Zu Guttenbergs Truppenbesuch
„Fehlt nur noch Frau Katzenberger“

"Absolut unangemessen", "plumpe Eigen-PR mit Hofberichterstatter": Der Truppenbesuch von Verteidigungsminister zu Guttenberg und seiner Ehefrau nebst Johannes B. Kerner in Afghanistan bringt Politiker der Opposition auf die Palme. Sie werfen dem Paar vor, die Soldaten als bloße Kulisse zu missbrauchen. Die Gescholtenen wehren sich.
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dne/HB BERLIN. Mit Häme und scharfer Kritik hat die Opposition auf den gemeinsamen Truppenbesuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und seiner Ehefrau Stephanie in Afghanistan reagiert. "Ich halte das für absolut unangemessen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag in Berlin. "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch", ergänzte er in Anspielung auf die blonde TV- Erscheinung Daniela Katzenberger.

Empört zeigte sich auch der der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels. "Die Soldaten werden für die Show des Ministers instrumentalisiert", sagte er dem "Tagesspiegel". Er sprach von einer befremdlichen Inszenierung. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erklärte, es sei zu Guttenbergs eigene Entscheidung, ob er aus dem Truppenbesuch vor Heiligabend einen Familienausflug mache. "Allerdings läuft er Gefahr, dass er die Risiken im Einsatzgebiet stark banalisiert."

Grünen-Chefin Claudia Roth hielt zu Guttenberg vor, er nutze die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i- Scharif und Kundus "für plumpe Eigen-PR". Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere er strahlende Bilder mit Gattin im Krisengebiet. "Der extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio wird dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".

Der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, hält es hingegen für legitim, dass zu Guttenberg mit seiner Frau gereist ist. Für kritikwürdig hält er lediglich die ungewöhnliche Delegation, etwa dass TV-Moderator Johannes B. Kerner mit von der Partie ist. „Wenn es die Sicherheitslage zulässt, spricht nichts gegen die Begleitung des Partners einer Ministerin oder eines Ministers“, sagte Beck Handelsblatt Online. „Dass Guttenberg seine eigene Talkshow einfliegt ist dagegen eine Selbstinszenierung, die nicht gerade von übermäßigem Respekt für die Soldatinnen und Soldaten spricht, die dort für die Bundeswehr ihren Dienst leisten.“

Kritik kam auch vom Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi. "Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshow-Tross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig", sagte Gysi dem "Tagesspiegel". Afghanistan sei das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eigne.

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  • bin ich denn hier im Adels Fan-blog gelandet?

    Das KTzG seine Frau (auf eigene Kosten) mitnimmt ist doch nicht so schlimm. ich sehe dies sogar als positiv.
    Doch ist es einfach nur widerlich das hier das Elite blaublut seine eigene Talkshow einfliegen läßt. Klar läßt sich Kerner zum Hofberichtserstatter machen, der is sich doch für nix zu schade.
    Das aber die deutschen Soldaten die am Hindukusch ihren Dienst tun zu Statisten und Kulisse für den mediensüchtigen Hochadel degradiert werden ist mir zu bizarr.

  • [40] horseman

    Danke für den guten beitrag.
    Vergessen in diesem Zusammenhang darf man auch nicht, dass Stefanie zu Guttenberg eine Urenkelin bismarcks ist.
    Die guttenbergs agieren so wie sie erzogen wurden über viele Genertionen. ihnen sind diese Dinge selbstverständlich.
    Genau aber das ärgert die linken Spinner

  • Wolltest du bislang einem politischen Konkurrenten aus den eigenen Reihen etwas "Gutes" tun, so hast du ihm als Minister das Verteidigungsresort gegeben!
    Dass zu Gutenburg selbst diese Klippen nicht nur umschifft, sondern sich in der öffentlichen Wahrnehmung noch vor der Kanzlerin positioniert, spricht für die Qualität und die Charismatik seiner Person! Zu Guttenberg wird zunächst Seehofer ablösen, dann Frau Merkel!

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