Unrentable Projekte
Explodierende Baukosten stürzen Bahn in ein Dilemma

Stark gestiegene Baukosten machen eine Reihe geplanter Bahn-Verbindungen des Bundes unwirtschaftlich. Besonders der Bau mehrerer Personenverkehrs-Trassen rechnet sich nach einer Analyse der Bundesregierung nicht mehr. Aber auch für die übrigen Projekte klafft eine milliardenschwere Lücke.
  • 3

ek/HB BERLIN. Bis 2020 stehen laut Bund für den Bau der wichtigsten Trassen rund acht Mrd. Euro zur Verfügung. Benötigt würden für die Fertigstellung jedoch mehr als das dreifache, also rund 26 Mrd. Euro. Gerade der Ausbau neuer Güterbahnstrecken sei aber notwendig, da dort der Verkehr bis 2025 um 65 Prozent wachse. Wie die Finanzierungslücke geschlossen werden könne, sagte der Bericht nicht.

Nach der Überprüfung der Bedarfspläne für die Schienenstrecken fallen von 38 geplanten Streckenverbindungen insgesamt neun durch das Raster des Verkehrsministeriums. Diese dürften „wegen fehlender Wirtschaftlichkeit derzeit nicht mit Bundeshaushaltsmitteln realisiert werden“, heißt es im Bericht.

Betroffen sind davon vor allem Regionalstrecken für den Personenverkehr wie etwa die Verbindungen Lübeck-Stralsund, Oldenburg-Uelzen oder Hagen-Gießen. Teilweise ist mit Planung und Bau schon begonnen worden und es sind Mio. verbaut worden.

Auch der Nutzen der anderen Strecken mindere sich durch die Kostensteigerungen erheblich. So sei das Nutzen-Kosten-Verhältnis, das mindestens eins betragen muss, auf 2,2 gesunken. Bei der letzten Überprüfung der Pläne vor sieben Jahren lag es noch bei 2,7. Großprojekte wie die umstrittene Trasse um Stuttgart von Wendlingen nach Ulm oder die Verbindung Berlin-München lohnen sich demnach weiter und sollen fortgesetzt werden.

Als Grund für die kräftigen Kostensteigerungen werden zum einen neuen Vorgaben zum Lärmschutz oder der Tunnelsicherheit genannt. Vor allem aber fehle der Deutschen Bahn als Eigentümerin des Schienennetzes ein Anreiz zum kostengünstigen Bauen, da die Projekte mit Steuermitteln finanziert würden. So sträube sich die Bahn gegen Investitionen in leisere Fahrzeuge, weil diese vom Unternehmen bezahlt werden müssten, während Investitionen in die Schienen oder Signalanlagen der Bund übernehme.

Seite 1:

Explodierende Baukosten stürzen Bahn in ein Dilemma

Seite 2:

Kommentare zu " Unrentable Projekte: Explodierende Baukosten stürzen Bahn in ein Dilemma"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • 100 Jahre Abschreibung

    Viele Häuser die zwischen 1900 und 1910 gebaut wurden stehen heute noch und sind bewohnt. Der bauherr seinerzeit wird auf keinen Hr. Mehdorn gehört haben der sagte: bauen Sie so teuer das sie daran Pleite gehen, das Haus soll doch 100 Jahre halten.
    Was ein bauherr im Jahr 1900 und auch heute für Quatsch hält, dürfte auch Quatsch für eine bahnstrecke oder für einen bahnhof sein. Auch wenn der 100 Jahre lang hält muss sich die Unternehmung heute rechnen.

  • Explodierend Kosten? Experten Fachleute legen die Kosten fest. Oder wie in berlin Geheimverträge mit den Politikern, damit die Preise zu Lasten der bürger massiv erhöht werden können? ich vermute, die Preissteigerung sind überall nur durch Schmiergeldzahlungen entstanden!

  • Wenn Unternehmen die der Autoindustrie angehören entscheiden, ist es klar dass der Personenverkehr, zulasten des Personenverkehrs und zugunsten des Autos, eingestellt wird.

    Setzt endlich Leute aus der bahn und der personenbefördernden und umweltschonenden bahnbefürwortung an die Spitze des Konzerns.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%