+++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++
Neuer russischer Hilfskonvoi fährt in die Ukraine ein

Russland prüft Gegenmaßnahmen für die neuen EU- und US-Sanktionen. In der Nacht zum Samstag fährt ein aus 35 Fahrzeugen bestehender russischer Hilfskonvoin in die Ostukraine ein. Eine Reaktion aus Kiew steht noch aus.
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Eine diplomatische Lösung ist im Ukraine-Konflikt weiterhin nicht in Sicht. Deswegen dreht sich die Sanktionsspirale weiter. Die EU und die USA verschärfen die Strafmaßnahmen gegen Russland, das sie für die Lage in der Ostukraine mitverantwortlich machen. Die neuen Sanktionen sollen die russische Wirtschaft unter Druck setzen. Der Kreml droht bereits mit Gegenmaßnahmen. Alle Ereignisse des Tages in unserem Liveblog.

+++Wieder russischer Hilfskonvoi in die Ostukraine eingefahren+++

Drei Wochen nach der umstrittenen ersten Einfahrt eines Moskauer Hilfskonvois für das Konfliktgebiet Ostukraine haben wieder russische Lastwagen die Grenze überquert. Eine Kolonne aus 35 Fahrzeugen sei in der Nacht zum Samstag vom russischen Grenzposten Donezk in der Nähe der ukrainischen Großstadt Lugansk in das Nachbarland gefahren, teilte der russische Zoll der Agentur Interfax zufolge mit. Eine Reaktion aus Kiew lag zunächst nicht vor.

Die Regierung in Moskau hatte nach Beginn der Waffenruhe zwischen ukrainischem Militär und prorussischen Separatisten vor einer Woche weitere Hilfslieferungen für das Konfliktgebiet angekündigt. Ein erster russischer Konvoi aus mehr als 250 Lastwagen war Mitte August unter Protest Kiews ohne Erlaubnis der ukrainischen Behörden über die Grenze gefahren.

+++ Russland prüft Technologie-Boykott+++

Als mögliche Reaktion auf die neuen EU- und US-Sanktionen gegen Russland hat Moskau mit Importverboten für technische Geräte und Produkte aus der Petrochemie gedroht. Gegenmaßnahmen könnten Einfuhrbegrenzungen für Kompressoren, Kühlschränke oder ähnliche Geräte enthalten, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew am Freitag am Rande eines EU-Besuchs in Brüssel der Agentur Itar Tass zufolge. Die Ausarbeitung russischer Sanktionen benötige aber noch Zeit. Auch ein Importverbot für Autos sowie die Einschränkung von Überflugrechten für westliche Airlines ist der russischen Führung zufolge im Gespräch.

+++ Putin reagiert auf Sanktionen+++

„Ich begrüße diese Entscheidung der EU. Je weniger unsere Beamten und Unternehmenschefs ins Ausland reisen und je mehr sie sich stattdessen um die laufenden Geschäfte kümmern, desto besser.“

Kremlchef Wladimir Putin zu den neuen Sanktionen der EU gegen Russland im Ukraine-Konflikt am Freitag am Rande eines Gipfeltreffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit der in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe

+++ Freihandelsabkommen später +++

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine soll nach EU-Angaben nun erst Ende kommenden Jahres in Kraft treten. Darauf hätten sich die Europäische Union (EU), Russland und die Ukraine verständigt, teilte EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Freitag mit. Die Ukraine werde bis dahin weiterhin einen privilegierten Zugang zum EU-Markt haben. Russland hatte damit gedroht, Zölle auf Importe aus der Ukraine zu erheben, wenn das Abkommen am 1. November in Kraft tritt. Bisher können Waren aus der Ukraine weitgehend zollfrei nach Russland exportiert werden. Die Regierung in Moskau befürchtet, dass künftig Waren aus der EU, für die Russland Zölle erhebt, dann über die Ukraine zollfrei ins Land kommen könnten. Das würde nach ihren Berechnungen einen Einnahmeverlust von rund zwei Milliarden Euro ausmachen.

+++ Gazprom hält Schalke trotz Sanktionen die Treue +++

Die beschlossenen Sanktionen der Europäischen Union haben keine Auswirkungen auf das operative Geschäft des russischen Energiekonzerns Gazprom und dementsprechend auch keine Auswirkungen auf die Partnerschaft zwischen Gazprom und dem FC Schalke 04. Dies teilte die deutsche Tochtergesellschaft Gazprom Germania auf Anfrage des Handelsblatts am Freitag mit. Gazprom hält den Schalkern als Hauptsponsor seit Januar 2007 die Treue. Der aktuelle Vertrag läuft bis 2017.

+++Durchsuchung bei Ikea+++

ARD-Korrespondentin Ina Ruck berichtete via Twitter von Durchsuchung in einer Moskauer Ikea-Filiale:

 

+++Russland droht Ukraine wegen EU-Annäherung+++

Im Fall einer unveränderten Annahme des Partnerschaftsabkommens zwischen der EU und der Ukraine will Russland zum 1. November weitere Sanktionen gegen das Nachbarland verhängen. Die Führung in Moskau sieht in dem Abkommen eine Gefahr für ihre nationale Sicherheit und will deshalb Änderungen durchsetzen. „Wenn unsere Argumente als unbedeutend eingeschätzt werden, ergreifen wir Schutzmaßnahmen“, kündigte der russische Entwicklungsminister Alexej Uljukajew am Freitag an. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erteilte Änderungen an dem Projekt erneut eine klare Absage. Dienstag kommender Woche sollen die Oberste Rada in Kiew und das Europaparlament parallel über die Assoziierung abstimmen.

+++Ukraine will Assoziation im November+++

Das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der Europäischen Union wird nach den Worten von Präsident Petro Poroschenko am 1. November in Kraft treten. Die für kommenden Dienstag geplante Ratifizierung sei ein „historischer Moment“ für sein Land, sagte Poroschenko am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Kiew. Weiter sagte Poroschenko, dass der Assoziierungsrat erstmals am 17. November zusammentreten solle. Poroschenko erklärte am Freitag zudem, er hoffe bei seinem Besuch in den USA in der kommenden Woche, einen „Sonderstatus“ seines Landes als Verbündeter der USA und als Nicht-Nato-Mitglied zu erreichen. „Wir hoffen sehr bald auf einen Sonderstatus“, sagte Poroschenko. Zugleich versicherte er, die von Russland im März annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim in die Ukraine zurückzuführen.

+++USA verhängen Sanktionen, Putin kritisiert sie+++

Die USA haben wegen der Ukraine-Krise neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Das Finanzministerium in Washington kündigte am Freitag erweiterte Strafmaßnahmen an, die etwa den russischen Finanz- und Energiesektor betreffen. Dazu gehört nun auch die größte russische Bank Sberbank. Zudem wurden Personen und Firmen auf die Sanktionsliste gesetzt, die im russischen Verteidigungssektor tätig sind. Russland müsse aufhören, die ukrainische Souveränität zu verletzen, teilte Finanzstaatssekretär David Cohen mit. Sonst würden die USA und die EU Russland immer weiter vom globalen Finanzsystem isolieren. Der Kremlchef Wladimir Putin hat die neuen Sanktionen des Westens gegen Russland hingegen als „wenig effektiv“ kritisiert. Die Strafmaßnahmen würden nicht zur Lösung des Konflikts in der Ukraine beitragen, sagte der Präsident. Seine Regierung werde Gegensanktionen vorbereiten, die allerdings den Interessen Moskaus nicht schaden dürften, sagte Putin in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.

+++Moskau äußert Bedenken gegen Freihandelsabkommen+++

Russland hat erneut seine Bedenken zum Freihandelsabkommen der EU mit der Ukraine vorgetragen. „Wir sind aufgeschlossen, uns die russischen Bedenken anzuhören“, sagte der Sprecher De Guchts. Der Sprecher unterstrich allerdings, es handele sich um ein Abkommen zwischen der EU und der Ukraine. Moskau habe kein Mitspracherecht. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, Moskau habe mehr als 2300 Änderungswünsche angemeldet. Der Sprecher kommentierte die Informationen des Blattes nicht. Das Freihandelsabkommen sieht eine weitgehende Öffnung der Märkte der EU und der Ukraine und eine Anpassung der Standards vor. Moskau befürchtet eine Gefährdung seines eigenen Handels.

+++Klitschko hält Sanktionen für angebracht+++

Der ukrainische Politiker Vitali Klitschko hält die Strafmaßnahmen der Europäischen Union für den „richtigen Weg“, um die „russische Aggression“ zu stoppen. Der Bürgermeister von Kiew sagte, es sei zweifelhaft, ob die mit den prorussischen Separatisten vereinbarte Waffenruhe halte. Auch der Bau von Befestigungsanlagen an der Grenze zu Russland sei eine „richtige Entscheidung“, zumal dieser Abschnitt schon „bald“ eine Außengrenze der Europäischen Union sein könne. „Die Grenze muss sicher sein“, forderte Klitschko - und jede Hilfe aus dem Ausland sei dafür willkommen.

+++Kiew: 700 Millionen Euro Kriegsschäden+++

Die ukrainische Regierung schätzt die Schäden durch den monatelangen Krieg im Osten des Landes auf bisher etwa 700 Millionen Euro. Mehr als 11 000 Gebäude seien durch die Gefechte zwischen der Armee und prorussischen Separatisten weitgehend zerstört worden, sagte Vizeregierungschef Wladimir Groisman am Freitag in Kiew. „Wir haben aber zu einigen Städten keinen Zugang und können die Schäden dort nur schätzen“, sagte er. Unter anderem sollen seit Beginn der Kämpfe im April 4500 Wohnhäuser, 217 Schulen und Kindergärten sowie 45 Kliniken zerstört worden sein. Den Vereinten Nationen zufolge kamen bei den Gefechten bisher insgesamt 3000 Menschen ums Leben.

Kommentare zu " +++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++: Neuer russischer Hilfskonvoi fährt in die Ukraine ein"

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  • Ja, da haben SIe recht. Ist die beste Lösung.

  • Ja kommen Sie.
    Der Kopp Verlag ist auch nur Albern.
    Bücher über UFOs und Bigfoot gepaart mit "Wirtschaftsnachrichten"?
    Da dürfen Leute veröffentlichen ohne Ausbildung oder sonstiges.
    Dann können sie direkt die Harry Potter Bücher zitieren.
    Würden Sie mir eine Semiararbeit abliefern indem sie den Koppverlag als Quelle angeben, dann würde ich Sie durchfallen lassen. Und bei jedem dem Sie sich beschweren würden, würden Sie nur auf Gelächter stoßen.
    http://www.kopp-verlag.de/UFOs-die-unerwuenschte-Wahrheit.htm?websale8=kopp-verlag&pi=913300

  • Der Freitod ist unausweichlich.

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