Zeitplan steht
Ramsauer will Elektroautos mit Milliarden fördern

Der Bund will den Ausbau der Elektromobilität mit bis zu anderthalb Milliarden Euro fördern - vor allem die Batterieforschung soll profitieren. Der Startschuss für die Subventionen könnte bald fallen.
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BerlinDie deutsche Industrie hat sich auf einen Fahrplan verständigt, wie sie bis zum Jahr 2020 Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln will. Ziel sei „der Aufbau eines selbstragenden Marktes für Elektrofahrzeuge“, heißt es in dem Bericht Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), den die Unternehmenschef Kanzlerin Angela Merkel am 16. Mai übergeben wollen und der dem Handelsblatt vorliegt.

Um dies zu erreichen, hält die Industrie es für zwingend notwendig, in den kommenden drei Jahren vier Milliarden Euro in die Forschung zu investieren. Vor allem die Batterieforschung, die Antriebstechnologie, Leichtbauten, die Stromnetze, das Recycling und die Integration all dessen in neue Fahrzeuge stehen im Fokus. Ein Drittel, maximal 40 Prozent, der Summe soll der Bund aufbringen, zwei Drittel will die Industrie investieren, wie es in Verhandlungskreisen gestern hieß. Insgesamt wollen die Elektro-, die chemische, die Automobilindustrie und die Energiewirtschaft bis 2014 rund 17 Milliarden Euro in diesen Forschungsbereich stecken. 

Neben Bundeshilfen bei der Forschung und Entwicklung mahnt die Wirtschaft Hilfen an, um den Marktdurchbruch zu ermöglichen. Dazu soll die Dienstwagenbesteuerung geändert und Sonderabschreibungen sowie zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau den Kauf der Fahrzeuge erleichtern. Im Straßenverkehr sollen Elektroautos etwa bei Parkplätzen bevorzugt werden. 

„Ich gehe davon aus, dass wir zwei Drittel davon umsetzen“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dem Handelsblatt. So könnte etwa die Dienstwagenbesteuerung modifiziert werden. Die derzeitige Ein-Prozent-Regelung führt dazu, dass die Fahrzeuge pro Jahr aufgrund der höheren Kaufpreise deutlich teurer sind als konventionelle Dienstwagen. „Diese Benachteiligung wollen wir beseitigen“, sagte Andreas Jung, Koordinator für die CDU/CSU-Fraktion, dem Handelsblatt. 

Bislang hat die Bundesregierung 500 Millionen Euro im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets für die Elektromobilität bereitgestellt. Dies läuft Ende des Jahres aus. „Ich bin optimistisch, dass wir noch einmal mindestens 500 Millionen Euro bis zum Ende der Legislaturperiode bereitstellen“, sagte Jung.

Im Gespräch sind sogar eine Milliarde Euro bis Ende 2014. Auch könnten Fahrzeuge für zehn Jahre von der KfZ-Steuer befreit werden. „Das ist alles sehr realistisch“, bestätigte Ramsauer derartige Überlegungen. Im Vordergrund stünden allerdings Hilfen über das Ordnungsrecht und bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Eine direkte Kaufprämie lehnt die Bundesregierung weiterhin ab.  

Ihr Förderinstrumentarium will die Bundesregierung in einem „Aktionsplan Elektromobilität“ bündeln. Er soll auf Basis des Berichts der NPE erstellt und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Die Industrie rechnet damit, dass „30.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich der Elektroautos entstehen können. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen fahren. Derzeit gibt es rund 10.000.

Kommentare zu " Zeitplan steht: Ramsauer will Elektroautos mit Milliarden fördern"

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  • Anstatt die Mini-BHKW für die Privathaushalte flächendeckend zu fördern, macht Ramsauer ein Fass auf fpr die Autoindustrie, die ohnehin nicht zu den Bedürftigen zählt.
    Diese Regierung ist nur gut für Steuerverschwendung und plakativen Unfug.

  • Der Bund will "fördern"? Ich dachte, der Bund wäre pleite! Und war da nicht was ... mit den Schlaglöchern?

    Die Förderung von "Elektromobilität" ist Ideologie pur - es ist Planwirtschaft ohne Plan. Man kann nur noch den Kopf schütteln.

  • Genau, Großkonzerne schlagen mal wieder vor wie die Dienstwagenregelung zu "vereinfachen" wäre. Das hatten wir immer und immer wieder, siehe Versicherungen usw. Keine Regelung hat irgend etwas vereinfacht, es gab einfach weniger Steuereinnahmen und mehr Umsätze durch Umwege/Zwänge. Ich bin schon immer der Meinung vor der Einführung einer solchen Steuer sollte erstmal die "Nachhaltigkeit" eines E-Autos bewiesen werden!!! Was ist daran wirklich so super und sparsam und öko usw.? Ich glaube das der normale Benziner positiver abschneiden würde.

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