What's right?
Zu feige für die Revolte?

Fifa-Präsident Joseph Blatter ist der personifizierte Skandal. Doch die großen europäischen Fußballverbände schaffen es einfach nicht, ihn zu stürzen. Dabei hätten sie alle Mittel in der Hand.
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Joseph Blatter ist eine Mischung aus einem sizilianischen Paten und einem Oligarchen des Sports. Er führt die Fifa seit 17 Jahren so schamlos mit dem Scheckbuch, dass man das nur noch unter zynischen Gebrauchtwagenhändlern Usbekistans für normal halten könnte. Blatter hat mit seiner radikalen Monetarisierung die Fifa ethisch vergiftet und eine korrupte Günstlingswirtschaft alter Männer etabliert, die auch noch obszön selbstgefällig daherkommt.

Die jetzige Verhaftungswelle hochrangiger Fifa-Funktionäre wirkt wie ein letztes Fanal in einer atemraubenden Serie von Skandalen. Alles andere als ein sofortiger Rücktritt Blatters ist für das Ansehen des Weltfußballs unerträglich.

Doch offenbar scheinen die Seilschaften der Korruption stabiler als das Ethos der Anständigen. Dabei hätten die europäischen Fußballverbände (allen voran der DFB) und die großen Sponsoren aus der Wirtschaft alle Mittel in der Hand, Blatter zu stürzen und einen Neubeginn der Fifa zu erzwingen.

Die großen Verbände Europas könnten einfach aus der Fifa austreten und einen eigenen Weltverband der Anständigen gründen. Nichts kann sie daran hindern. Die Verfassung der Fifa, bei der fußballignorante, käufliche Kleinstaaten die gleiche Stimme haben wie Deutschland oder Italien, bedarf ohnedies der Revision.

Kurzum: Man könnte Blatter einfach boykottieren. Wenn aber die großen und kapitalstarken Fußballnationen wie Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien nicht mehr dabei wären, dann wären Blatter und seine Funktionärsmarionetten am Ende.

Das gleiche gilt für die Konzerne, die mit gewaltigen Summen als Werbepartner der Fifa agieren. Auch sie könnten die Fifa finanziell einfach aushungern. Auch bei ihnen geböte es eigentlich die Integrität ihrer Marken, dass sie dieses marode System nicht mehr weiter stützen. Die Weltkonzerne können sich ihre gesamte „Corporate Social Responsability“ sparen, wenn sie die Korruption nicht sofort unterbinden helfen.

Kommentare zu " What's right?: Zu feige für die Revolte?"

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  • Wenn die Amis nicht mal Tacheles geredet und vollendete Tatsachen geschaffen hätten würden die Europäer noch Jahrzehnte rumlavieren, um dann eine Feigenblattlösung zu finden, wenn überhaupt. Man fühlt sich da an das Rumgeeiere EU-Griechenland errinnert. Auch wenn vielen die Rolle der Amis als selbsternannter Weltpolizist missfällt, die sind die Einzigen, die etwas bewegen

  • Der 1. Schritt zu einer Reform wäre, die TV-Rechte zentral aus der FIFA-Zentrale weltweit an die meistbietenden nationalen TV-Anstalten zu versteigern. Dann hätten die nationalen Präsidenten ein Handelsgut weniger, um sich persönlich bereichern zu können.

    Der 2. Schritt zu einer Reform wäre, zur Wahl über die Vergabe der nächsten WM unter den Delegierten die Stimmrechte unmittelbar vor der Abstimmung zu verlosen. Dann hätten die nationalen Präsidenten ein weiteres Handelsgut weniger, um sich persönlich bereichern zu können.

    Der 3. Schritt wäre ein Austritt der nationalen Verbände die Korruption ablehnen aus der FIFA und Gründung eines eigenen Weltverbandes. Die TV-Rechte und Sponsorengelder würden für die FIFA nur noch spärlich fließen, wenn in "ihrer" WM nur noch Ruanda gegen Kasachstan und Rußland gegen Nordkorea antritt.

  • Der 1. Schritt zu einer Reform wäre, die TV-Rechte zentral aus der FIFA-Zentrale weltweit an die meistbietenden nationalen TV-Anstalten zu versteigern. Dann hätten die nationalen Präsidenten ein Handelsgut weniger, um sich persönlich bereichern zu können.

    Der 2. Schritt zu einer Reform wäre, zur Wahl über die Vergabe der nächsten WM unter den Delegierten die Stimmrechte unmittelbar vor der Abstimmung zu verlosen. Dann hätten die nationalen Präsidenten ein weiteres Handelsgut weniger, um sich persönlich bereichern zu können.

    Der 3. Schritt wäre ein Austritt der nationalen Verbände die Korruption ablehnen aus der FIFA und Gründung eines eigenen Weltverbandes. Die TV-Rechte und Sponsorengelder würden für die FIFA nur noch spärlich fließen, wenn in "ihrer" WM nur noch Ruanda gegen Kasachstan und Rußland gegen Nordkorea antritt.

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