Weitergabe des Schavan-Gutachtens
Uni Düsseldorf stellt Strafanzeige

Die Universität Düsseldorf stellt Strafanzeige gegen Unbekannt. Der Grund: Das Gutachten über den Fall Schavan, das den Medien zugespielt wurde - obwohl das Institut noch keine Entscheidung getroffen hat.
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DüsseldorfDie Heinrich Heine Universität Düsseldorf geht im Fall Schavan in die Offensive und stellt Strafanzeige - und zwar gegen Unbekannt. Der Grund: Die Weitergabe eines Gutachtens über die Doktorarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan. Die Dissertation wird derzeit noch an der Universität auf Plagiate überprüft. Der "Spiegel" hatte Teile des Gutachtens veröffentlicht, allerdings hatte das Institut die Bewertung nicht für die Öffentlichkeit freigegen. Seit dem Wochenende versucht die Uni nun zu klären, wie es zu dem Vorfall konnten konnten.

Die Universität bedauerte, dass das Gutachten "möglicherweise unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit" gelangen konnte. Nach Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 prüft der Promotionsausschuss der Hochschule seit Mai die Arbeit. Am Wochenende war die für den Ausschuss bestimmte „Sachverhaltsermittlung“ bekanntgeworden. 15 ständige und Vertretungsmitglieder des Gremiums hatten sie zur Vorbereitung erhalten. Der Ausschuss tagt an diesem Mittwoch. Jedoch befinde man sich am Anfang des Verfahrens, betonte ein Sprecher.

Während die Kritik und auch Rücktrittsforderungen gegenüber Schavan nicht abreißen, nahm ihr Doktorvater Gerhard Wehle sie in Schutz. "Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard", sagte der 88-jährige Erziehungswissenschaftler der "Rheinischen Post". Eine vorsätzliche Täuschung ist für ihn nicht vorstellbar: "Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?", fragte er. Zudem dürfte eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben bewertet werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Weitergabe des Schavan-Gutachtens: Uni Düsseldorf stellt Strafanzeige"

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  • und keiner hinterfragt die damaligen Prüfer.
    Denn diese sollen eine Dissertation nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf formale Fehler wie zum Beispiel 'vergessene'
    Quellenangaben überprüfen. Dabei sind 2 ext. Gutachter dabei.
    Auf welche Quellen konnte Frau Schavan damals in der Uni Düsseldorf zurückgreifen?
    btw. gibt es bei den Grünen, Roten und ganz Roten keine Promovierten?
    Denn geplagt werden offensichtlich nur Mitglieder der momentanen Regierung, da auch nur die beliebten...

  • Natürlich vorausgesetzt, dass die Vorwürfe stimmen.

  • 2012 eine Doktorarbeit von 1980 zu bewerten, das ist unverständlich, nicht aktzeptabel, unsinnig und sinnfrei.

    Das sehe ich anders.
    Es handelt sich um Betrug. Schavan ahnte damals nur nicht, dass man 30 Jahre später solchen Verbrechern auf die Spur kommen kann. Ihr Pech!

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