Wahl in Schleswig-Holstein
Kieler Machtoptionen in der Hand der Piraten

Die Wahl in Schleswig-Holstein kennt bereits einen Sieger – die Piratenpartei. Alle Umfragen sehen die Polit-Neulinge sicher im Kieler Landtag. Von ihrer Stärke hängt letztlich ab, wer das Land künftig regieren wird.
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BerlinFür den Kieler SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig läuft es eigentlich ziemlich rund. Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai bahnt sich womöglich ein Wechsel zu einer Regierung unter seiner Führung an. Jedenfalls sprechen jüngste Umfragen für diese Variante. Demnach gibt es eine ausgeprägte Wechselstimmung im nördlichsten Bundesland.  Zwei Drittel der von Infratest dimap für den NDR Befragten (66 Prozent) halten die Zeit für einen Regierungswechsel für gekommen, 26 Prozent wollen, dass Schwarz-Gelb weiter regiert. Die Befragten favorisieren mit 53 Prozent ein Regierungsbündnis aus SPD und Grünen, gefolgt von 49 Prozent für ein Bündnis aus SPD, Grünen und SSW. Die Partei der dänischen Minderheit unterliegt nicht der Fünf-Prozent-Hürde.

Erst an dritter Stelle folgt mit 39 Prozent eine große Koalition aus CDU und SPD, die bei 58 Prozent aber auf Ablehnung stößt.  Im direkten Vergleich liegt der Kieler Oberbürgermeister

Albig sogar weit vor dem CDU-Mann Jost de Jager. Im Fall einer Direktwahl des Ministerpräsidenten käme Albig der Umfrage zufolge auf 56 Prozent und de Jager auf 32 Prozent. In den Sympathiewerten liegt Albig noch vor dem amtierenden Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU), der nicht erneut antritt.

Also alles eitel Sonnenschein für Albig? Weit gefehlt. Denn in Wahrheit hat es die Piratenpartei in der Hand, ob der SPD-Mann mit den Grünen eine Regierung wird bilden können oder nicht. „Wenn die Piraten zweistellig in den Landtag einziehen sollten, dann gefährdet das Rot-Grün“, sagt Albig im Interview mit Handelsblatt Online. Die rot-grüne Aufgabe müsse daher in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl sein, offensiv für einen Politikwechsel zu werben. Rot-Grün bekämen die Bürger nur, wenn sie nicht Piraten wählen. „Wer es allerdings für einen Moment schick findet, orange zu wählen, der nimmt in Kauf, dass Schleswig-Holstein dann fünf Jahre von einer großen Koalition regiert wird“, warnte Albig.

Möglicherweise stellen sich aber die Piraten selbst ein Bein, sollten sie ihre internen Streitereien über den Umgang mit Rechtsextremisten nicht in den Griff bekommen und die Wähler sich deshalb von ihnen abwenden. Auch der Piratenverband in Schleswig-Holstein hat mit dem Problem zu kämpfen. So sorgte der Lübecker Direktkandidat Manfred Vandersee mit einer Äußerung bei Facebook für Kritik, mit der er indirekt die staatliche Unterstützung für den Zentralrat der Juden infrage stellte.

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Kommentare zu " Wahl in Schleswig-Holstein: Kieler Machtoptionen in der Hand der Piraten"

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  • Einerseits freue ich mich über den aktuellen Trend, dass die Piraten zunehmen. Andererseits kann ich mich über eine Regierung der Sozen nicht freuen. Zu übel wird mir beim Gedanken an die Genossen Gas-Gerhard, Kavallerie-Peer, Schnüffel-Schily, Pop-Siggi oder diesen farblosen Weisshaarigen, der Kanzler können wollte ... Da erleide ich ja noch lieber die alternativlose Politik von Mutti.

  • es ist erstaunlich, dass in einem Hochtechnologieland eine Gruppe (Piraten) ohne Kompetenznachweis die Regierung bilden kann..

  • Ahoi! Das sollte wohl so langsam ein Schlachtruf werden. Leider sind in meiner Region ncoh keine Wahlen. Dauert wohl ncoh einw enig. Und dann steht immernoch die Frage im Raum gibt es Kandidaten?

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