What's right zu Volkswagen
Wie die USA durch den VW-Skandal auch ihre Industrie schützen

Mit immer wilderen Forderungen wird Volkswagen aus den USA überhäuft. Die Erfahrung bei transatlantischen Handelsbeziehungen zeigt: Die Amerikaner verfolgen damit stets auch industriepolitische Interessen.
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BerlinZwischen den USA und Europa toben mehr Handelskriege als Zänkereien in einer schlechten Ehe. Mal geht es um Subventionen für Airbus, mal um Rüstungshilfen für Boeing, der eine straft mit Sonderzöllen hier, der andere revanchiert sich mit Steuerermäßigungen da, über Rindfleisch und Bananen streitet man sich ebenso wie über Solarzellen und Pick-Up-Trucks. Bei letzteren suchen Europäer seit Jahrzehnten vergeblich einen fairen Marktzugang in die USA, doch verbissen verteidigen Ford, General Motors und Chrysler ihren Marktanteil von 80 Prozent mit brachialer Industriepolitik.

Denn jeder Ausländer, der in Amerika einen Pick-Up verkaufen will, muss einen 25-prozentigen Sonderzoll zahlen. Der ist als Rache aus einem Handelskrieg der 60er-Jahre übrig geblieben. Damals wollten die Europäer sich mit hohen Zöllen gegen billige Hühnerfleisch-Importe aus den USA wehren. Die USA revanchierten sich mit einer 25-prozentigen Einfuhrsteuer auf allerlei Europa-Importe von Kartoffelstärke über Brandys bis zu leichten Nutzfahrzeugen.

Die sogenannte „chicken tax“ wurde seither weithin aufgehoben – für die Pick-Ups hat sie die mächtige Autolobby in Washington aber auch nach 50 Jahren noch verteidigt. Opfer dieser Industriepolitik ist auch VW, die mit ihrem in Argentinien gefertigten Amarok vom Markt fern gehalten werden.

Die deutschen Industrie-und Handelskammern klagen seit einiger Zeit darüber, dass viele Branchen in den USA auf unfaire Handelsbarrieren stoßen. Man brauche dringend die Freihandelszone TTIP für faire Verhältnisse. Denn der Trend im transatlantischen Wettbewerbsgerangel gehe weg von „klassischen“ Handelshemmnissen wie Zöllen oder Importsteuern hin zu „kreativen Handelsbarrieren“ wie Zertifizierungs-, Umwelt- und Sicherheitsanforderungen.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht auch den VW-Skandal als ein Element dieser industriepolitischen Wettbewerbskämpfe. Über Jahrzehnte hätten die Amerikaner versucht, „die kleinen und effizienten Dieselmotoren für Pkw durch immer weiter verschärfte Stickoxid-Grenzen vom Markt fernzuhalten, weil man selbst die Technologie nicht beherrschte“, sagte Sinn dem Handelsblatt. Gegen die „Stickoxid-Schleuderei der eigenen Trucks“ wiederum habe man in den USA nichts, so der Ifo-Präsident. „Nun hat sie endlich den gewünschten Erfolg. Der Diesel-Motor ist wieder weg.“

Auch der VDA-Präsident Mathias Wissmann sieht im VW-Skandal ein Element politischer Machenschaften: „Klar ist aber, dass es eine Anti-Diesel-Lobby gibt, angeführt von einigen Nichtregierungs-Organisationen.“ Dass in der aktuellen Diskussion die Dieseltechnologie in Frage gestellt werde, sei „völlig unberechtigt“. Wird sie aber.

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  • wenn andere Hersteller den Antrieb sauber hinbekommen,
    Wirklich, bekommen andere Herstelle den Motor sauber hin? Auf jeden Fall nicht die Amerikaner - die können solche Motoren erst gar nicht bauen.
    VW ist da nur in einem kleinem Marktsegment bei Dieselmotoren im Ami Land unterwegs, ca. 430.000 Motoren von ca. 300.000.000 Normalo Fahrzeuge mit einem erheblichen konventionellem Sprit bedarf. Ich meine mich noch zu erinnern das in den Staaten der Diesel an der Tanke erheblich teurer war als Benzin. Obwohl ein Abfall Produkt aus der Benzinherstellung.

  • Transatlantische Partnerschaft heißt Unterordnung.

    Selbst ein amerikanischer Bundesstaat hat mehr Freiheiten und Entscheidungsbefugnisse als jeder europäische Staat.

  • Genau so ist es. Die abartigen Höhen der Strafzahlungen haben ganz klar den hier zutreffend dargestellten Charakter die Konkurrenz zu schwächen. So ist es umso unverständlicher, daß VW überhaupt in diesem Ausmaß beschissen hat. Die örtlichen Vertreter und der Vorstand wussten doch auf was sie sich einlassen. Zum anderen ist es aber jetzt umso wichtiger, daß Europa gegen Google, facebook und Konsorten ebenso hart zuschlägt - die 10 Mrd Marke ist das mindeste. Sonst begreifen die uns immer als Junior.

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