Wahlkampfguru Frank Stauss
„Wer hat in seiner Jugend gekifft?“

„Bist Du gut genug?“

Beim Frankfurter Marken-Summit wandelt Stauss auf der Bühne von rechts nach links, tritt ein Stück vor. „Im Wahlkampf ist alles erlaubt“, betont er. Vergleichende Werbung, offensive Parteilichkeit, das Durchstechen von Informationen, das Skandalisieren von Ereignissen, das Durchleuchten der Akteure. Und dann sei da noch der Spitzenkandidat. „Beim letzten Bundestagswahlkampf war ich nicht dabei, also kann ich lästern“, erklärt Stauss und reiht die Patzer von Peer Steinbrück aneinander: Pinot Grigio, Beppe Grillo, Rednerhonorare.

„In dem Augenblick, wo sich jemand um diesen Top-Job bemüht, wird er anders angesehen“, sagt Stauss. Und der Zuhörer mag an Sigmar Gabriel denken, der höchst wahrscheinlich der nächste Kanzlerkandidat der SPD wird. Wie würde der wohl die Fragen beantworten, die Stauss dem Publikum in Frankfurt als Selbsttest für Spitzenpolitiker vorstellt: „Kannst Du das bestehen? Bist Du gut genug? Hast Du Dich unter Kontrolle?“ Alles könne den Bach runtergehen, wenn der Spitzenkandidat die Regeln, die der Top-Job erfordere, nicht berücksichtige.

Stauss, der nach eigenem Bekunden schon als Junge einen SPD-Wimpel an sein Bonanza-Fahrrad bastelte, kennt die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kampagne: Eine große Idee, eine große Persönlichkeit, die Abgrenzung vom politischen Gegner und das Nutzen des „Momentums“, wenn der Funke auf die Anhänger und bestenfalls auf die breite Wählerschaft überspringt. So beschreibt es Stauss in seinem Buch „Höllenritt“. Klingt alles nicht nach SPD. Zumindest nicht im Moment.

Dass er den Genossen aber Mut machen kann, bewies Stauss zuletzt im Januar bei der SPD-Klausur in Nauen. Dort rechnete er vor, dass es ein Wählerpotenzial von 38 Prozent für die Sozialdemokraten gebe. Die SPD genieße hohes Ansehen in den Bereichen „Sozialer Zusammenhalt“, „Bildung“ und „Integration“ und stehe für eine offene, tolerante Gesellschaft. „Diese Kompetenzen sind jetzt gefragt“, beteuerte Stauss seinerzeit gegenüber dem Handelsblatt. „Die politische Landschaft sortiert sich neu und im Vergleich zu einer aggressiven AfD und einer zerstrittenen Union, bieten sich der SPD als ausgleichende und soziale Kraft neue Chancen.“

In Frankfurt spricht er nun über die SPD als Marke, über Wahlprogramme, die mal rechter und mal linker ausfielen, über Kandidaten wie Wowereit, der eigentlich „harter Arbeiter und Aktenfresser“ gewesen sei, aber das Image des Partybürgermeisters gehabt habe. „Die Amerikaner sagen: Wenn du eine Kampagne nicht führen kannst, kannst du auch nicht regieren“, berichtet Stauss.

Bevor er den Auftrag von Politikern annimmt, macht der Werbestratege eine ausgeprägte Schwächenanalyse: „Wenn Sie die Schwachstellen Ihrer Produkte kennen und sie nicht abstellen können, müssen Sie damit umgehen können.“ Bei Gabriel dürfte er noch dran sein an der Analyse.

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