Verbraucherschutz
Wie Produktsiegel-Portale für Verwirrung sorgen

Eigentlich sollen die Portale die Bürger über die Qualität von Produktsiegeln informieren. In Wahrheit sorgen die vom Bund geförderten Webseiten aber eher für Verwirrung, bemängeln die Grünen und fordern Konsequenzen.
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BerlinDie Verbraucherinformation gilt als eine zentrale Säule des Verbraucherschutzes. Produktsiegel beispielsweise sollen Bürgern helfen, nicht beim Einkauf die Orientierung zu verlieren. Trotzdem ist oftmals nicht auf Anhieb klar, was mit einer Kennzeichnung gemeint ist. Das kann auch daran liegen, dass die vielen Label die Verbraucher überfordern. Allein auf dem deutschen Markt gibt es inzwischen mehr als 1000 verschiedene Siegel.

Die Bundesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, über die vielen unterschiedlichen Qualitätsabzeichen aufzuklären. Sie tut dies etwa mit diversen Internetportalen, die staatliche Förderung erhalten. Kunden sollen dort über die Inhalte und Herstellungswege der Produkte informiert werden. Wie komplex das Thema ist, lässt sich schon daran ersehen, dass sich für die Siegel-Aufklärung gleich vier Ministerien zuständig fühlen: Justizminister Heiko Maas (SPD), Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries(SPD). Bewährt hat sich das aber nicht.

Zumindest haben die Grünen massive Zweifel am Nutzen der von der Bundesregierung initiierten Verbraucherportale zur besseren Beurteilung von Produktsiegeln geäußert. „Verbraucherinnen und Verbraucher verlieren zunehmend den Durchblick, welches Siegel wofür steht“, sagte Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. „Zur Steigerung der Verwirrung liefern die von der Bundesregierung geförderten Portale dann auch noch unterschiedliche Ergebnisse. Was wir brauchen ist ein vertrauenswürdiges Siegel pro Sektor.“

Laut Maisch bewerten beispielsweise die Verbraucherportale „label-online.de“ und „siegelklarheit.de“ dieselben Siegel unterschiedlich. Als Beispiel nannte die Grünen-Politikerin das Kleiderlabel „Cotton made in Africa“ des Unternehmers Michael Otto. Bei „Label online“, das vom Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) Fördermittel erhält, wird das Siegel als „besonders empfehlenswert“ eingestuft, das Portal „Siegelklarheit“, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betrieben wird, empfiehlt es nur als „gute Wahl“.

Unterschiedlich fallen die Bewertungen auch bei dem von der Fair Wear Foundation vergebenen Gütezeichen für ökologische und sozial fair hergestellte Mode aus. Während „Label online“ es als nur „empfehlenswert“ führt, stuft „Siegelklarheit“ das Siegel als „sehr gute Wahl“ ein. Die Grünen-Politikerin Maisch macht den Bund für die widersprüchlichen Urteile verantwortlich. „Die Bundesregierung versagt beim Lichten des Siegeldschungels“, sagte sie.

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Verbraucherschützer fordern staatliche Mindestkriterien für Siegel

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