Weihnachtsansprache
Köhler geißelt Maßlosigkeit der Finanzbranche

Bundespräsident Horst Köhler hat in seiner Weihnachtsansprache mehr Verantwortung der Finanzbranche für das Allgemeinwohl eingefordert und strengere gesetzliche Regeln für den Bankensektor angemahnt. Neben der Finanzkrise thematisierte Köhler tragische Ereignisse des Jahres 2009 wie den Amoklauf von Winnenden.
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HB BERLIN. Maßlosigkeit der Finanzakteure und Mängel bei der staatlichen Aufsicht hätten die Welt in eine tiefe Krise gestürzt, sagte Köhler in Weihnachtsansprache, die am Abend des ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wurde. „Wir brauchen Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft.“ Notwendig sei die Einsicht, dass Geld den Menschen dienen müsse und sie nicht beherrschen dürfe.

Die Verantwortlichen rief Köhler zur Einkehr auf. „Wir leben in einer Welt, die wir selbst gestalten dürfen. Das ist ein Geschenk. Aber es verpflichtet uns auch, die Defizite unserer Welt zu erkennen und dagegen anzugehen.“

Von der Politik fordert der Bundespräsident mehr Nachhaltigkeit. „Es geht um eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt“, sagte er. Dazu gehöre eine „Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung“. Dies werde Vertrauen schaffen.

„Wir können alle etwas tun für unser Land“

Köhler forderte die Bürger zu einem achtsamen Umgang mit den Mitmenschen und der Umwelt auf. „Wir können alle etwas tun für unser Land.“ Achtsam leben heiße, sich für eine gerechte Ordnung „bei uns und in der Welt“ einzusetzen, sorgsam mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen und sich für die Nächsten sowie für die Allgemeinheit zu engagieren.

Köhler erinnerte an die „Schutzlosigkeit“, die viele Menschen im vergangenen Jahr erfahren haben. Als Beispiele nannte er den Amoklauf von Winnenden, bei dem 15 Kinder von der Hand eines Kindes starben, oder den Mann, der an einer Münchner S-Bahn-Station couragiert wehrlosen Kindern beigestanden hatte und dafür mit seinem Leben bezahlte. „Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben“, sagte der Bundespräsident. Doch stecke in ihnen auch eine Aufforderung: „Die Aufforderung, nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben. Sind wir achtsam genug miteinander?“

Kultur der Achtsamkeit angemahnt

Köhler forderte grundsätzlich eine „Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung“. Verantwortungsbewusstsein mahnte Köhler auch im Umgang mit der Umwelt an. „Wenn wir wollen, dass unsere Erde, und wir haben nur die eine, auch morgen noch eine gastliche Heimat sein soll, dann müssen wir achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen.“

Die Demokratie und die Möglichkeit zur Gestaltung der Welt nannte Köhler ein Geschenk. Sie erforderten aber auch eine „Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt“. Über das Engagement vieler Bürger in Vereinen und Kirchengemeinden, in politischen Parteien, in Bürgerinitiativen und in der Nachbarschaftshilfe zeigte er sich froh.

Den Soldaten, Polizisten und zivilen Aufbauhelfern, die in Afghanistan im Einsatz sind, dankte Köhler ausdrücklich. In Deutschland mache man sich oft nicht klar, was ihr Dienst bedeute.

Kommentare zu " Weihnachtsansprache: Köhler geißelt Maßlosigkeit der Finanzbranche"

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  • Recht hat der der bundespraesident.

    Wenn wir alle mehr Veranwortung zeigen wuerden, waere die ganz Krise nicht passiert.

    Sie ist aber passiert. Versagt haben alle Kontrollinstutionen. Versagt haben auch wir als Menschen (ich war auch dabei) die mehr haben wollten, als sinnvoll moeglich ist.

    Und was ich schon wieder deutlich sehe ist, dass die Zocker laengst wieder am Werk sind. Als sei Nichts passiert. Und mit verbesserten Modellen.

    Wir brauchen bessere globale Kontrollen, erhoehten Kapitaleinsatz bei allen Geschaeften, eine Erziehung, die, wie im alten Preussen, Ehre von Gewinn setzt.

    Und wir brauchen, da die Geschaefte die wir machen, gerne mindestens eine Staatsgrenze ueberschreiten, globale Strafbestimmungen, die von berufsverbot ueber Geldstrafen zu Haftstrafen reichen.

    Tun wir diese Dinge nicht, ist die naechste Krise schon im Anmarsch.

    Euer
    Rainer

  • Herr Köhler wurde von der bundesversammlung gewählt - also von den Leuten die die Knechte der Finanzwirtschaft sind und denen entsprechend das Wohl
    der Menschen am ***** vorbei geht.

    Was soll man also von einem solchen bundespräsidenten erwarten ?

    Herr Köhler, wenn Sie es mit der Umwelt und den Menschen wirklich ernst meinen, dann statuieren Sie
    ein Exempel und verlassen Sie diesen korrupten und gekauften Laden mit derselben begründung!

    Ansonsten, halten Sie bitte einfach ihren Mund
    und lassen Sie sich zu Weihnachten ein paar Millionen in einem schönen Umschlag einstecken! (so wie Sie das beim iWF gemacht haben)

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