Union vergrault Konservative
Genossin Merkel

Die CDU lehnt jede Zusammenarbeit mit der AfD ab. Dabei hat Merkel mit dem Räumen vieler konservativer Positionen den Aufstieg der Partei erst möglich gemacht. Für die Zukunft der Union bedeutet das nichts Gutes.
  • 58

BerlinWenn sich Konservative von der Union abwenden, dann ist das ein Signal dafür, dass sich bei CDU und CSU grundlegend etwas geändert hat. Dieser Prozess ist zwar schon länger im Gange, CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel spricht gerne von „Modernisierung“. Doch in diesen Tagen scheinen die Veränderungen greifbar wie nie – seit die SPD dabei ist, ihre Kernthemen wie Rente mit 63 und Mindestlohn in Gesetzesform zu gießen.

Für die Union ist die Entwicklung auch deshalb bitter, weil in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass die CDU nur deshalb immer weiter nach links gerückt ist, um eine Koalition mit der SPD zu ermöglichen. Dass dabei einstige konservative Positionen unter die Räder kommen, wird offenbar in Kauf genommen. Kritische Stimmen sind kaum zu hören. Zwar schlägt der Wirtschaftsflügel der Partei regelmäßig Alarm. Doch am SPD-freundlichen Kurs der Kanzlerin ändert das nichts. Merkel bleibt ihrer Linie treu – und opfert zugunsten von Koalitionskompromissen eine konservative Position nach der anderen.

Experten sprechen schon von einer „sozialdemokratisierten“ Union. Was eben für die CDU noch Teufelszeug war, ist heute ihr Programm. Es ist nicht nur die Rente und der Mindestlohn, bei denen die Kanzlerin kleinbeigegeben hat. Auch bei Themen wie der Frauenquote, der Wehrpflicht, der Kernenergie, der Homo-Ehe oder der Zuwanderung hat die Union eine grundlegende Wende vollzogen. Ein Manöver, das aus Sicht von Parteienforschern nicht ohne Risiko ist. Glaubt man ihrer nüchternen Analyse,  dann könnte die zunehmende Annäherung der Union an die SPD den Aufstieg der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) beschleunigen.

Die AfD könne in Zukunft „für konservative Wähler eine Konkurrenz zur CDU darstellen, wenn sie sich glaubhaft vom Rechtspopulismus abgrenzt und von den Bürgern als national-konservative Partei wahrgenommen wird, da konservativ-bürgerliche Wähler in der Regel davor zurückschrecken, eine rechtspopulistische Partei zu wählen“, sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer Handelsblatt Online.

Wenn dies so komme, dann sollte die CDU die AfD nicht weiter ignorieren, sondern sich mit ihr argumentativ auseinandersetzen. „Dann wäre auch mittelfristig eine Koalitionsperspektive nicht ausgeschlossen, insbesondere auch dann, wenn es die FDP nicht mehr schaffen sollte, auf Bundes- und Landesebene weiter in den Parlamenten vertreten zu sein.“

Kommentare zu " Union vergrault Konservative: Genossin Merkel "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ihr

    "Aufgrund fehlender klarer Aussagen der Afd (mangels Politikbeteiligung)...."

    Naja, ein Blick ins Programm hilft oft schon weiter.

    Einfach aufklappen und anschauen.

    http://www.alternativefuer.de/programm-hintergrund/programmatik/

    Empfehlenswert sind auch die "Euromärchen" in der Rubrik "Währungspolitik".
    LG

  • "Die AFD wird ersticken an Zulauf aus CDU und CSU wenn nicht ein Konservativer der Kanzlerin sagt: Bis hierher und nicht weiter!"
    Aufgrund fehlender klarer Aussagen der Afd (mangels Politikbeteiligung) hat die AfD erstmal alle möglichen Protestwähler aufgenommen. Wahlaussagen kamen nach dem Motto "Freibier für alle".
    Bals wird sich die Armut aber positionieren müssen, mit klaren Aussagen. Und da werden sich dann auch verschiedene Wählergruppen verabschieden.
    Zum Schluß werden es rechte Marktradikale sein, die die FDP bei der CDU ersetzen sollen.

  • -....dann könnte die zunehmende Annäherung der Union an die SPD den Aufstieg der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) beschleunigen....Die CDU tut sich im Umgang mit der AfD schwer. Am besten nicht mal ignorieren, lautet die interne Losung. Offiziell hat sich die Parteispitze darauf festgelegt, dass es keinerlei Zusammenarbeit geben soll....Glaubt man ihrer nüchternen Analyse, dann könnte die zunehmende Annäherung der Union an die SPD den Aufstieg der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) beschleunigen.-(Zitate)

    Ja- ob die Fr. Merkel mit diesen zusammen gesammelten Punkten die "Alternative für Deutschland" klein kriegen wird bleibt sehr fragwürdig, denn die Merkelschen Alternativen haben bisher nicht gerade positiver gepunktet. Der Stimmenzulauf in der AfD hatte in der letzten Wahl der EU eben zugenommen. Die nächste Wahl , d.h. die nächste Bundeswahl wird also die Tendenz nach weiter oben oder zurück nach unten beweisen müssen.

    -Experten sprechen schon von einer „sozialdemokratisierten“ Union. Was eben für die CDU noch Teufelszeug war, ist heute ihr Programm-(Zitat)

    Die hier noch beigefügte Fotomontage zeigt bereits jene derzeitige Tendenz von ihr ziemlich klar dem Leser. -

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%