Viele Potenzial für Umwelttechnik
Wirtschaftsminister fordert Bekenntnis zum Klimaschutz

Bundesregierung und Wirtschaft suchen im Klimaschutz den Schulterschluss. Gerade in der Krise sehen Politik und Wirtschaft Potenzial für Umwelttechnik, denn deutsche Unternehmen nehmen in vielen Bereichen der Umwelttechnologie eine weltweit führende Stellung ein. Der BDI warnt jedoch vor einer Vertreibung der energieintensiven Industrien aus Deutschland.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte bei einer Veranstaltung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), auch in Zeiten der Rezession gebühre dem Klimaschutz ein hoher Stellenwert. Gerade die deutsche Wirtschaft könne von den enormen wirtschaftlichen Potenzialen profitieren, die Klimaschutz und Umwelttechnik böten. Auch Bundespräsident Horst Köhler sprach sich in seiner „Berliner Rede“ für ein verstärktes Engagement gegen den Klimawandel und für eine „ökologische industrielle Revolution“ aus.

Der Wirtschaftsminister hatte zu dem Thema bislang noch nicht Stellung bezogen. Am Dienstag sagte er, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse man sich „erst recht“ zum Klimaschutz bekennen. Das Thema habe nichts mit Romantik zu tun, sondern mit handfester Industriepolitik.

Deutsche Unternehmen nehmen in vielen Bereichen der Umwelttechnologie eine weltweit führende Stellung ein. Der BDI hat sich zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich daraus in den nächsten Jahren ergeben können, in den Vordergrund zu stellen, statt die wirtschaftlichen Belastungen durch Klimaschutzmaßnahmen zu betonen.

Klimaschutz könne „doppelt wertvoll“ sein, betonte auch Siemens-Chef Peter Löscher: einerseits zur Bekämpfung der globalen Erwärmung, andererseits als „Wachstumsimpuls auf dem Weg aus der gegenwärtigen Krise der Weltwirtschaft“. Der Siemens-Chef ist Vorsitzender der BDI-Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“. Die Wirtschaftskrise dürfe kein Vorwand sein, um beim Klimaschutz nachzulassen, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

Eine McKinsey-Studie im Auftrag des BDI war bereits im September 2007 zu dem Ergebnis gekommen, dass im Klimaschutz für die deutsche Wirtschaft erhebliche Potenziale stecken. In einer neuen Studie heißt es, Marktchancen seien im Bereich Energieerzeugung zu sehen und bei energieeffizienten Produkten. Sie bildeten einen „breiten und schnell wachsenden Markt“. Für rund 40 Prozent der Weltwirtschaft spiele der effiziente Umgang mit der Ressource Energie eine zunehmend wichtige Rolle.

In vielen Segmenten hätten deutsche Unternehmen „dank ihrer sehr guten technologischen Basis und der in Deutschland über Jahre gewachsenen Sensibilität für diese Themen eine herausragende Ausgangsposition“, sagte McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern.

Das Ziel, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um bis zu 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken, ist aus Sicht von McKinsey „anspruchsvoll, aber machbar“. Daran ändere auch ein niedriger Ölpreis von rund 50 Dollar je Barrel nichts. McKinsey geht dabei davon aus, dass alle bekannten Technologien zur Vermeidung von Treibhausgasen genutzt werden, die keine höheren Vermeidungskosten als 20 Euro je Tonne Kohlendioxid verursachen. Würden die Kernkraftwerke in Deutschland länger laufen, würde sich die erreichbare Reduzierung bis 2020 auf 38 Prozent erhöhen.

Der BDI warnt aber davor, die energieintensive Industrie über Gebühr zu belasten. Die Unternehmen müssten weiter die Möglichkeit haben, in Europa zu produzieren: „Was wir nicht wollen, ist ein Strukturwandel, der die energieintensiven Industrien aus Deutschland und Europa vertreibt“, sagte BDI-Präsident Keitel. Für die betroffenen Branchen müsse es Ausnahmen beim Emissionshandel geben, solange das System außerhalb Europas nicht gelte.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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