Wegen bevorstehender Gesetzesänderung
Gewerkschaften fürchten Entlassungswelle

Der DGB rechnet damit, dass bis Ende Januar hunderttausende ältere Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Ihre Unternehmen würden sie jetzt loswerden wollen, um ihnen einen längeren Bezug des höheren Arbeitslosengeldes I zu ermöglichen. Mit einer „sozialen Ader “der Betriebe hat das Ganze wenig zu tun.

HB BERLIN/NÜRNBERG. DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer sagte der "Berliner Zeitung", Hintergrund sei die geplante Verkürzung der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I. Die Gewerkschaften befürchteten, dass viele Unternehmen noch die alte Regelung ausnutzen wollten, um auf Kosten der Sozialkassen ältere Mitarbeiter loszuwerden.

Ab 1. Februar haben Erwerbslose über 55 Jahre noch höchstens 18 Monate lang Anspruch auf das ALG I statt 32 Monate wie bisher. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigte, dass etliche große Unternehmen signalisiert hätten, dass sie bald Mitarbeitern kurz vor Erreichen des Rentenalters kündigen wollten. BA-Sprecher Ulrich Waschki sagte Handelsblatt.com, es gehe den Firmen darum, den Beschäftigten möglichst geräuschlos kündigen und die noch geltende längere Bezugsdauer des ALG I als "eine Art Vorruhestandsregelung" nutzen zu können. Dies könne als Verhandlungsargument bei Gesprächen mit Beschäftigten und Betriebsrat dienen.

"Krisenschmarotzer"

Die Gewerkschaften drängen daher Union und SPD, den alten rot-grünen Gesetzentwurf umgehend wieder aufzugreifen, wonach die Übergangsregelung für das Arbeitslosengeld I verlängert werden sollte. Damit würde für über 55-Jährige weiterhin die Höchstbezugsdauer von 32 Monaten gelten.

Engelen-Kefer kritisierte, gerade Großkonzerne machten zur Zeit ordentliche Gewinne, trotzdem würden Massenentlassungen geplant. "Diese Ignoranz vieler Arbeitgeber gegenüber Älteren treibt die Menschen in die Perspektivlosigkeit und verschärft die Probleme der Sozialversicherungen", sagte die Gewerkschafterin. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel sagte: "Diese Arbeitgeber nutzen schamlos die von ihnen durchgedrückten sozialen Verschlechterungen aus. Sie sind Krisenschmarotzer."

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