Verwandtenaffäre
Seehofer fürchtet Wähler-Watsche

„Blessuren“ in Umfragen, Wahlenthaltung – der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat so seine Befürchtungen, wie Wähler auf die Verwandtenaffäre reagieren könnten. Sein Parteikollege Peter Ramsauer ist da weniger ängstlich.
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BerlinDer CSU-Vorsitzende Horst Seehofer fürchtet, dass die Verwandtenaffäre seine Partei langfristig belastet. Es seien „Blessuren in Umfragen“ zu erwarten, außerdem werde die Verwandtenbeschäftigung im bayerischen Landtag „zu einem Stück Wahlenthaltung führen“, sagte der bayerische Ministerpräsident der „Welt am Sonntag“. Sein Parteikollege Peter Ramsauer dagegen rechnet nicht mit einem Einbruch bei der Landtagswahl im September, da die Wähler die Affäre nicht „so schlimm“ fänden.

Bundesverkehrsminister Ramsauer schloss kurzfristig eine Delle bei den Zustimmungswerten nicht aus. „Aber die Leute sagen andererseits auch: Wir können's nicht mehr hören. Das mag zwar alles nicht ganz in Ordnung gewesen sein. Aber so schlimm war's auch wieder nicht“, sagte Ramsauer dem „Tagesspiegel“ (Samstagsausgabe). Die Sanktionen von Seehofer und dessen Idee, einen Ehrenkodex für Mandatsträger erarbeiten zu lassen, wollte Ramsauer nicht kommentieren.

Seehofer nannte als Ziel für die Landtagswahl am 15. September nicht die absolute Mehrheit, sondern eine Fortsetzung der Koalition mit der FDP. Der CSU-Chef verteidigte sein Krisenmanagement. Die CSU könne verloren gegangenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen, wenn sie ihren Weg der „Krisenbewältigung durch Aufklärung und strikte Konsequenzen“ weitergehe, sagte er. Für seine Art des Krisenmanagements bekomme er „sehr viel Zustimmung“.

Der Ministerpräsident hatte unter anderem den Rücktritt des CSU-Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid erzwungen und Kabinettsmitglieder zur Rückzahlung von Gehältern für Verwandte gedrängt. Außerdem verschärfte der Landtag das Abgeordnetengesetz. Schmid hatte seiner Frau nach eigenen Angaben als Büroleiterin auf Steuerzahlerkosten bis zu 5500 Euro im Monat bezahlt.

Schmid gehört zu den Abgeordneten, die in der seit 2000 in Bayern verbotenen Beschäftigung naher Familienangehöriger eine Altfallregelung nutzten. Damit konnten Abgeordnete bestehende Beschäftigungsverhältnisse fortführen. Insgesamt nutzten 79 Abgeordnete diese Regelung, darunter auch welche von SPD und Grünen. Zuletzt allerdings machten nur noch CSU-Politiker davon Gebrauch, weshalb die Regierungspartei besonders in der Kritik steht.

Seehofer wies Berichte zurück, er habe schon früher von der Praxis gewusst. „Ich kann ruhigen Gewissens sagen: Ich habe von der Verwandtenbeschäftigung erfahren durch die Veröffentlichung der Fälle“, sagte der CSU-Chef der „Welt am Sonntag“. „Ich fahre doch nicht in die Wahlkreise und frage die Abgeordneten: Beschäftigen Sie Ihre Gattin? Das ist doch total lebensfremd!“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verwandtenaffäre: Seehofer fürchtet Wähler-Watsche"

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  • Zwei Wählerwatschen wären für den bei weiten nicht genug.

    Bei all dem was im CSU-Land Bayern so ab geht verstehe ich es dass dem der Arsch auf Grundeis geht, auch wenn bei der Landtagswahl die AfD nicht antritt. Und dieser Wendehals ist der erste der nach der Bundestagswahl mit der AfD zusammen gehen will.

  • Wenn die Mäuse auf dem Tisch tanzen, sollte der Tischherr
    seinen Hut nehmen. Mit MP konnte die Verwandten
    Affäre nur zur Affäre werden, weil alle MP es wussten und
    gebilligt haben. Sollte Seehofer darüber nicht informiert gewesen sein, muss er erst recht gehen und zwar sofort. Damit
    die CSU bis September davon erholen kann.

  • Nun, der bisher so ahnungslose SEEHOFER hat sich doch sicherlich schon informiert, welche Leistungen die vielen Familienmitglieder der CSU erbracht haben und ob der Nutzen tatsächlich den Gegenwert von mehr als einer Million Euro "Löhnen" für die Vetternwirtschaft gerechtfertigt ist.


    Oder ist es so wie immer?

    Horst SEEHOFER weiß mal wieder von nix?

    Wird er abwarten, bis er aus der Zeitung erfährt, dass auch da betrogen wurde?

    Was will SEEHOFER - die Angelegenheit aussitzen?

    Hoffen, dass die bayerische Bevölkerung den CSU-Filz bis September vergisst?

    SEEHOFER - ein Aussitz-Minister, der sein Fähnlein immer mit dem Wind schwenkt!

    CSU-AMIGOS - nein danke!

    Der CSU-Filz muss trockengelegt werden. Das geht nur ohne eine CSU-Regierung in Bayern.

    Goodbye CSU - time for political change!

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