Verbraucherministerin
„Deutsche Bank muss reinen Tisch machen“

Zum ersten Mal fordert ein Mitglied des Bundeskabinetts die Deutsche Bank auf, über ihre Rolle im Zinsskandal aufzuklären. Auch andere CDU-Politiker sehen insbesondere Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain in der Verantwortung.
  • 12

BerlinErstmals hat ein Mitglied des Bundeskabinetts die Deutsche Bank aufgefordert, über ihre Rolle im Skandal um Zinsmanipulationen umfassend aufzuklären: „Die Deutsche Bank muss reinen Tisch machen, und zwar schnell. Die Vorwürfe sind schwerwiegend“, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) dem Handelsblatt. „Ich begrüße es deshalb, dass die Aufsichtsbehörde Bafin eine Sonderprüfung eingeleitet hat.“

Weltweit ermitteln die Behörden gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank. Ihnen wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 durch falsche Angaben den Libor verzerrt zu haben. Der Satz wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den von den Banken gemeldeten Refinanzierungskosten. Wenn Zinssätze von Banken manipuliert würden, um Handelsgewinne zu steigern, sei das grundsätzlich ein Skandal, sagte Aigner.

„An Interbankenzinssätzen hängen Finanzprodukte mit einem Wert von etlichen Billionen Dollar – auch Sparkonten, Geldmarktfonds und Kredite. Es kann nicht sein, dass am Ende auch die Verbraucher die Rechnung dafür bezahlen sollen, dass einige skrupellose Händler die Zinssätze manipulierten“, sagte Aigner. Banken können nicht einerseits einen wachsenden Vertrauensverlust beklagen und andererseits solch gravierende Manipulationen zulassen oder sogar daran mitwirken.

Neben Aigner forderten mehrere CDU-Politiker von Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain, für Aufklärung zu sorgen: „Es muss vollständig und zügig aufgeklärt werden, inwieweit deutsche Institute an den Zinsmanipulationen beteiligt waren. Hier sehe ich insbesondere auch den Chef der Deutschen Bank in der Verantwortung“, sagte Klaus-Peter Flosbach, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt.

Sicherlich sei es verständlich, wenn sich jemand angesichts laufender Verfahren nicht im Detail äußern wolle. „Eine allgemeine öffentliche Erklärung, auf welche Weise die Deutsche Bank zur Klärung der Vorwürfe beiträgt, wäre aber hilfreich und wünschenswert“, sagte Flosbach.

Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, sieht ebenfalls den Chef der Deutschen Bank in der Pflicht: „Anshu Jain hat beim Wirtschaftstag vor wenigen Wochen versichert, er werde für Transparenz und Aufklärung sorgen. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass er das auch tut“, sagte Lauk. Angemessen Zeit sollte man der neuen Führung der Deutschen Bank jedoch schon geben, fordert der CDU-Politiker.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Verbraucherministerin: „Deutsche Bank muss reinen Tisch machen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • tja. klar wird hier pauschalisiert gegen bankmitarbeiter vorgegangen. man muss halt unterscheiden zwischen den guten und den bösen. und die giobts in jedem unternehmen, nicht nur bei banken. trotzdem finde ich es eine frechheit. wenn die zinssätze manipuliert wurden, hat das schon nachteile. besonders für kreditnehmer, die sicherlich hier nachteile beim dispo und auch bei variablen immodarlehen hätten. das kann pro darlehen manchmal bis zu mehere 100 bzw. 1000 euro ausmachen, denke ich mal.

  • Leute, jetzt mal die Kirche im Dorf lassen. Sofern hier irgendein Zinssatz zu niedrig war (egal ob Dollar-Libor oder EURO-Euribor) der "arme Verbraucher" hat (sofern er seinen Kredit zu variablen Konditionen abgeschlossen hat) keinen Nachteil sondern einen Vorteil gehabt. Nicht das ich Manipulation tolerien möchte, aber die ganze Diskussion um "Bankster" ist hier fehl am Platze. Denkt eigentlich mal einer an die 100.000de von ganz normalen Bankmitarbeiter, die ganz bestimmt keine Betrüger sind und wie alle anderen Arbeitnehmer ihren Job machen Tag für Tag?


  • Das ist richtig: die Staatsanwaltschaft wäre der richtige Adressat. Frau Aigner ist weder kompetent noch persönlich fähig, hier eine Sanktion zu forcieren. Außerdem sollte man sie auch dem Staatsanwalt anheim geben - für Ihre sogeannten Leistungen gegen den Bürger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%