereinigung gegeben“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Dieter Sarreither bei der Vorstellung der Zahlen. Außerdem trieb der Boom der Bauwirtschaft das Wachstum. "

    Nebenwirkungen gibt´s halt immer....

    Genauso spannend: Geldpolitik, Weltleitwährung via Öldeckung und "Erneuerbare Energien".

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