++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++
Lange Schlangen an Banken, Tankstellen und Apotheken

Die Euro-Zone steht vor einer Erschütterung, Athen steuert auf die Pleite zu. Die Banken bleiben geschlossen, Kapitalkontrollen werden eingeführt. Griechen dürfen 60 Euro pro Tag abheben, Ausländer unbegrenzt.
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Die Euro-Zone steht vor einer gewaltigen Erschütterung. Athen steuert auf die Pleite zu. Zahlreiche Krisengespräche sind angelaufen. Alle Ereignisse im Liveblog.

+++ Ausländer kommen an ihr Geld +++

Ausländer sollen in Griechenland weiterhin unbegrenzt Geld abheben können. Die von der Regierung in Athen geplanten Kapitalverkehrskontrollen gelten nicht für Besucher des Landes, wie griechische Medien in der Nacht auf Montag berichteten. Mit ausländischen Bankkarten gebe es keine Beschränkungen. Ansonsten gelte eine Obergrenze bei Abhebungen von 60 Euro. Zuvor war von einem Limit von 100 Euro die Rede.

+++ Verluste an den Börsen in Asien +++

Nach der Zuspitzung der Griechenland-Krise sind die Märkte in Asien und der Pazifikregion mit Verlusten in die neue Woche gestartet. Japan, Singapur, Sydney und Hongkong öffneten am Montag mit deutlichem Minus. Auch der Euro gab nach. Trotz der Zinssenkung in China setzte sich der Kursrutsch der vergangenen Woche in Shanghai und Shenzhen fort, da weiter Luft aus der Aktienblase entweicht.

+++ Griechischer Erdölkonzern versichert: Es gibt genügend Treibstoff +++

Die größte griechische Erdölgesellschaft Hellenic Petroleum tritt der in der Bevölkerung wachsenden Sorge über eine drohende Treibstoffknappheit entgegen. Das Land verfüge für etliche weitere Monate über volle Reserven, teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. Auch die Versorgung der Raffinerien mit Rohöl sei gesichert. In ganz Griechenland hatten sich am Wochenende angesichts der Eskalation im Schuldendrama lange Schlangen vor Tankstellen gebildet.

Der Ansturm hat wohl aber weniger mit der Sorge über Benzinknappheit zu tun, sondern geht auf die Nachricht zurück, dass von Montag an nur noch Abhebungen an Geldautomaten von bis zu 60 Euro pro Tag möglich sind. Die Nutzung von Kreditkarten soll angeblich nicht mehr erlaubt seien.

+++ Banken bleiben bis zum 6. Juli geschlossen +++

Angesichts der akuten Schuldenkrise Griechenlands bleiben die Banken des Landes bis zum 6. Juli geschlossen. Das wurde in einer in der Nacht zum Montag in Athen veröffentlichten amtlichen Mitteilung festgelegt. Die Bankenschließung gilt damit bis nach dem Referendum über die Vorschläge der internationalen Geldgeber Griechenlands am kommenden Sonntag. Die täglichen Barabhebungen an Geldautomaten werden der Mitteilung zufolge für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt. Mit der offiziellen Bekanntgabe wurden entsprechende Berichte griechischer Medien bestätigt.

Unterzeichnet wurden die Verfügungen von Griechenlands Staatschef Prokopis Pavlopoulos und Regierungschef Alexis Tsipras. Es handele sich um Maßnahmen "von extremer Dringlichkeit". Sie sollten "das griechische Finanzsystem und die griechische Wirtschaft wegen des Mangels an Liquidität schützen, der durch die Entscheidung der Eurogruppe vom 27. Juni gegen die Ausweitung des Abkommens über die Kredite für Griechenland herbeigeführt" worden sei, heißt es in der amtlichen Mitteilung.

+++ Ausländer sollen unbegrenzt Bargeld abheben dürfen +++

Trotz der ab Montag geltenden Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland sollen ausländische Besucher weiter unbegrenzt Geld an Automaten abheben können. Die Einschränkungen würden nicht für Besucher aus dem Ausland gelten, wenn diese "mit einer in ihrem Herkunftsland ausgestellten Kreditkarte Transaktionen und Abhebungen" vornehmen wollten, teilte die Regierung in Athen in der Nacht zum Montag mit.

+++ Hamsterkäufe: Lange Schlangen an Tankstellen und Apotheken +++

Nachdem die Nachricht von der Schließung der griechischen Banken wie ein Lauffeuer die Runde machte, geraten nun viele Griechen in Panik. Vor den Tankstellen in Athen bildeten sich am späten Sonntagabend immer längere Schlangen. Auch vor den wenigen an diesem Abend geöffneten Apotheken, die Nachtdienst haben, herrscht großer Andrang. Die Menschen versuchen, sich mit dringend benötigten Arzneimitteln einzudecken. Wenn Ministerpräsident Tsipras Griechenland aus dem Euro führt, wonach es derzeit aussieht, könnte das Land Probleme bekommen, Medikamente zu importieren. In der EU arbeitet man deshalb bereits an Notfallplänen für humanitäre Hilfen – wie Arzneimitteleinfuhren.

+++ Ehemaliger griechischer Finanzminister Papadopoulos: “Griechenland auf Todesweg“ +++

Der frühere griechische Finanzminister Alekos Papadopoulos spricht gerade in einem Interview des TV-Senders „Skai TV“. Er sieht das von Alexis Tsipras regierte Griechenland auf einem „Todesweg“, auf einem Marsch „in die totale Zerstörung“. Bei der Volksabstimmung am nächsten Sonntag gehe es um Ja oder Nein zu Europa und den Euro. „Mit einem Nein sind wir pleite“ sagt der 66-jährige Papadopoulos und fordert eine Regierung der nationalen Einheit, die ein drittes Hilfspaket aushandeln soll.

+++ Geldautomaten werden stillgelegt +++

Immer neue Hiobsbotschaften für die leidgeprüften Griechen an diesem Sonntagabend: Nicht nur die Banken bleiben am Montag geschlossen, auch die Geldautomaten werden stillgelegt. Das beschloss heute die „Kommission für die Stabilität der systemischen Banken“, ein Gremium unter dem Vorsitz von Finanzminister Yanis Varoufakis. Frühestens am Dienstag werden die Geldautomaten wieder in Betrieb genommen. Abhebungen sollen dann aber auf 60 bis 100 Euro pro Tag begrenzt werden, meldet das Nachrichtenportal „Skai“. Die Bankschalter in Griechenland sollen nun frühestens am 7. Juli wieder öffnen, zwei Tage nach dem von Premier Tsipras angesetzten Referendum, das über die Zukunft des Landes in Europa entscheiden wird.

+++ Notenbank führt Kapitalverkehrskontrollen ein +++'
Die griechische Notenbank wird nach Angaben von Regierungschef Alexis Tsipras Kapitalverkehrskontrollen einführen. Zudem sollten die Banken einen Tag geschlossen bleiben, sagte Tsipras am Sonntagabend. Gleichzeitig beteuerte der Regierungschef, die Ersparnisse, Löhne und Renten der Bürger seien „garantiert“. Tsipras rief seine Landsleute zudem zur Ruhe auf. Die Einlagen griechischer Bankenkunden seien sicher, sagte er.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
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Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Gerd Höhler
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Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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  • Inflationsverschleppung und Veruntreuung von Steuergelder - Merkel soll zurücktreten!

  • @ Herr Domenico

    … daher wünsche ich Ihnen: Befreien Sie sich doch bitte aus Ihrer "Sklaverei" und das möglichst schnell. Befreien Sie uns von von den tagtäglichen Lügen-und Ablenkungsmanövern Ihrer Regierung, indem Sie das Eurosystem verlassen. Da Sie sich sicherlich nicht dafür schämen, dass Sie meiner Nachfolgegeneration Ihre Schulden aufgebürdet haben, schäme ich mich auch nicht Ihnen zu sagen, dass mir die Zukunft des griechischen Volkes komplett am Allerwertesten vorbeigeht. Ich wünsche Ihnen allerdings noch ein schönes sozialistisches Leben. So eine Mangelwirtschaft hat auch etwas für sich, man lernt unter anderem mit knappen Ressourcen umzugehen. Als ehemaliger DDR-Bürger weiß ich ein Lied davon zu singen.

  • der Dicke von der SPD hat sich ja bereits positiv zur Abstimmung in Griechenland geäußert.

    Fragen wir Ihn doch einfach mal, ob "gleiches Recht für alle gilt".

    Gerade ein "Sozialdemokrat" sollte da ja kein Problem damit haben.........

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