Vor dem G8-Gipfel
Momentaufnahmen aus dem Widerstandsnest

Bei den Gegnern des G8-Gipfels herrscht kurz vor der Ankunft der Staats- und Regierungchefs gespannte Ruhe. Mit Blockadetrainings bereitet sich eine zusammengewürfelte Gruppe auf den Ernstfall vor. Ein Besuch in einem kleinen Örtchen kurz vor Heiligendamm.

BAD DOBERAN. „Haut ab! Haut ab! Haut ab!“ Die G8-Gegner skandieren sich in Rage. Es sind wohl an die 300 Frauen und Männer, die an diesem Morgen im feuchten, kniehohen Gras am Rand des Örtchens Reddelich, ein paar Kilometer vor Heiligendamm den Aufstand proben. Blockadetraining, nennen sie das. „Links die Demonstranten, rechts die Polizei“, teilt ein junger Mann mit Megafon die Aktivisten in feindliche Lager. Wie zwei Heere stehen sie sich gegenüber, prallen aufeinander, um sich schließlich in einem Knäuel aus Leibern wiederzufinden.

Noch ist es Spiel. Von Mittwoch an soll es ernst werden. Angst vor Gewalt? „Es kann immer was passieren“, sagt ein junger Mann, der nicht genannt werden will. Auf dem Rücken trägt er schweres Gepäck, einen Rucksack voller Pflaster, Mullbinden und Desinfektionsmittel. „Ich habe eine Menge Freunde hier. Man muss für alles gewappnet sein.“ Ein weißes Kreuz auf grünem Grund weist ihn als Sanitäter aus.

An die 5 000 Gipfel-Gegner haben in Reddelich ihre Zelte aufgeschlagen. Mit Dixi-Klos für die Notdurft und Behältern für die Mülltrennung. Am frühen, dunstigen Morgen kämpft sich ein buntes Völkchen vereint unter dem Slogan „Gemeinsam Aufstehen für Solidarität“ aus den Schlafsäcken. Kaffeeduft liegt in der Luft. Männer mit einer Zahnbürste im Mund starren ins Nichts. Es riecht nach verkohlenden Lagerfeuern. Irgendwo kräht ein Hahn, sogar ein Kuckuck ist zu hören. Ist das die neue Welt? Fast schon kitschig wirkt soviel Friede und Brüderlichkeit.

Tatsächlich sind die Gemeinsamkeiten der G8-Gegner schnell erschöpft. Auf dem Alternativgipfel in Rostock reicht die Bandbreite von Attac über Terres des Hommes und Oxfam bis zur katholischen Pax Christi-Bewegung. Im Camp Reddelich haben sich Hare Krishnas, Punks, Hippis, Autonome und Normalos zusammengefunden. „G8 – Euch bleibt nur das Meer“, heißt es auf einem Transparent. Und auf einem T-Shirt: „Save the world – Kill Bush“. Der gemeinsame Feind verbindet.

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