Unmut in München
Erste CSU-ler fordern Stoibers Rücktritt

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber gerät in seiner Partei immer stärker unter Druck: Ex-CSU-Chef Theo Waigel wirft ihm mit Blick auf seinen Rückzug aus einer geplanten großen Koalition "schwerste politische Fehler" vor. Andere Parteimitglieder gehen noch weiter und verlangen Stoibers Rücktritt.

HB MÜNCHEN. Der Chef des CSU-Kreisverbandes im nordbayerischen Kronach, Joachim Doppel, forderte Stoiber offen zum Rücktritt auf. „Stoiber wird nicht mehr ernst genommen, hat seine Autorität verloren und Vertrauen verspielt“, wird Doppel in der „Bild“-Zeitung zitiert. Stoiber solle jetzt "den Weg frei machen". „Wenn er 2008 wieder als Spitzenkandidat für die Landtagswahl antritt, verliert die CSU die absolute Mehrheit“, sagte Doppel.

Auch der ehemalige CSU-Vorsitzende Theo Waigel übte scharfe Kritik. Stoiber habe Partei und Parteifreunden "wahrscheinlich zu viel" zugemutet. Er habe "schwerste politische Fehler gemacht", sagte der frühere Bundesfinanzminister. Der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament, Markus Ferber, stellte Stoibers Eignung als Spitzenkandidat für die kommende Landtagswahl indirekt in Frage. "Wir müssen sicherstellen, dass wir 2008 mit dem bestmöglichen Kandidaten antreten", sagte er.

Bereits am Donnerstag hatten CSU-Landtagsabgeordnete gegen ihren Parteichef aufbegehrt. Dass Stoiber trotz seiner ursprünglichen Entscheidung, Bundeswirtschaftsminister zu werden, nun doch bayerischer Ministerpräsident bleibe, führte sowohl in München als auch in der Unions-Bundestagsfraktion zu Irritationen.

Glos stellt sich hinter Stoiber

Stoiber selbst soll bei einem internen Treffen mit der Landtags-CSU in Rom für Verständnis geworben haben: "Bayerischer Ministerpräsident, das ist mein Leben. Das ist meine Passion. Meine Aufgabe, so lange ich Politiker bin", wird der CSU-Chef zitiert. Er nehme die Kritik an seinem Führungsstil und einigen Entscheidungen ernst, habe Stoiber versichert. Das schlechte Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl sei für ihn eine Herausforderung, die CSU zu einem Erfolg bei der Landtagswahl 2008 zu führen.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos verteidigte Stoibers Entscheidung. Es sei natürlich, dass dessen Rückkehr nach München erst einmal Unmut verursache, sagte der designierte Bundeswirtschaftsminister im ZDF. Er rechne aber mit Rückhalt für Stoiber. „Stoiber kämpft und kann seine politische Gestaltungskraft auch von München aus einbringen“, sagte Glos.

Stoiber besucht derzeit mit der CSU-Landtagsfraktion Rom. Am Donnerstag wurde er von Papst Benedikt XVI. zu einer Audienz empfangen. Heute soll er nach München zurückkehren.

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