Zwischenbilanz
125 Mauer-Tote sind belegt

Seit langem ist die Zahl der Toten an der Berliner Mauer umstritten, nun liegt erstmals eine wissenschaftlich belegte Angabe vor: Nach Recherchen eines vom Bund geförderten Forschungsprojekts können 125 Opfer nachgewiesen werden. In 81 Fällen steht eine Klärung noch aus.

HB BERLIN. Kurz vor dem 45. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961 zog das Forschungsprojekt „Die Todesopfer an der Berliner Mauer, 1961-1989“ am Dienstag eine Zwischenbilanz. So könnten 62 Verdachtsfälle an als Mauertote ausgeschlossen werden. Der Tod der 125 Opfer lasse sich anhand von Quellenmaterial belegen. 80 Prozent dieser Opfer seien jünger als 30 Jahre gewesen, nur acht Frauen seien darunter.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler wurden 70 DDR-Bürger bei der Flucht erschossen, 21 verunglückten dabei tödlich. 14 Menschen aus dem Westen wurden an der Mauer erschossen, fünf verunglückten. Darunter waren auch Fluchthelfer und zwei Menschen, die versehentlich mit einem Boot auf dem Teltow-Kanal auf DDR-Gebiet gerieten. Vier DDR-Bürger wurden versehentlich erschossen, ein Bundesbürger starb bei Kontrollen.

In dem Forschungsprojekt arbeiten der Verein Berliner Mauer und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) zusammen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und wird von Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit 260 000 Euro gefördert. ZZF-Projektleiter Hans-Hermann Hertle wies darauf hin, dass die veröffentlichten wesentlich höheren Zahlen von Mauertoten zum Teil auf Hörensagen beruhten. So gehe die private Arbeitsgemeinschaft 13. August von mehr als 200 Todesopfern aus. Hertle erklärte, er wünsche sich eine Zusammenarbeit mit dieser Organisation und ein Abgleich der Daten.

Hertle nannte die Todesfälle die „Spitze eines Eisbergs“. Die Flucht vieler DDR-Bürger nach Westberlin oder Westdeutschland sei gescheitert. Viele seien von DDR-Grenzsoldaten entdeckt und schwer verletzt worden. Bis zu 100 000 Menschen seien wegen Fluchtversuchs von den DDR-Behörden ins Gefängnis gebracht worden. Erst nach dem Ende der so genannten Mauerschützenprozesse war es laut Hertle möglich, auf die Akten der Berliner Staatsanwaltschaft zurückzugreifen. Die DDR hatte am 13. August 1961 damit begonnen, mitten durch Berlin eine feste Grenze zu ziehen. Die Mauer fiel 1989, wenige Monate später wurden beide deutsche Staaten vereinigt.

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