Weniger Arbeitslose in der Statistik
Ein-Euro-Jobs sollen Arbeitslosenzahl drücken

Die Bundesregierung verspricht sich von den 600.000 Ein-Euro-Jobs eine spürbare Entlastung der Arbeitsmarkt-Statistik. Der Deutsche Städtetag warnte indes erneut vor einer drohenden Konkurrenz für den ersten Arbeitsmarkt.

HB BERLIN. Die geplanten 600.000 Ein-Euro-Jobs, die im kommenden Jahr an Langzeitarbeitslose vermittelt werden, sollen die Arbeitslosenzahl deutlich drücken. Die Teilnehmer an den so genannten Arbeitsgelegenheiten sollten künftig durchgängig nicht mehr als erwerbslos gezählt werden, berichtete am Samstag der «Spiegel» unter Berufung auf eine neue Verwaltungsvorschrift der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA).

Bislang wurden so genannte Ein-Euro-Jobber in der Statistik vielfach weiter als Arbeitslose geführt. Experten schätzen, dass mit dem Trick die Arbeitslosenzahl im nächsten Jahr um bis zu 400.000 sinken könnte. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte vor kurzem angekündigt, Langzeitarbeitslose im Rahmen der Hartz-IV-Reform künftig in großem Stil für gemeinnützige Arbeiten in der Altenpflege, bei der Kinderbetreuung oder Landschaftspflege einzusetzen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, warnte indes vor einer zu starken Ausdehnung der Ein-Euro-Jobs. «Falls das nicht mit Augenmaß geschieht, entsteht Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt, zum Handwerk, zum Mittelstand», sagte Articus der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», wie das Blatt vorab berichtete. Wenn so durch gemeinnützige Beschäftigung echte Arbeitsplätze wegfielen, «ist das eine absurde Verdrehung des ursprünglichen Ziels».

Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) verlangte derweil Kreativität bei der Schaffung von Ein-Euro-Jobs. Der «Berliner Zeitung» vom Samstag sagte sie, es gebe in Berlin beispielsweise 12.000 arbeitslos gemeldete Menschen aus dem Bereich Ernährung und Gastronomie. «Warum sollen die nicht in den Ganztagsschulen Kindern erklären, wie man gesund einkauft, gesund kocht, gesund lebt, sich bewegt.» So könnten Arbeitslose eine qualifizierte Stelle finden und kein Lehrerarbeitsplatz gehe verloren.

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