Weidmanns Doktorvater
"Er ist der Aufgabe nicht gewachsen"

Merkel lobt ihren neuen Bundesbank-Chef und gibt den Kampf um die EZB-Spitze nicht auf. Sein Doktorvater Roland Vaubel allerdings sieht in Jens Weidmann nur einen "farblosen Technokraten".
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ihren Wirtschaftsberater Jens Weidmann zum jüngsten Präsidenten in der Geschichte der Bundesbank. Der 42-Jährige wird im Mai Nachfolger von Axel Weber. Erstmals rückt auch eine Frau in den Vorstand der
Notenbank: Die bisherige Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger (46) wird Vize-Chefin. Wegen Weidmanns Wechsel sieht die Opposition die Unabhängigkeit der Bundesbank in Gefahr.

Mit Kritik von dieser Seite konnte Weidmann rechnen. Die abfälligen Worte des Mannheimer Wirtschaftsprofessors Roland Vaubel, bei dem Weidmann zunächst mit seiner Promotion begonnen hatte, dann aber bei Manfred Neumann in Bonn promoviert wurde, kommen allerdings überraschend. Vaubel kritisierte in der "Stuttgarter Zeitung" und in der "Welt" Weidmanns Berufung zum Bundesbankchef. "Ich fürchte, er ist der Aufgabe nicht gewachsen." Weidmann sei ein "farbloser Technokrat". Der Bankenverband dagegen lobte: "Weidmann kennt die Bundesbank sehr gut und besitzt sowohl das Gespür für Märkte als auch für die Politik."

Merkel wehrte sich gegen Kritik der Opposition an ihrer Personalentscheidung. "Jeder, der Jens Weidmann kennt, weiß, dass er über höchste Sachkompetenz verfügt, dass er einen brillanten Intellekt hat, dass er ein unabhängiger Kopf ist", betonte die Kanzlerin und sprach von einem "guten Personalpaket". Sie sei überzeugt, dass Weidmann ein ausgezeichneter Bundesbank-Präsident sein werde und im Kreis der Europäischen Zentralbank (EZB) seine Stimme für die deutsche Stabilitätskultur erheben werde.

Merkel machte zugleich deutlich, dass nach Webers Rückzug als Kandidat Deutschlands Anspruch auf die EZB-Spitze keineswegs hinfällig sei. "Diese Hoffnung und auch der Anspruch sind nicht weg", sagte sie NDR Info. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hört im Herbst auf. Über die Nachfolge soll im Frühjahr entschieden werden. "Und dann werden wir schauen, welche Karte wir noch im Spiel haben", sagte Merkel.

Auch FDP-Chef Guido Westerwelle betonte: "Wir haben unsere Ambitionen in Europa, bei der Europäischen Zentralbank, natürlich nicht aufgegeben." Nach Angaben von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) werde zunächst das Gesamtpaket zur Euro-Stabilisierung geschnürt.

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