USA-Reise
Merkel bei Obama: Rosengarten statt Rosenkrieg

Angela Merkel ist In Washington eingetroffen. Hier geht es der Bundeskanzlerin ums Klima: das der Welt, das transatlantische - und das mit US-Präsident Barack Obama.

WASHINGTON. Es kommt nicht oft vor, dass Angela Merkel in den Keller geht, um grundsätzlich zu werden. Aber in Washington geht es nicht anders. Denn in der prunkvollen Library of Congress muss sie die Treppen herabrsteigen, um in das Auditorium zu gelangen, wo sie gleich einen Preis der Atlantikbrücke für ihre Verdienste um die transatlantische Verständigung entgegen nehmen soll.

Die Atmosphäre ist freundlich, der republikanische Senator Chuck Hagel und der Airbus-Chef Tom Enders als Präsident der Atlantikbrücke loben sie in hohen Tönen, Merkel dankt. Im Publikum sitzen ehemalige Botschafter wie William Timken und John Kornblum. Aber die Kanzlerin drängt es, fast scheucht sie Hagel von der Bühne.

Denn bevor sie US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus besucht, will sie noch einige Botschaften los werden, auch an die Zuträger des Präsidenten. Obama soll wissen, was er erwarten kann - und was von ihm erwartet wird. Und das ist nicht wenig, auch wenn sie ihn dafür lobt "viele Türen aufgestoßen" zu haben. "Ich sage zu, dass wir als Europäer und ich als deutsche Bundeskanzlerin ein elementares Interesse habe, dass diese Politik erfolgreich ist, dass wir Fortschritte machen."

Aber Merkel will auch etwas, sieht sich als Abgesandte der EU. Und deshalb hält sie ein eindringliches Plädoyer dafür, dass die USA und Europa als Wertegemeinschaft zusammenstehen müssten, um sich noch in einer veränderten Welt behaupten zu können. Das hat sie zwar schon vor der Krise gefordert. Aber nun klingt es dringlicher angesichts des Vormarsches Chinas, einer wirtschaftlichen angeschlagenen EU und einer taumelnden USA. "Entscheidend ist, wie wir mit der Krise umgehen und aus ihr herauskommen", betont sie. "Davon hängt sehr stark ab, ob unsere Art des Lebens weltweit geachtet wird oder nicht." Und ob "andere Arten des Regierens" nicht vielleicht erfolgreicher sein werden.

Klarer kann man nicht von einem Kampf der politischen Systeme reden, ohne ihn und das Zauberwort "China" direkt auszusprechen. Denn im Klartext sagt Merkel: Ohne Wirtschaftsaufschwung, ohne feste Regeln etwa für die Finanzwelt und für den Klimaschutz, ohne Glaubwürdigkeit werden sich die Demokratien bald nicht mehr behaupten können. "Und das will ich nicht", sagt sie später noch einmal beim Abendessen im Congress Raum, wo sie auch mit dem früheren US-Notenbankchef Alain Greenspan plaudert. Letztlich durchzieht diese Botschaft den ganzen Washington-Besuchs, der natürlich auch schöne Bilder für den Wahlkampf daheim produzieren soll, aber eben auch die letzte Chance einer engen Absprache vor dem Gipfelmarathon der kommenden Monate bietet.

Bei Iran, Afghanistan, dem G8-Treffen in Italien und dann für das G20-Gipfel in Pittsburgh direkt vor der Bundestagswahl will sie die Amerikaner möglichst weit mitnehmen. Das klingt banal - aber je konkreter es wird, desto mehr Probleme warten. Dabei scheint die Außenpolitik derzeit noch das kleinste Problem. Bei Iran, Afghanistan, selbst Russland sind sich Washington und Berlin unter Obama so nahe wie seit langem nicht mehr. Seit auch Washington mit Syrien reden will, eignet sich dieses Thema für die Union auch innenpolitisch nicht mehr für Angriffe auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Denn auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) war nun in Damaskus.

"Wir haben verstanden", betont Merkel zudem im Namen der Europäer. Lange konnten die Amerikaner die uneinigen Europäer gegeneinander ausspielen. Aber heute habe die EU in allen wichtigen internationalen Fragen eine gemeinsame Position, betont Merkel. "Damit bringen wir für 500 Millionen Bürger in einer Welt mit 6,5 Mrd. schon Gewicht ein." Das klingt selbstbewusst, auch oder gerade in Washington - wo Merkel nach dem britischen Premierminister Gordon Brown und dem italienischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi übrigens der dritte EU-Regierungschef ist, der Obama seine Aufwartung macht.

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