"Unerträgliche Provokation"
Streit um "Flick-Collection" eskaliert

Aus dem Zentralrat der Juden (ZdJ) wird die Kritik an der in Berlin geplanten Kunstausstellung des Industriellen-Erben Friedrich Christian Flick immer heftiger.

BERLIN. Nach dem ZdR-Vizepräsidenten Salomon Korn fordert nun auch das Direktoriums-Mitglied Michael Fürst, zugleich Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, eine Absage der ab Herbst geplanten "Flick-Collection". Die Herausstellung des Familiennamens in der ehemaligen Reichshauptstadt bedeute eine "unerträgliche Provokation all jener, die Hunger, Demütigungen und Quälereien als Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den Unternehmen Ihres Großvaters ertragen mussten", heißt es in einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief Fürsts an Flick vom 17. Mai.

Dieser will seine umfangreiche Kunstsammlung unter dem Namen "Flick-Collection" für mindestens sieben Jahre in Berlin ausstellen und lässt dafür für 7,5 Mill. Euro eine Halle umbauen. Das Projekt wird sowohl vom Berliner Senat als auch der Bundesregierung unterstützt. In Zürich war das Vorhaben dagegen abgelehnt worden. Streitpunkt war auch dort gewesen, dass der Großvater des Kunstsammlers, Friedrich Flick, zu den größten Rüstungslieferanten des NS-Regimes gehört hatte. Fürst lehnt auch eine Teilschenkung der Kunstsammlung an den Staat ab.

Friedrich Christian Flick hatte bereits am 10. Mai auf die Kritik von Salomon Korn reagiert und kritisiert, dass er für die Taten seines Großvaters in Sippenhaft genommen werde. Schockiert zeigte er sich vor allem von dem Vorwurf, mit der Kunstausstellung soll "Blutgeld" weiß gewaschen werden. Er habe die Verbrechen seines Großvaters weder geleugnet noch relativiert. Mit der von ihm gegründeten Stiftung Toleranz strebe er als Privatperson zudem etwas an, was Deutschland als Staat seit 50 Jahren versuche: "eben besser zu sein als die Vergangenheit".

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