Umfrage
Atomausstieg darf zehn Euro pro Monat kosten

Atomausstieg nur dann, wenn er nicht mehr als zehn Euro Zusatzkosten im Monat verursacht. So haben jetzt die meisten Befragten in einer Umfrage zur Zukunft der Energie- und Umweltpolitik abgestimmt.
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Berlin Die meisten Deutschen wollen sich den Ausstieg aus der Atomenergie nicht mehr als zehn Euro im Monat kosten lassen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage nannten 60 Prozent den Betrag als Obergrenze. Grundsätzlich befürwortet die Mehrheit der Bürger ein Umdenken in der Energie- und Umweltpolitik. Dem Umweltbundesamt zufolge gefährdet ein zügiger Atom-Ausstieg auch nicht den Klimaschutz.

In der Umfrage für das Magazin "stern" gaben 20 Prozent der Befragten an, sie wären bereit, monatlich bis zu 30 Euro mehr für Strom zu bezahlen. Sechs Prozent halten bis zu 50 Euro für akzeptabel, ein Prozent würde 100 Euro akzeptieren. 15 Prozent antworteten mit "weiß nicht", "gar nichts" oder über 100 Euro.

Wie teuer eine schnellere Energiewende wäre, ist unklar. Der Industrieverband BDI zum Beispiel rechnet mit einer zusätzlichen Belastung eines Durchschnittshaushaltes von etwa 11,50 Euro im Monat. Die Deutsche Energie-Agentur geht von 13,50 Euro aus.

In einer zweiten Umfrage des Versicherers Allianz heißt es, die schwere Reaktor-Katastrophe nach dem Erdbeben in Japan habe unzählige Menschen schockiert: "Nun fordert eine Mehrheit der Bundesbürger ein Umdenken in der Energie- und Umweltpolitik." Die Bundesregierung habe mit dem Atom-Moratorium ein erstes Zeichen gesetzt. Die Debatte über den schnelleren Atom-Ausstieg stärke die Zuversicht der Bürger, dass für den Umwelt- und Klimaschutz die richtigen Weichen gestellt würden.

Dabei kommt es dem Umweltbundesamt zufolge nicht zu einem Konflikt mit dem Klimaschutz. Zwar werde wegen des Moratoriums derzeit mehr Kohle verbrannt, sagte der Amtspräsident Jochen Flasbarth der "Financial Times Deutschland". Das ändere aber nichts an den europaweiten CO2-Obergrenzen.

Der zusätzliche Ausstoß deutscher Kraftwerke werde durch den Emissionshandel anderswo ausgeglichen. "Der Atomausstieg schadet dem Klima nicht", sagte Flasbarth. Zugleich sprach er sich aber dagegen aus, über bestehende Vorhaben hinaus weitere Kohlekraftwerke zu errichten. Nach dem Atomkonsens müsse man damit beginnen, auch den längerfristigen Ausstieg aus der Kohle zu organisieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das unabhängige Umweltportal www.umwelthauptstadt.de hat eine ähnliche Umfrage auch nach dem Reaktor Unglück in Japan gemacht. An der Umfrage nahmen ca. 100 junge Menschen teil. Alle Befragten haben an, dass sie auf jeden fall bereit wären mehr Geld für alternative Energien zu bezahlen. Wichtig ist doch der Fakt, dass die große Mehrheit in Deutschland einen Atomausstieg möchte und die Menschen sogar bereit sind, zusätzliche Kosten zu honorieren.

  • Atomkraft? Nein, danke! - Wasserkraft, Windkraft? Ja, bitte! Aber nicht vor meiner Haustür!

  • Ein Meer von Lügen, ein Ozean von Desinformation! Das ist der Zustand dessen, was im Deutschland des Jahres 2011 als "Energiepolitik" verkauft wird.

    Zunächst einmal: "Klimaschutz gibt es nicht! Die ohnehin niemals von ihren Befürwortern bewiesene Annahme einer CO2-gesteuerten Erderwärmung ist von einer Reihe von Wissenschaftlern gleich mehrfach widerlegt. Beim politischen "Klimaschutz" geht es auch gar nicht um Temperaturen, sondern darum, die Industrie zu zwingen, daß sie CO2-Zertifikate bezahlt, um sich damit von dem für alle verhängten Produktionsverbot freizukaufen. Und dafür möchte ein Teil der Politik die Preise hochtreiben. Nur darum geht's!

    Der zweite Punkt ist, daß die Strompreise SINKEN müßten. Denn Strom ist ein High-Tech-Produkt, und die laufende Modernisierung der Produktions- und Verteilanlagen müßte es - vergleichbar mit der Computer- oder Mobilfunksparte - die Preise laufend zu senken. Das aber setzt voraus, daß sich die Politik heraushält und in der Energiebranche die Marktwirtschaft wiederherstellt. Stattdessen wird um uns herum eine Planwirtschaft eingerichtet, in der Ideologen und andere Spinner mit immer stärkeren dirigistischen Zwangseingriffen "umgestalten", "transformieren", "abschalten", "abwracken", "fördern" und - das schrecklichste von allem - "modernisieren".

    Wozu das Ganze? Ganz klar - um die "Umwelt zu schützen". Aber was ist die Umwelt? Ist es die durch Naturwissenschaft beschriebnene "Natur", in der alle grünen Pflanzen vom CO2 leben und auf jedes Mehr davon mit Wachstumsschüben reagieren, oder jenes ideologische Konstrukt, in dem ppm-dosiertes CO2 zum "Gift" erklärt wird? Ist es die Landschaft, in der kindergerechte aufgelockerte Siedlungsformen als "landschaftsverbrauchend" unterbunden werden, oder jene, die von 23.000 Windmühlen verspargelt wird?

    Es wird Zeit, daß der Bürger Fragen stellt, und zwar SEINE Fragen, und nicht die, die ihm regierungsnahe Ideologen in den Mund legen.

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