Überraschende Ankündigung
Wulff tritt als niedersächsischer CDU-Chef ab

Gut zwei Monate nach seinem erneuten Wahlsieg hat der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff seinen Rücktritt als CDU-Landeschef angekündigt. Nach 14-jähriger Amtszeit will er auf dem Landesparteitag im Juni nicht wieder als Parteivorsitzender kandidieren.

HB BERLIN. Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff zieht sich überraschend aus dem Amt des CDU-Landesvorsitzenden zurück und will sich stärker in der Bundespolitik engagieren. Gut zwei Monate nach seinem erneuten Wahlsieg bei der Landtagswahl teilte der 48-Jährige am Freitag im Landesvorstand seinen Entschluss mit und schlug als Nachfolger den Fraktionschef im hannoverschen Landtag, David McAllister vor. Der 37-Jährige gilt als Vertrauter Wulffs.

Er werde nach 14 Jahren an der Spitze der Niedersachsen-CDU im Juni nicht mehr antreten, sagte Wulff. „Ich möchte mich jetzt (...) ganz auf das Land, auf die Regierungsarbeit, meinen Osnabrücker Wahlkreis und meine Aufgabe als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU Deutschlands konzentrieren.“ Der Landesvorstand habe den Vorschlägen zugestimmt, teilte die CDU mit.

Der Entschluss komme für viele in der CDU überraschend, verlautete aus Unionskreisen. Wulff habe den Schritt aber in den vergangenen Wochen schon einmal bei einer öffentlichen Veranstaltung angedeutet. „Diese Entscheidung ist von langer Hand geplant“, hieß es aus dem Umfeld der niedersächsischen CDU-Spitze. Es gehe darum, nach 14 Jahren rechtzeitig die Weichen für eine Verjüngung der Spitze in der Landespartei zu stellen.

Wulff erklärte, er wolle nun mit dem elf Jahre jüngeren McAllister ein Tandem für die übernächste Wahlperiode 2013 bis 2018 bilden. Allerdings wurden Wulff schon seit längerem immer wieder auch bundespolitische Ambitionen zugeschrieben. Der Niedersachse zählt in Meinungsumfragen seit Jahren zu den beliebtesten Spitzenpolitikern. In seiner Erklärung vor dem Landesvorstand ließ Wulff allerdings offen, wie er künftig als einer der vier Stellvertreter von Parteichefin Angela Merkel auf Bundesebene agieren will.

Nach seinem erneuten Wahlsieg im Januar und dem gleichzeitig schwachen Abschneiden seines parteiinternen Rivalen Roland Koch in Hessen gilt Wulff vorerst als „Kronprinz“ von Merkel. Der Niedersachse habe zuletzt in den Führungsgremien mehr eigenständiges Profil der CDU in der großen Koalition mit der SPD angemahnt, sagte ein Unionspolitiker. Wulffs Themen könnten die Wirtschaftspolitik, aber auch die Bildungspolitik sein.

SPD-Landeschef Garrelt Duin erklärte, Wulff ziehe es offenbar nach Berlin. Seiner Überzeugung nach sei noch innerhalb der laufenden Landtagsperiode ein Wechsel geplant. Die Landespolitik langweile Wulff nur noch.

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