Untersuchungsausschuss
Topbanker vor dem HRE-Tribunal

Für Josef Ackermann ist die Sache eindeutig: „Zur Rettung der Hypo Real Estate (HRE) hat es keine Alternative gegeben.“ Die Rettung der HRE sei buchstäblich in „letzter Minute“ erfolgt. Kritik hagelte vor dem Untersuchungsausschuss, der Krise und Rettung der HRE durchleuchten soll, vor allem an der Politik.

BERLIN. Ein Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers im Herbst 2008 hätte Verwerfungen auf den Finanzmärkten weit über Deutschland hinaus bedeutet, sagte Deutschen-Bank-Chef Josen Ackermann am Dienstag vor dem HRE-Untersuchungsausschuss in Berlin.

Die Banken allein hätten die HRE nicht retten können. In Telefonaten zwischen ihm sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sei es aber in der Krisensitzung im September 2008 gelungen, ein Rettungspaket für den vor der Pleite stehenden Immobilienfinanzierer zu schnüren, erläuterte Ackermann - buchstäblich in letzter Minute vor Ablauf einer wichtigen Frist.

Seit zwei Monaten versuchen elf Bundestagsabgeordnete, die teuerste Bankenrettung der Geschichte zu durchleuchten. Nach der Übernahme der angeschlagenen Depfa plc mit Sitz in Irland geriet die HRE, eine der wichtigsten Pfandbrief-Banken, selbst ins Trudeln. Sie musste finanziell gestützt und später fast vollständig verstaatlicht werden, um das Finanzsystem insgesamt nicht zu gefährden. Kosten für Kredite und Bürgschaften: rund 100 Mrd. Euro. 24 Zeugen hat der Ausschuss bisher befragt, sich durch meterhohe Aktenberge gefressen. Ergebnis aus Sicht der Opposition: Es gab Schwachstellen bei der Finanzaufsicht, BaFin und Bundesbank haben ihre Kontrollmöglichkeiten nicht ausgeschöpft.

In dieser Woche sollte es eigentlich erste handfeste Aussagen dazu geben, dass der Staat bei der HRE-Rettung den Kürzeren gezogen hat und die privaten Banken zu gut bei der Lastenverteilung weggekommen sind. Auch hier ist die Sache für Deutsche-Bank-Chef Ackermann klar: Er habe im September betont, dass die Banken sich mit maximal sieben Mrd. Euro am Risiko des ersten Rettungspakets beteiligen könnten. Im Telefonat mit der Bundeskanzlerin sei der Banken-Anteil dann auf 8,5 Mrd. Euro aufgestockt worden: "Merkel ist es gelungen, noch 1,5 Mrd. Euro mehr aus mir herauszupressen", sagte der Deutsche-Bank-Chef.

Wenig Erhellendes erbrachte am Dienstag die Anhörung von HRE-Chef Axel Wieandt. "Darüber habe ich keine Kenntnis", antwortete er immer wieder auf Fragen der Abgeordneten. Der Bankchef war bei dem ersten Rettungswochenende mit Vertretern von Bundesregierung, Bankenaufsicht und privaten Banken im September 2008 noch gar nicht im Amt. Der Ausschuss verzichtete deshalb auf eine langwierige Befragung.

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