Union im Umfragetief
It’s not the Economy, stupid!

Kanzlerin Merkel und die CDU/CSU sehen sich einem Phänomen gegenüber: Trotz Wirtschaftswachstum und guter Zahlen befindet sich die Union im Umfragekeller. Der Grund dafür liegt nicht nur in der verzögerten Wahrnehmung des Aufschwungs – auch ein Grundsatzproblem der Parteien spielt eine Rolle.

BERLIN. Wenn die Wirtschaft brummt, geht es auch der Kanzlerpartei gut. Auf dieses politische Gesetz war jahrzehntelang Verlass – doch in den Zeiten der großen Koalition scheint es seine Gültigkeit zu verlieren. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Siegesmeldungen von der Arbeitsmarkt-, Haushalts- und Konjunkturfront – doch die Umfragewerte der Union bleiben im Keller.

Zwar steigt die persönlichen Zustimmung für Kanzlerin Angela Merkel. Aber die Partei liegt in den meisten Umfragen immer noch hinter ihrem ohnehin schon desaströsen Bundestagswahlergebnis von 35,2 Prozent. Und das sollte in den Augen mancher Demoskopen in der CDU-Parteizentrale alle Alarmglocken schrillen lassen.

Anfangs seien die guten Wirtschaftsdaten noch auf Unglauben gestoßen, sagt Richard Hilmer von Infratest-Dimap. „Das hat sich um die Jahreswende geändert. Der Aufschwung wird wahrgenommen.“ Doch fehle den Leuten der Glaube, dass sie persönlich davon etwas haben. Als Profiteure des Aufschwungs gälten Unternehmen, Aktionäre und der Staat.

Für die Union hängt einiges davon ab, dass sich gute Wirtschaftsdaten in ihren Zustimmungsdaten auszahlen. Im Kalkül von Merkel spielt die Aussicht, getragen von der guten wirtschaftlichen Stimmung 2009 wieder deutlich über 40 Prozent zu kommen und so die große Koalition zu Gunsten eines Bündnisses mit der FDP oder den Grünen wieder beenden zu können, eine tragende Rolle. Einstweilen sieht die Lage jedoch nicht sehr hoffnungsvoll aus: In absoluten Zahlen sei der Befund noch viel katastrophaler, sagt Manfred Güllner vom Meinungsforschungsinstitut Forsa.: Etwa 30 Prozent derer, die 2005 noch Union gewählt hatten, sagten jetzt, sie würden das nicht wieder tun. Das falle in prozentualer Form nur deshalb nicht so auf, weil die Situation bei der SPD noch viel dramatischer sei.

Für Klaus-Peter Schöppner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Emnid, hat das Meinungsbild mit dem „Gefühl, dass da eine neue CDU entsteht“, zu tun. Der Versuch von Angela Merkel, ihrer Familienministerin Ursula von der Leyen und ihrem Generalsekretär Ronald Pofalla, das familienpolitische Profil der Union zu modernisieren und so neue weibliche und großstädtische Wählerschichten zu erschließen, kratze am christlich-konservativen „Markenkern“ der Union. „Die Austauschbarkeit der Parteien wird immer größer. Der Markenkern ist da so etwas wie ein Schutz.“

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