Wechsel im Vatikan
Auf den neuen Papst wartet viel Arbeit

Benedikt XVI. verabschiedet sich feierlich von Gläubigen. Nun muss ein anderer die Probleme lösen, die er im Vatikan hinterlässt. Dabei spielen nach der Vatileaks-Affäre auch Spekulationen um Sexskandale eine Rolle.
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Zum letzten großen öffentlichen Auftritt von Papst Benedikt XVI. kamen am Mittwoch 150.000 Menschen zur Audienz auf den Petersplatz in Rom. Auch viele Pilger aus Deutschland hatten sich für die Generalaudienz auf den Weg gemacht. Was hinter den Fassaden des Vatikans vorgeht, können sie allerdings nur ahnen - und spekulieren.

Denn der Kirchenstaat hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Die Frage, wann und wie der neue Papst gewählt wird, scheint vor dem Hintergrund der vielen Probleme, die Benedikt XVI. seinem Nachfolger hinterlässt, schon beinahe zu verblassen.

Bestimmt wird der neue Pontifex in geheimer Wahl vom sogenannten Konklave. Diese Versammlung der Kardinäle beginnt normalerweise 15 bis 20 Tage nach dem Tod oder - wie jetzt - dem Rücktritt eines Papstes und tagt in der Sixtinischen Kapelle. Papst Benedikt XVI. hat die Regeln allerdings so geändert, dass das Konklave früher beginnen kann.

Mit der Vorbereitung des Konklave ist der sogenannte Camerlengo betraut. Der Kardinalkämmerer des Heiligen Stuhls steht der Apostolischen Kammer vor, die zwischen dem Ende eines Pontifikats und der Ausrufung eines neuen Papstes die Güter des Vatikans verwaltet.

Schon die Einberufung des Konklave kommt nicht ohne öffentliche Diskussion aus: Nicht nur, dass der ranghöchste Katholik Großbritanniens, Kardinal Keith O'Brien, am Montag nach Vorwürfen des unangemessenen Verhaltens gegenüber Priestern sein Amt aufgegeben hatte und damit nicht an Papstwahl teilnehmen wird. Auch gegen die Teilnahme des umstrittenen US-Kardinals Roger Mahony regt sich Widerstand. Der frühere Erzbischof von Los Angeles soll versucht haben, Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu vertuschen und beschuldigte Geistliche zu schützen.

Doch auch nach erfolgreicher Neuwahl wird Benedikt seinem Nachfolger einige heikle Dossiers hinterlassen. Höchst persönlich übergeben will er ihm zum Beispiel einen geheimen Bericht über die "Vatileaks"-Affäre. Dabei waren geheime Dokumente des Papsts kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt worden.

Details dieses Berichts könnten laut Vermutungen der italienische Zeitung „La Repubblica“ sogar ein Grund für den Rücktritt gewesen sein. Das von Kardinälen angefertigte Geheimdokument über aus dem Vatikan gestohlene Informationen wurde dem Papst im Dezember vorgelegt und handelt laut der Zeitung auch von Erpressung, Sex- und Machtgier im Gottesstaat.

Benedikt (85) hatte als Begründung seines Rücktritts zwar Altersgründe ins Feld geführt, laut „La Repubblica" sei die Entscheidung aber an dem Tag gefallen, an dem er den Bericht erhalten habe. Der Vatikan lehnte es ab, sich zu den Spekulationen über mögliche spektakuläre Hintergründe der Entscheidung des Papstes zu äußern. Es gebe keine Kommentare, Bestätigungen oder Dementis zu einzelnen Punkten.

Laut italienischen Medien wird in dem Geheimdokument jedoch „ein genaues Bild des Schadens und der faulen Fische“ im Vatikan gezeichnet. Die Kardinäle sollen ein verborgenes Schwulen-Netzwerk ausgemacht haben, das in Rom und im Vatikan Sex-Treffen organisiert habe.

Kurienmitglieder in dem Netzwerk seien durch ihre sexuelle Orientierung erpressbar gewesen. Dem Zeitungsbericht zufolge will er die „Vatileaks“-Informationen persönlich seinem Nachfolger übergeben, in der Hoffnung, dass dieser „stark, jung und heilig“ genug sei, um dann die notwendigen Schritte zu unternehmen.

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Die Krise um die Vatikanbank ist nicht ausgestanden

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