Umfrage
Deutsche in Sachen Euro gespalten

Die Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone halten an und so sind die Deutschen uneins über den Verbleib in der Euro-Zone. Einer Umfrage zufolge würde sich im Falle einer Volksabstimmung nur die Hälfte dafür aussprechen.
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BerlinTrotz andauernder Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone stellt die Mehrheit der Deutschen die Mitgliedschaft in der Währungsunion nicht infrage. Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor, aus der die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zitiert. 50 Prozent der Deutschen würden demnach im Falle einer Volksabstimmung für einen Verbleib Deutschlands in der Euro-Zone stimmen, nicht einmal jeder Dritte würde sich gegen eine weitere Beteiligung Deutschlands am Euro aussprechen.

Vor allem unter den politisch Interessierten gibt es mit 60 Prozent eine klare Mehrheit, die für eine Zukunft Deutschlands im Euro-Raum plädiert. In der Umfrage hat Allensbach rund 1.000 Personen befragt, repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahre.

Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, europafeindliche Tendenzen zu schüren. In der Schuldenkrise fahre die Kanzlerin auf Sicht - ohne zu sagen, wo die Reise hingehen soll, sagte Fischer der Zeitung "Bild am Sonntag". "Das verunsichert das Volk und schürt anti-europäische Stimmungen - sehr gefährlich", kritisierte er. "Die Verantwortung dafür trägt zu einem erheblichen Teil die Kanzlerin."

Fischer legte Merkel nahe, sich an ihrem Vorvorgänger und Parteikollegen Helmut Kohl ein Beispiel zu nehmen. Dieser habe die europäische Integration mit Mut und einer Vision vorangetrieben. "Kohl hat das damals großartig gemacht", sagte Fischer laut dem Vorabbericht. Der Bundesregierung hielt er vor, in der Krise zu unentschlossen und rein nach nationalen Interessen zu agieren. "Die Regierung läuft der Entwicklung hinterher, sie handelt krisen- und nicht strategiegetrieben. Am Ende kommt dann meist die teuerste Variante heraus", sagte der frühere Minister. Er warnte zugleich vor einer Isolation Deutschlands in Europa. "Wer meint, Deutschland könne eine große Schweiz abgeben, steht wie der träumende Ochse vor der verschlossenen Tür, bis er zum Metzger geführt wird", sagte Fischer.

Seinen Worten zufolge droht Merkel mit ihrer Europa-Politik auch im Inland ins Abseits zu geraten. "Mit ihrer Politik des Nichterklärens und der Strategie der Hintertür gefährdet sie ihre Mehrheit im Bundestag. Das trägt nicht mehr lange", sagte Fischer. Der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González rief Deutschland dazu auf, mehr für die Euro-Rettung zu tun. Die Bundesregierung habe "enormen Einfluss" auf die Europäische Zentralbank (EZB) und die gesamte EU. Damit müsse sie verhindern, dass Spanien "als Folge von Spekulationen übertrieben hohe Zinsen zahlen muss", forderte Gonzalez.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • es kommt immer auf die fragestellung an, momentan sind handelt es sich nur um garantien, die erst in der nahen zukunft zum tragen kommen dürften, dann aber mit macht. ich gehe daher davon aus, dass sich das meinungsbild vor dem hintergrund steigender steuern aufgrund der umsetzung des fiskalpaktes ändern wird.

  • da hast du recht ,wir müssen raus aus dem euro .

    für die angefallenen schulden müssen alle politiker mit ihrem privatvermögen haften und enteignet werden.
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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  • Hier noch ein Auszug aus einem Börsenbrief:

    Bei der folgenden Aufstellung handelt es sich nur um den deutschen Anteil:
    Target-Verbindlichkeiten: 644 Mrd. €
    Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF: 253 Mrd. €
    Geplanter Rettungsschirm ESM: 190 Mrd. €
    EZB-Staatsanleihenkäufe: 57 Mrd. €
    Geplanter Europäischer Einlagensicherungsfonds: 5Mrd.€
    Erstes Rettungspaket für Griechenland: 17 Mrd. €
    IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen:15Mrd.€Bürgschaften im Rettungsfonds ESM: 12 Mrd. €

    Bisherige Gesamthaftung Deutschlands: 1.243 Mrd. €

    Zur Erklärung: Target-Verbindlichkeiten sind Nettoforderungen der deutschen Bundesbank gegenüber anderen Notenbanken im Eurosystem.

    Sie haften also jetzt schon für mehr als eine Billion Euro! Zum Vergleich: Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Steuereinnahmen 2011, die 573 Milliarden Euro betrug.

    Mittlerweile dürfte es wohl noch teuerer für den deutschen Steuerzahler werden! Gysi hat ausrechnen lassen, dass wir bereits für 2 Bio Euro haften, bürgen und blechen.

    Der Euro ist eine absolute Missgeburt. Wie teuer uns der Erhalt dieser Währung kommen würde - das hat sich noch keiner getraut auszurechnen. Die Politiker hoffen auf ein Wunder - so, wie Kinder an den Weihnachtsmann glauben.

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