Vorstandsmitglied unter Druck
Euro-Krise mischt Piratenpartei auf

In der Piratenpartei ist ein heftiger Streit über den Umgang mit der Euro-Schuldenkrise entbrannt. Im Zentrum der Kritik steht Vorstandsmitglied Schrade, der Sympathien für die Euroskeptiker in der FDP bekundet hat.
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DüsseldorfEr sei vom beruflichen Hintergrund her auf den ersten Blick der klassische FDP-Typ, bekannte Matthias Schrade vor wenigen Wochen im Interview mit Handelsblatt Online. Er sei anfangs sogar als U-Boot der Liberalen verdächtigt worden und habe Aufklärungsarbeit leisten müssen, um zu zeigen, dass dem nicht so ist. Schrades Distanz zu den Liberalen hat sich inzwischen verringert. Das Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei hat offen Sympathien für die Euroskeptiker in der FDP bekundet und damit einen heftigen Streit in seiner Partei über den Umgang mit der Euro-Schuldenkrise ausgelöst.

Aus der Berliner Piratenfraktion heraus wurde Schrade nahegelegt, die Partei zu verlassen. „Wenn Matthias (Schrade) einen Antrag unterstützen möchte, der bei der FDP entstand, dann sollte er sich überlegen, ob die Piraten für ihn die richtige Heimat sind“, sagte Fraktionsmitglied Christopher Lauer Handelsblatt Online. „Beim aktuellen Zustand der Liberalen freut man sich sicher über junge motivierte Mitglieder, die dabei helfen, die FDP im Bund wieder über die fünf Prozent zu heben.“

Schrade wirbt für einen Antrag zum Euro, der wortgleich Formulierungen der Euro-Initiative des FDP-Rebellen Frank Schäffler enthält und der beim Bundesparteitag der Piraten Anfang Dezember in Offenbach zur Abstimmung vorgelegt werden soll. „Ich selbst werde für den Antrag stimmen“, hatte Schrade am Freitag Handelsblatt Online gesagt und hinzugefügt: „Wenn der Antrag angenommen wird, ist das auch gleichzeitig die Parteilinie.“

Schrade will demnach die Piraten - wie Schäffler die FDP – davon überzeugen, unbefristete Rettungsmaßnahmen abzulehnen, bei denen Deutschland für Schulden anderer europäischer Staaten haftet. Rettungsaktionen für überschuldete Staaten ließen sich mit ordnungspolitischen Prinzipien nicht vereinbaren, heißt es zur Begründung in dem Antrag, den ein Piratenmitglied aus dem Regionalverband Hannover angestoßen hat. Diese setzten das Prinzip außer Kraft, wonach Gläubiger für ihr Risiko haften müssten.

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  • @willi

    "Verräter"

    Was ich nicht ganz verstehe: Wer bitteschön verrät hier wen oder was?

  • Die Verräter sitzen im eigenen Lande:
    Schäuble: In weniger als 24 Monaten kommt die Fiskalunion
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32894/

  • Und, nur damit das jetzt nicht als die Meinung eines alten, unbelehrbaren Sacks abgetan wird, auf den die Piraten gerne verzichten können ;-)

    Mein Stiefsohn, anfang 20, ein Nerd und Zocker vor dem Herren, entdeckt gerade die Welt der Politik, genauer "Occupy". Der sitzt da samstags vor Ort mit den Piraten etc aus der Stadt. Er sagt es so: "Also, die haben alle keine Ahnung. Die einzigen, die wissen, wovon sie reden sind die Leute von Greenpeace und eingeschränkt auch die Grünen".

    Warum wohl? Weil Bewegungen wie die 68er, die Friedensbewegung, die Grünen, Greenpeace seit vierzig Jahren in die Richtung _arbeiten_, in die die "Piraten" zielen, die aber den selben Fehler machten wie die Piraten jetzt - Fachidiotie, nur das eigene kleine Gärtchen im Blick. Nur Attac hat in den vierzig Jahren verstanden, daß man alle zusammenbringen muss, wenn man was ändern will.

    Im Moment sind die "Piraten" so frisch und neu, daß man ihnen Fehler gerne nachsieht, tue ich auch, aber ihr habt da noch ne Menge Arbet vor Euch, bevor ihr ernstahft wählbar seid.

    Auf die geheuchelte Zuneigung der Medien würde ich da nichts geben.

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