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Oskar Voldemort: Über den schwierigen SPD-Umgang mit Ex-Genosse Lafontaine

Kanzler und Parteichef vermeiden partout den Namen des Aushängeschildes der Linkspartei.

BERLIN Alle Harry-Potter-Fans wissen es: Im Zauberinternat Hogwarts darf man vieles, aber eines auf keinen Fall - nämlich den Namen des Bösen aussprechen, den des Oberspitzbuben Lord Voldemort. Die Angst vor seiner Macht und Schreckensherrschaft ist zu groß. Selbst in der Zaubererzeitung "Der Tagesprophet" wird Voldemort konsequent nur mit "Du-weißt-schon-wer" oder "Er, dessen Name nicht genannt werden darf" bezeichnet.

Passend zum Erscheinen des 6. Bandes der Harry-Potter-Serie hat sich die Spitze der deutschen Sozialdemokratie dieses Exorzisten-System abgeschaut. Sie will den Gegner dadurch bannen, dass sie seinen Namen nicht mehr ausspricht. Kein Interview von Bundeskanzler Gerhard Schröder in den vergangenen Wochen lässt sich finden, in dem dieser den Namen Lafontaine in den Mund nimmt. Auch SPD-Chef Franz Müntefering hält sich daran. Der Kanzler spricht nur noch von "den Figuren" oder "diesen beiden Gesellen" , wobei er neben Lafontaine Gregor Gysi meint. Das liegt am bitteren Beigeschmack, den der Saarländer beim Aussprechen seines Namens auf die Zunge von Sozialdemokraten zaubert, sagen Kenner.

Fern aller politischer Differenzen ist der persönliche Hass mittlerweile so groß, dass eine rot-rot-grüne Koalition tatsächlich unvorstellbar scheint. Ein Vorteil hat dies für Wähler und Journalisten: Wir müssen uns erst wieder Sorgen um ein Linksbündnis machen, wenn Schröder und Müntefering eines Tages den Namen "Lafontaine" doch wieder aussprechen sollten.

Achten Sie darauf!

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