„Wir gestalten Zukunft“ - Entwurf für Wahlmanifest
Schröder will Flinte nicht ins Korn werfen

Nur wenige Stunden nach der verlorenen Vertrauensabstimmung versucht Gerhard Schröder am Freitag wieder nach vorne zu blicken. Unter tosendem Applaus schwört er in seiner Heimatstadt Hannover die SPD-Basis auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. Derweil liegt auch der Entwurf des SPD-Wahlprogramms vor.

HB HANNOVER. Am Vormittag hatte der Bundestag zum dritten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik den Weg zu einer vorgezogenen Bundestagswahl geöffnet. Der Schlüssel zur Neuwahl im Herbst liegt jetzt bei Bundespräsident Horst Köhler. Zwar verheißen aktuelle Umfragen der Union und ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel einen furiosen Sieg, doch Schröder gibt in Hannover sich kämpferisch: "Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Frühe Vögel holt die Katz'."

In seiner etwa 40-minütigen Rede schlägt der Regierungschef anschließend einen großen Bogen. Er verteidigt seine ablehnende Haltung zum Krieg im Irak, streift die Europapolitik und die deutsch-französischen Beziehungen, wirbt für eine Fortsetzung seiner Reformpolitik und wettert gegen seinen ehemaligen Mitstreiter Oskar Lafontaine, der Schröder an der Spitze eines neuen Linksbündnisses bei der bevorstehenden Wahl Konkurrenz machen will.

Mit fremdenfeindlichen Sprüchen versuche Lafontaine Wähler am rechten Rand zu angeln: "Was mich schmerzt ist, dass sich ein ehemaliger SPD-Vorsitzender in den gleichen Sumpf begibt", schimpft der Kanzler. "Wer auf dem Misthaufen sitzt, muss sich nicht wundern, wenn er danach riecht." Die Basis bedankt sich mit Ovationen.

Bei aller Begeisterung aber sind unter den Delegierten auch kritische Stimmen zu vernehmen. "Wir haben den Menschen unsere Reformpolitik nicht richtig vermittelt und auch handwerkliche Fehler gemacht", findet der türkischstämmige Bezirksbürgermeister Alptekin Kirci. Zu viele wichtige Entscheidungen habe Schröder zudem "allein" und ohne die Zustimmung seiner Partei getroffen, sagt Kirci. Dennoch: "Schröder ist unser Kanzler. Die Basis steht immer noch hinter ihm."

Der Entwurf für das Wahlmanifest der SPD wurde unterdessen am Freitag vom Parteipräsidium gebilligt und soll am Montag vom SPD-Vorstand beschlossen werden. Dem Papier zufolge soll es neue Sparrunden nur bei stabilem Aufschwung geben.

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