Was vom Tage bleibt
Dein Feind ist mein Feind

Mit Tornados kann Deutschland keinen einzigen Terroristen bekämpfen. Der Einsatz ist nur ein Symbol für die Verbundenheit mit Frankreich, meint Oliver Stock in seiner Abend-Kolumne.
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Tornados gegen den IS: Wer nach dem Beschluss der Bundesregierung von heute Abend glaubt, das funktioniert, ist ein Leichtgläubiger. Tornados als Zeichen der Verbundenheit mit Frankreich – das kommt der Funktion dieses Bundeswehreinsatzes schon näher. Tatsache ist: Deutschland hilft seinem engsten Freund auf der Weltbühne mit militärischem Beistand. Im Kampf gegen Terroristen aber werden die Tornados wenig ausrichten.

Um das zu erkennen, muss man sich nur einmal mit dem Himmel über Syrien beschäftigen. Dort sind inzwischen Luftwaffen aus mehr als zehn verschiedenen Nationen im Einsatz: Russland ist mit seinen Kampfflugzeugen unterwegs, Putin unterstützt damit das Regime des bestialischen Diktators Assad und beschießt jene Rebellen, die Assad vertreiben wollen und selbst keinen Deut besser sind als der Diktator. Israel fliegt ständig Einsätze über syrischem Gebiet, um Waffenlieferungen an die feindliche Hisbollah zu unterbinden.

Ein Großteil der Flugzeuge über Syrien zählt allerdings schon jetzt zu jener von den USA angeführten Koalition, die sich gegen den IS zusammengefunden hat: Das sind die Amerikaner selber sowie die Türkei, Katar, Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Australien und Kanada. Dazu kommen noch die Briten, die nebenan über irakischen Luftraum gegen den IS operieren. Die Franzosen fliegen inzwischen ebenfalls Einsätze. Wer glaubt, dass deutsche Aufklärungsflugzeuge nun das Blatt wenden – der erkennt die Lage nicht.

Dazu kommt: Wie sollen IS-Kämpfer, die sich in den Städten Syriens zwischen Millionen anderer Menschen aufhalten, erfolgreich aus der Luft bekämpft werden? Und wer über diese Frage hinweggeht, der kann sich mit der Antwort auf folgendes Thema beschäftigen: Für wen will diese internationale Koalition, an der sich Deutschland jetzt beteiligt, den IS beiseite räumen? Für die Rebellen? Für das Assad-Regime, dessen Vorgehen doch überhaupt erst die Ursache für die Ausbreitung des IS ist? Für den Iran, der schiitischen Milizen nach Syrien gelenkt hat, die gegen die sunnitische Bevölkerung vorgehen?

Und noch eine Frage ist erlaubt: Glaubt wirklich irgendjemand, dass die Terroristen, die aus den Vorstädten von Brüssel und Paris ihren Vernichtungsfeldzug gestartet haben und möglicherweise in anderen Vorstädten dieser Welt auf der Lauer liegen, durch Bomben auf Syrien aufzuhalten sind?

Nein, der Krieg, in den sich Deutschland da begibt, ist ein Symbol. Das Symbol besteht darin, Frankreich nicht im Stich zu lassen. Terroristen haben unser Nachbarland feige angegriffen. Frankreichs Staatsoberhaupt hat deswegen entschieden, dass das Land sich auch in Syrien, wo die Terroristen ihren politischen und religiösen Nährboden und ihre militärische Ausbildung erhalten, zu Wehr setzt – und dabei helfen wir ihm. Es ist ein Krieg nach dem Motto: Der Feind meines Freundes ist auch mein Feind. Es ist aber kein Einsatz, mit dem sich dieser Feind besiegen lässt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Dein Feind ist mein Feind"

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  • Oh! ""bestialischer Diktator" muss es heißen, nit "t".

  • Zweiter Versuch: Worauf gründen Sie die extreme Bezeichnung "bestialischer Dikdator"?
    Würden Sie diese Bezeichnung auch auf Obama anwenden, wenn Sie wüssten, dass er ohne Gerichtsbe4schluss mittels Drohnen zahreiche (Tausende) Zivilisten als "Kolateralschäden" umbringt?

  • Vier Waffen, die die Attentäter von Paris benutzt haben, sollten aus Deutschland kommen: Ein Händler aus Baden-Württemberg soll laut „Bild“ einem „Araber aus Paris“ Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow verkauft haben. (Eine Internetbestellung)

    Vielleicht deshalb die uneingeschränkte Unterstützung für Frankreich?

    Irgendwie hängt Deutschland anscheinend immer mit drin:
    Einmal sind es die 9/11-Attentäter, die völlig unbehelligt ihre Pläne von ihrem Hamburger Wohnsitz aushecken konnten, jetzt anscheinend ein Waffenhändler aus BW der Waffen an Unbekannt verkaufte (Ermittlungen dauern an).

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