Zukunftsatlas 2013
Jung, erfolgreich, weg

Studenten gut auszubilden ist teuer. Viele Absolventen verschwinden nach dem Abschluss wieder – andere Kommunen freuen sich über Steuerzahler und Fachkräfte zum Nulltarif. Betroffen ist vor allem ein Landstrich.
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KölnStudentenstädte sind lebendig, jung und beliebt - ein Image, um das viele Städte kämpfen, denn junge Akademiker bringen Steuereinnahmen und stärken die lokale Wirtschaft mit ihrer Arbeitskraft. Doch Studenten auszubilden ist teuer. Erst recht, wenn nach dem Studium ein großer Teil wieder zurück in die Heimat oder sogar ins Ausland geht. Davon betroffen ist vor allem der Osten Deutschlands, zeigt der Prognos-Zukunftsatlas.

Ein Beispiel dafür ist die Stadt Jena in Thüringen: „Das Studium ist für junge Menschen oft ein Intermezzo an einem neuen Ort. Am Ende geht’s dann aber häufig wieder nach Hause zurück“, sagt Thomas Klose, Studienberater und Leiter des Career Services der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Gerade Studenten, die aus dem Westen kommen, gehen oft wieder in ihre alte Heimat zurück, erklärt Klose. Das liegt vor allem an der fehlenden beruflichen Perspektive für die Absolventen. „Große Unternehmen wie Daimler oder Bayer haben wir hier nun mal nicht.“

Zum Studium werden viele potenzielle Studenten mit Begrüßungsgeldern und Wohnangeboten gelockt. In Jena gab es im vergangenen Jahr 240 Euro für jeden Studenten, der seinen Wohnort nach Jena verlegt hat. In Frankfurt an der Oder etwa erlässt die städtische Wohnungswirtschaft den Studenten die ersten sechs Monatsmieten, um die studentischen Pendler aus Berlin in die Stadt zu holen. In Greifswald erhalten neue Studenten, die in der Hansestadt ihren Wohnort anmelden, 100 Euro.

Doch haben sie erst einmal ihren Abschluss in der Tasche, geht der Kampf um die jungen, gut Ausgebildeten erst richtig los. Universitäten und Städte versuchen mit speziellen Förderprogrammen die Absolventen in der Stadt oder der Region zu halten. Das Servicezentrum Forschung und Transfer der Uni Jena bietet jungen Akademikern beispielsweise Hilfen bei der Unternehmensgründung.

Trotzdem: In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bleiben nur rund die Hälfte der jungen Akademiker ihrem Studienort treu. Die andere Hälfte geht nach dem Abschluss nach Berlin, Bayern oder Nordrhein-Westfalen, ergab eine aktuelle Studie des Mitteldeutschen Rundfunks. In Gesamtdeutschland verlassen nach Angaben der Absolventenforschung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vier von zehn Hochschulabsolventen das Bundesland, indem sie studiert haben.

„Für die regionale Entwicklung sind Uni-Absolventen eine wichtige Ressource“, sagt Annekatrin Niebuhr vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. „Sie bringen neues Wissen und sind wesentlicher Faktor für Wachstum und Innovation.“

Das hat man auch in Dortmund erkannt. Die Ruhrgebietsstadt belegt in Punkto Dynamik und Stärke im Zukunftsatlas einen der hinteren Ränge. Damit die Absolventen der Technischen Universität dennoch in Dortmund bleiben, versucht die Wirtschaftsförderung der Stadt, durch eine Gründungsförderung junge Unternehmen in Dortmund zu halten. Mit dem Projekt „High Potentials“ knüpft die Stadt Kontakte zwischen Uni und Unternehmen. So konnten nach Angaben der Dortmunder Wirtschaftsförderung schon mehr als 300 Absolventen in der Stadt gehalten werden.

Kommentare zu " Zukunftsatlas 2013: Jung, erfolgreich, weg"

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  • Erstmal Rechtschreibung lernen, dann bewerben

  • "Was soll es denn bringen, wenn die Hochschulstandorte die Absolventen halten würden, ohne das Arbeitsplätze vorhanden wären? Dann wären die ja alle nach dem Studium HartzV-Empfänger"

    Naja, war damals erstz mal nach dem Studium bei meinen Eltern, da heißt es nicht mal HarzIV!!! Und der Hammer die Krankenkasse fast fleißig ab, Hein Anspruch auf HarzIV, Krankenkasse muss selber bezahlt werden!
    Das ist Deutshland, erst bilden wir aus und dann treten wir drauf.

  • "In Sachen Arbeitsmarkt ist der Kreis laut Zukunftsatlas einer der schwächsten und gefährdetsten in der ganzen Bundesrepublik. Umso wichtiger ist es für die Region, Studenten nach dem Abschluss zu halten. Und gleichzeitig ist es um so schwieriger. Denn womit halten, wenn es keine Arbeit gibt?"

    Und Wozu? Sollen sie sich auf die Parkbank setzen und die Landstriche verschönern?

    Ich kenne Wirtschaftsingenieure (Mehrzahl!!!), die wandern aus diesem Land aus weil sie keine Jobs finden (angeboten bekommen) in diesem Land oder müssen an der Supermarktkasse arbeiten.
    Leider auch so einige Kanditaten die in doppelter Regelstudienzeit grade so das Studium im Examensletztversuch gerissen haben und ein entsprechend Katastrophales Diplom vorweisen, bei einem Großen Medienkonzern aus Gütersloh angefangen haben! Traurig so eine Personalpolitik.

    @ Pema
    "Dann stellt sich der Fachkräftemangel eher so dar, dass die Absolventen zu schlecht ausgebildet wurden" Den Satz darüber mal lesen. Mir scheint das gewollt, dümmer ist besser hauptsache Diplom. Wird nur noch getopt durch die Telekom, die einen qualifizierten Abiturienten als CEO eingestellt hat.

    Einen Satz kann ich auch nicht mehr hören.
    'Das wichtigeste ist, dass sie es schon mal gemacht haben, das Studium ist nicht so wichtig'

    Für mich komme ich zu dem Schluß. das Problem liegt i.d.R. in den Personalabteilungen. Darüber könnten Bänder verfasst werden.

    'Umso wichtiger sei es, dass ortsansässige Unternehmen mittels Praktika schon während des Studiums auf bestehende Angebote aufmerksam machen'
    Stimmt, bei den Job Ads der Konzerne sind ja Praktikantenstellen on mass ausgeschrieben, Jobs zumeist Rar. Praktikanten sind ja auch billiger. Praktikum ist so wie mir es immer zu verstehen gegeben wurde KEINE Berufserfahrung.

    Maßnahme wäre reorganisation der Personalabteilungen (das kenne ich Geogafinnen und Anglisten die da arbeiten) und guten Absolventen einfach mal nen Vertrag unter die Nase halten anstelle 'hirnrissiger' Interv

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