What's right?
Spart Euch den VfL Wolfsburg!

Der neue VW-Chef Matthias Müller kündigt nach dem Abgas-Skandals einen rigorosen Sparkurs an. Alle Investitionen würden hinterfragt, auch das Fußball-Engagement. Gut so – für VW und für den deutschen Fußball.
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BerlinDer VfL Wolfsburg ist unter deutschen Fußballfans so beliebt wie das Goldkettchen eines Vorstadt-Cowboys. Ein gekauftes Accessoire von Neureichen – peinlich, protzig, seelenlos und überflüssig. Der VfL verkörpert in den Stadien von Dortmund, Hamburg, Gelsenkirchen, Köln, Frankfurt oder Mönchengladbach die emotionale Gegenwelt von Traditionsklubs, deren Fans in Leidenschaft und Hingabe zu ihrem Verein so innig verbunden sind wie es eben kein Geld der Welt kaufen kann.

Darum wird Wolfsburg dort seit Jahren als Goldkettchen-Truppe aus der Autofabrik veralbert, als habe der Verein von VW so viel Geld, dass zu Zeiten des Meistertrainers Felix Magath selbst die legendären Medizinbälle mit Gold gefüllt gewesen seien.

Doch die goldenen Zeiten der VW-Kicker gehen nun zu Ende. Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hat das Engagement des Konzerns im Fußball offen infrage gestellt. „Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen“, sagte der Nachfolger von Martin Winterkorn in einem Interview – und seither hat der VW-Skandal auch die Fußballwelt erreicht.

Müller muss wegen des Abgasskandals einen harten Sparkurs für den gesamten Konzern einschlagen. VW drohen Strafen in Milliardenhöhe. „Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen noch mal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben“, verstärkte Müller dann im Wolfsburger VW-Stammwerk: „Ich bin ganz offen: Das wird nicht ohne Schmerzen gehen.“

Damit ist klar, dass für die Millionentruppe des VfL das große Geld versiegen wird. „Wir können nicht Familienväter entlassen, aber Millionen in Star-Fußballern verpulvern“, heißt es aus Wolfsburg. Die Ankündigung Müllers ist daher moralisch wie manageriell völlig richtig.

Aber sie signalisiert auch ein Stück kulturelle Umkehr vom selbst gefälligen Macho-Gehabe des Skandal-Konzerns zu einem ehrlicheren, bescheideneren Stil. Unter Martin Winterkorn hatte Volkswagen den Fußball als eine glitzernde Bühne für Autowerbung, aber auch für eigene Eitelkeiten und Großmannssucht entdeckt.

Die Vorstellung, als weltgrößter Autohersteller auch die Geschichte des Weltfußballs ein Stück weit mitzuschreiben, hatte in Wolfsburg Einzug gehalten. Der VfL wurde zur hundertprozentigen Konzerntochter und jährlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag unterstützt. Zudem ist VW über die Tochter Audi am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt (unter Fans auch FC Audi 04 genannt) massiv beteiligt.

Und so wurde es normal, dass Konzernlenker Martin Winterkorn in seiner Doppelfunktion als Patron des VfL Wolfsburg und als Aufsichtsrat des FC Bayern einen Transfer des Müncheners Luiz Gustavo nach Wolfsburg persönlich abgesegnet hat.

Während die klassische Fußballwelt diese übergriffige Einmischung des Autokonzerns in den Sport zusehends kritisch beäugt hat (immerhin gönnte sich Winterkorn jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag für seine Fußballmacht), gab es zusehends auch bei VW selbst kritische Stimmen dazu: Der zurückgetretene Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch war der prominenteste Gegner des Fußballmonopolys von Winterkorn. Und da Piëch dieser Tage bei VW einiges so revidiert bekommt, wie er es von Anfang an wollte, dürften auch die winterkorn'schen Fußballmillionen bald verschwinden.

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  • entschuldigung, habe ich soeben richtig gelesen...? das HANDELSBLATT wettert gegen die kommerzialisierung des deutschen fußballs...?! realsatire ist doch immer noch die schönste! :-) ihr glaubt doch selbst nicht, was ihr da geschrieben und abgedurckt habt...JEDER relevant erforgreiche fußballclub der welt hat einen oder mehrere potente geldgeber im rücken...was bitteschön ist denn an volkswagen schlechter als an gazprom, eon, rwe, bayer, emirates etc...? mir jedenfalls ist ein hauptsponsor mit nachvollziehbarer bindung zur stadt wolfsburg, land niedersachen und industriestandort deutschland weitaus lieber als russische oligarchen oder arabische ölscheichs...aber wettert nur weiterhin gegen alles neue im sport (denn ein wenig spießigkeit muss sich ganz offensichtlich auch ein neoliberales blatt gönnen) und postuliert weiterhin das luftschloss "tradition" im fußball, denn laut duden kann man erst ab einer zeitspanne von etwa 3 generationen (also etwa 240 jahren) von einer solchen reden...demnach ist KEIN EINZIGER verein der bundesliga ein traditionsclub! aber immer schön ressentiments schüren...

  • Jetzt kommen sie aus ihren Löchern gekrochen, die Neider und Hasser ....

  • Eine Anmerkung am Rande zum Großreinemachen und wer der leidtragende ist. Herr Volkswagen-Chef Matthias Müller und meine Vorstandsherren, vergesst bitte nicht auch bereits bezahlte Kohle in Größenordnungen von Vorständen zurückzuholen bzw. zu fordern, die von dem Abgasskandal nichts wussten.

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