TV-Kritik zu Maybrit Illner
„Die Gläubiger rauben Griechenland die Demokratie“

Die Politiker machen sich bereit, den Pleitestaat Griechenland zu retten. Bei Maybrit Illner ging es vor allem um die Frage, ob ein weiteres Rettungspaket ausreicht.
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BerlinDie Bundesregierung kommt derzeit aus dem Retten nicht mehr raus. Zuerst waren die Banken dran, wenig später Griechenland, dann Irland und Portugal. Nun ist Griechenland erneut in Nöten. Die Rettungsaktionen verschlingen unvorstellbare Summen.  Maybrit Illner stellte am Donnerstag deshalb die Frage: „Die Politik pokert – und wir dürfen zahlen?“

Eingeladen hatte sie eine hochkarätige Runde, darunter CDU-Fraktionschef Volker Kauder. Der Mann, der Kanzlerin Merkel den Rücken freihält, musste erklären, was weite Teile der Bevölkerung nicht mehr verstehen: Warum weitere Phantastilliarden in ein Land gepumpt werden sollen, das nach Ansicht vieler Experten seinen Schuldenberg so oder so nicht mehr bewältigen kann. Der Politiker blickte angestrengt durch seine randlose Brille, ruckelte mit den Händen und formulierte Phrasen wie: „Wir haben in Griechenland eine große Herausforderung“, oder: „Die Griechen sind auf einem guten Weg.“

Das sieht SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles natürlich völlig anders. Zwar ist ihre Partei mit Kauder einer Meinung, dass Griechenland gerettet werden muss. Nur dürfe es nicht so laufen, dass das Land dabei immer weiter in die Krise rutscht.„Es muss mehr kommen als Einsparungsziele,“ sagte sie. „Wir bieten derzeit wenig Perspektiven, gerade auch für die jungen Menschen in Griechenland“. Nötig seien nicht nur Reformen, sondern auch Investitionen, um der griechischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen. 

Zudem musste sich Kauder mit Alexis Passadakis herumärgern, dem Finanzexperten des globalisierungskritischen Attac-Netzwerks. Passadakis nahm die Rolle des Provokateurs ein. „Es gibt die Troika, Internationaler Währungsfonds, EZB und EU-Kommission, und was die dort begehen, das ist zunächst einmal ein Demokratie-Raub," sagte er. Die Troika setzte die griechische Regierung massiv unter Druck und lasse ihr keine Wahl, selbst zu entscheiden.  Was derzeit in Griechenland vorangetrieben werde, seien keine Reformen, sondern Volksverarmung. So schwang Passadakis die verbale Keule und sorgte für heftige Wortgefechte.

Als Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn  betonte, die Griechen müssten zusehen, dass alle ihre Steuern zahlen, fuhr Passadakis ihn an: „Als Außenminister einer Steueroase, finde ich, ist das ein großer Spruch.“ Der empörte Minister erwiderte: „Und Sie leben in einem Land, das Weltmeister ist im Waffenhandel. Werfe ich Ihnen das denn vor?“

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Kommentare zu " TV-Kritik zu Maybrit Illner: „Die Gläubiger rauben Griechenland die Demokratie“"

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  • Haha, die Gläubiger rauben GR die Demokratie. In welchem Zustand war und ist die griechische Demokratie denn?
    Regierungen haben bei jedem Wahlsieg erstmal massenhaft ihre Günstlinge im ÖD eingestellt. Gewerkschaften haben regelmäßig Lohnerhöhungen über dem Produktivitätsfortschritt erstreikt. Mit Schwarzarbeit, Steuerbetrug und Bestechung haben vom Superreichen bis zum kleinen Handwerker alle mitgemacht dabei, die Demokratie zu demontieren. Außerdem haben alle ihren Kindern die Zukunft genommen - welcher Investor legt sein Geld schon in einem korrupten, streikgefährdeten Land mit überhöhten Löhnen an?
    Liebe griechische Attac-Einpeitscher, Euer Volk hat die letzten Jahrzehnte mit großer Mühe die Demokratie demontiert. IWF, EU und sonstige Gläubiger räumen lediglich den Scherbenhaufen auf!

  • @ Bernd : Sie haben eine grundsätzlich falsche Auffassung hinsichtlich der "Rollenverteilungen" im "Spiel": Der Staat darf kein Schiedsrichter oder die UEFA oder sowas sein, das kann und darf nur der eigentliche Souverän sein: Das Wählervolk, die Stuerzahler, die Bürger, die glichzeiteg die Bürgen sind. Ihr grottenfalsches Rollenverteilungsschema ohne geeignete Kontrollinstanzen hat innerstaatlich und innerhalb der Währungsgemeinschaft genau zu den jetzigen Ergebnissen geführt und Frau Merkel & Co. tun alles aus Leibeskräften, daß es so weitergeht! Alle Parlamente haben umfänglich versagt! Jedes System, das mit Geld umgeht, muß zur Bilanzierung verpflichtet werden und zwar mit Offenlegung aller bilanziellen Zusatzinformationen, Kontenpositionen, wahrheitgemäß und übersichtlich nachvollziehbar kommentiert!

  • @ AS1 : Wo sollte der Unterschied zwischen einer "kontrollierten" und einer unkontrollierten Staatspleite konkret liegen? Das zerstörte/hinfällige Finanzvolumen wird sich kaum unterscheiden, es sei denn, es finden sich wieder welche, die noch Geld ins Griechenfaß nach dem "Schlupfiff" werfen, wie die KfW bei der Lehman-Pleite.

    Es ist übrigens bemerkenswert, daß die Lehman-Pleite im Gesamtverlauf der bis heute nicht enden wollenden Subprime-/USD-Krise keinerlei Signifikanz zugewiesen werden kann, was den Gesamtverlauf anlangt, da der Schaden in seiner Gesamtheit ja bereits vorher bestanden hat, nur war er bis dato nicht als "offenkundig" akzeptiert.

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