Wirtschaftsethiker über Managergehälter
„Mäßigung ist schädlich“

PremiumManagerboni zu deckeln hält Wirtschaftsethiker Christoph Lütge für ausgemachten Unsinn – und warnt vor Pauschalurteilen. Ein Gespräch über Politiker auf Stimmfang, Sündenböcke und den „ungewöhnlichen“ Fall VW.

Für Aristoteles war das „Maßhalten“ eine Kerntugend. Warum hat der Begriff in der Debatte um Managervergütungen aus Ihrer Sicht nichts verloren?
Die Ethik der Mäßigung entstammt der vormodernen Gesellschaft, einer Zeit der Nullsummenspiele. Wer Gewinne machte, tat dies zwangsläufig auf Kosten der anderen, da es kein nennenswertes Wirtschaftswachstum gab. Weil der Kuchen nicht größer wurde, konnten man seinen Anteil nur ausbauen, indem man von anderen nahm. Also musste die Gesellschaft darauf achten, dass einzelne nicht zu viel bekamen. Die jeweiligen Herrscher waren davon natürlich ausgenommen. Man kann diese Ethik nun nicht mehr ohne weiteres auf das heutige Wirtschaftsleben übertragen, da...

 
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