Wechsel zur Bundesbank
Sarrazin gibt Finanzsenator-Posten auf

Wenn die Bedeutung eines Mannes an der Zahl seiner Feinde gemessen wird, dürfte Thilo Sarrazin ein ganz Großer sein. Es gibt kaum eine Berufsgruppe oder Partei, mit der sich Berlins Finanzsenator während seiner Amtszeit nicht angelegt hat. Damit ist jetzt Schluss. Der SPD-Politiker verlässt Berlin und wechselt zur Bundesbank nach Frankfurt.

HB BERLIN. Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat seinen geplanten Wechsel in den Vorstand der Bundesbank in Frankfurt am Main bestätigt. Er werde nur noch bis zum 30. April im Senat der Hauptstadt arbeiten, sagte der 64-jährige SPD-Politiker der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Danach werde er aber seinen Wohnsitz in Berlin behalten und nach Hessen pendeln. „Ich bin unter allen Umständen Berliner“, sagte Sarrzin dem Blatt.

Am heutigen Dienstag wollen die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, die gemeinsam das Vorschlagsrecht für den Bundesbankposten haben, Sarrazin offiziell benennen. Seine Nachfolge in Berlin ist noch offen.

Mit Sarrazin tritt ein Mann von der politischen Bühne, der durch seine markigen Sprüche auffiel. Politisch geschadet hat ihm das nur wenig. Denn der SPD-Mann gilt auch als hervorragender Fachmann für öffentliche Finanzen.

Sarrazins fachliche Kompetenz wurde denn auch selten bestritten. Der Diplom- Volkswirt diente als Beamter in Bonn seit 1974 allen Bundesfinanzministern von Hans Apel (SPD) bis Theo Waigel (CSU). Unter Waigel arbeitete Sarrazin 1990 maßgeblich die Grundzüge der deutsch-deutschen Währungsunion aus. Später arbeitete er als Staatssekretär in Rheinland-Pfalz, dann bei der Treuhand und der Deutschen Bahn. Dort trennte er sich 2001 im Streit mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

In Berlin galt Sarrazin als akribischer Rechner und kompromissloser Haushälter. Er schaffte es, das Haushaltsloch von knapp fünf Mrd. Euro Minus im Jahr 2002 durch einen strikten Sparkurs und mit Hilfe der guten Konjunktur abzubauen. 2008 verbuchte Berlin erstmals in seiner Nachkriegsgeschichte ein Plus von 940 Mio. Euro. Nachfolger Sarrazins soll nun möglicherweise sein früherer Staatssekretär Hubert Schulte (SPD) werden, der zur Zeit in Bremen die Senatskanzlei leitet.

Als Bundesbanker muss sich Sarrazin künftig vermutlich diplomatischer ausdrücken. Für seine Freizeit hat er sich bereits auf seinen neuen Job eingestellt. Vor einiger Zeit begann er, Golf zu spielen - ein in Frankfurter Banker-Kreisen nicht ganz unbeliebtes Hobby.

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