Zahlen, Fakten, Recht
Hintergrund: Zuwanderung nach Deutschland

In Deutschland leben 7,3 Millionen Ausländer. Das sind neun Prozent der Gesamtbevölkerung. Viele von ihnen sind hier geboren. Faktisch ist Deutschland seit langem ein Einwanderungsland, auch wenn das offizielle Verständnis lange ein anderes war.

HB BERLIN. Seit 1954 kamen 31 Mill. Menschen nach Deutschland, 22 Mill. zogen im gleichen Zeitraum weg. Die Nettozuwanderung lag also bei neun Millionen. Fast 40 % leben hier schon seit mehr als 15 Jahren. Trotz einer Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen verlief die Zuwanderung bislang unkoordiniert und ungesteuert.

Nach dem Krieg gab es mehrere Zuwanderungsschübe. Zuerst kamen Mill. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus dem Osten, von Mitte der 50er Jahre an bis zum Anwerbestopp 1973 Mill. „Gastarbeiter“. Bis zum Mauerbau 1961 wurden Flüchtlinge aus der DDR - vor allem die hoch Qualifizierten - schnell vom westdeutschen Arbeitsmarkt aufgenommen. Seit vielen Jahren kommen Spätaussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Aus humanitären Gründen nimmt Deutschland Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge vorübergehend oder für länger auf. Ausländer studieren an deutschen Universitäten. In der Landwirtschaft, auf dem Bau und im Hotel- und Gaststättengewerbe helfen Saisonarbeitskräfte. Hinzu kommen schätzungsweise 500 000 bis eine Million Illegale, die in der „Schattenwirtschaft“ arbeiten.

Das neue, Anfang 2000 in Kraft getretene Staatsbürgerschaftsrecht erleichterte die Einbürgerung. Jetzt kann ein Ausländer unter bestimmten Voraussetzungen nach acht Jahren Aufenthalt (früher 15 Jahre) Deutscher werden. Kinder ausländischer Eltern erhalten ebenfalls unter bestimmten Voraussetzungen automatisch mit ihrer Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit.

Eine weitergehende Debatte löste die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) initiierte Greencard für ausländische Computerspezialisten aus. Trotz hoher Arbeitslosigkeit suchen Unternehmen vergeblich Tausende von Spitzenkräften. Auch der dramatische Bevölkerungsrückgang mit seinen negativen Folgen für die Sozialsysteme gab der Zuwanderungsdiskussion einen neuen Schub.

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