Union sucht ihr Profil
Viel Beifall für Teufels CDU-Schelte

Angela Merkel hat das Gesicht ihrer Partei stark verändert. Schon lange schwelt der Ärger. Jetzt urlaubt Merkel und der interne Streit um das Profil der CDU breitet sich aus. Erwin Teufels Kritik findet viel Zustimmung.
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BerlinDie Kritik des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU), am Zustand der Union stößt in seiner Partei überwiegend auf Zustimmung. Nur vereinzelt gibt es bislang Widerspruch. Teufel hatte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt, die CDU-Stammwähler könnten die Alleinvertretungsmerkmale der Partei und ihre Kernkompetenzen nicht mehr erkennen. Der Union fehle ein wirtschaftspolitisches Gesicht. Auch in der Europapolitik habe die Partei ihr Profil verloren.

Für Unionsfraktionsvize Michael Fuchs zeigen in der Parteispitze „viele wenig Interesse an der Wirtschaftspolitik“. Dabei sei und bleibe die CDU die Partei Ludwig Erhards, sagte der CDU-Politiker und Chef des Unions-Parlamentskreises Mittelstand der „Rheinische Post“ (Dienstagausgabe). Der CDU-Außenexperte Philipp Mißfelder sagte: „Erwin Teufel spricht vielen in der CDU aus dem Herzen.“ Die CDU müsse sich wieder stärker auf ihre Werte besinnen und ihr Profil schärfen, forderte der Chef der Jungen Union, in den „Ruhr Nachrichten“ (Dienstagausgabe). Bei den Sachthemen müsse die Wirtschaftspolitik wieder ganz oben stehen.

Der CDU-Fraktionschef in Thüringen, Mike Mohring, stimmt Teufel ebenfalls in weiten Teilen zu. „Die CDU muss Positionen deutlicher akzentuieren und politisch durchhalten, für die sie steht“, sagte Mohring der Zeitung „Die Welt“ (Dienstagausgabe). Mohring nennt ein leistungsorientiertes, begabungsgerechtes gegliedertes Schulsystem und eine Familienpolitik, die Eltern Wahl- und Entscheidungsfreiheit in der Erziehung ihrer Jüngsten sichert.

Reservierter äußert sich Schleswig-Holsteins CDU-Chef Christian von Boetticher zu Teufel. In Anbetracht der Herausforderungen täte es zwar gut, auf den Rat der Älteren zu hören, die die CDU an ihre Wurzeln erinnerten. „Aber neue Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit müssen wir schon selber finden“, sagte Boetticher der „Welt“.

Tillich schließt sich Teufels Kritik nicht an

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich kann sich der Auffassung Teufels dagegen nicht anschließen: „Die CDU bleibt Volkspartei. Zu einer Volkspartei gehört auch Diskussion, das Ringen um den richtigen Weg, um die richtigen Ziele. Ich verstehe den Beitrag von Erwin Teufel als konstruktive Kritik im Ringen um die richtigen, gerechten und zeitgemäßen Lösungen.“ Aus Teufels Landesverband kommt dagegen Unterstützung für dessen Kritik. CDU-Fraktionschef Peter Hauk sagte dem selben Blatt: „Die Mitglieder der CDU aber auch die Wähler haben zum Teil das Vertrauen in die CDU verloren, und tun sich schwer, Positionen zu finden, die sie in erster Linie mit der CDU verbinden.“ Deshalb sei es jetzt besonders wichtig, den Menschen wieder Werte und Inhalte klar darzulegen, für die die CDU stehe.

Der Vorsitzende der Jungen Union in Baden-Württemberg, Steffen Bilger, nannte das Erscheinungsbild der Bundesregierung die größte Schwäche der Union. CDU-Chefin Angela Merkel sei eine gute Kanzlerin, aber sie erreiche „nicht immer die Seele der Partei“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete der „Stuttgarter Zeitung“ (Dienstagausgabe).

Der Merkel-Biograph und Politikwissenschaftler an der Uni Bonn, Gerd Langguth findet Teufels Kritik ebenfalls berechtigt. „Die geistig-moralische Auseinandersetzung fehlt in der CDU“, sagte er der Münchner Tageszeitung „tz“ (Dienstagausgabe). „Wo steht die Kanzlerin? Wo sind die christlich-demokratischen Grundüberzeugungen? Das treibt die Mitglieder um, und dafür ist Teufel ein Sprachrohr.“

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Reufel hat verdammt Recht. Aber was nützt es, wenn gemeckert wird innerhalb der CDU, aber wenn es drauf ankommt, alle wieder den Schwanz einziehen und der Merkel die Füße küssen.
    Diese durch und durch DDR-Frau muß weg. Das wäre mal das erste was die CDU endlich tun müßte.
    Und mit ihr müssen noch ein paar andre weg, die einerseits eher zu den Grünen gehören und andererseit dem Sozialismus anhängen.
    Röttgen soll zu den Grünen gehen und die Sozialistin v. d. Leyen mit Merkel entweder auch zu den Grünen oder gleich zu den Linken.
    Diese CDU it von Merkel völlig zerlegt worden, es wird lange dauern, bis sie wieder eine bürlich-konserevative Partei mit einem christlichen Wertekanon ist
    Und solche Männleins wie Pofalle und andere ab in die letzte Reihe

  • @Paul: Träumen Sie weiter. Den Deutschen gehts (noch?) gut.... Gruss aus der (ebenfalls ruhigen) Schweiz.

  • Wir sind das Volk! Wann gehen wir auf die Strasse?

    So lange jeder nur an sich denket, wird sich da auch nichts ändern. Jeder ist sich am Beschweren und am Diskutieren über das was die da oben mit uns machen aber allein kann jeder einzelne nichts ändern.

    Leute es wird Zeit!!!!!!

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