+++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++
Ukraine hofft auf Waffenlieferung der Nato

Ein JP Morgan-Analyst warnt vor einem „Lehman-Moment“ für die russischen Märkte. Die Bundesregierung sieht in der Ukraine eine „militärische Intervention“ von Moskau, während Kremlchef Putin Nazi-Vergleiche bemüht.
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Die Fronten bleiben verhärtet: Während die Nato und Deutschland von Moskau verlangen, im Rahmen der Ukraine-Krise seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und für Aufklärung zu sorgen, poltert Kremlchef Wladimir Putin gegen die ukrainischen Regierungstruppen und vergleicht deren Taktik mit der der deutschen Nazis während des Zweiten Weltkriegs. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Oettinger verhandelt über's Gas +++

Russland hat eine Wiederaufnahme der seit Mitte Juni gestoppten Gaslieferungen an die Ukraine ohne vorherige Schuldentilgung durch Kiew erneut ausgeschlossen. Das Nachbarland müsse mindestens 1,45 Milliarden US-Dollar (rund 1,1 Mrd Euro) sofort und rund 3,8 Mrd US-Dollar in festgelegten Raten zahlen. Das sagte der Chef des Gazprom-Konzerns, Alexej Miller, am Freitag nach einem Treffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Moskau. Oettinger kündigte an, beiden Seiten bald einen Schuldentilgungsplan vorzulegen. Die EU vermittelt in dem Streit. Am 6. September soll es vermutlich in Brüssel zu einem Dreiertreffen kommen.

+++ Ukraine will Waffen von der Nato +++

Im Kampf gegen die Separatisten im Osten des Landes hofft die Ukraine auf Waffen von der Nato. Die Regierung Kiew erwarte aber keine Entsendung von Truppen des Militärbündnisses, sagte der ukrainische Botschafter bei der Nato, Igor Dolgow, am Freitag nach einer Dringlichkeitssitzung in Brüssel. "Wir brauchen mehr Unterstützung. Es ist klar, dass die Nato uns nicht mit Soldaten helfen kann, davon gehen wir auch nicht aus." Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte sich zuvor für eine Mitgliedschaft seines Landes in der Nato ausgesprochen. Er werde das Parlament ersuchen, die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen.

+++ Schröder: Spaltung verhindern +++

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit Blick auf die Ukraine-Krise vor neuen Gräben in Europa zwischen Ost und West gewarnt. „Wir müssen dafür sorgen, dass die verfeindeten Parteien miteinander sprechen, nicht aufeinander schießen“, sagte Schröder am Freitag in Dresden bei einer Festveranstaltung zum SPD-Landtagswahlkampfes in Sachsen. Schröder hat seit seiner Zeit als Bundeskanzler einen guten Draht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Gemeinsam mit dem tschechischen Regierungschef Bohuslav Sobotka gedachte Schröder der EU-Osterweiterung vor zehn Jahren. „Damit haben wir die Spaltung zwischen Ost und West überwinden können. Die Erweiterung war ein historischer Erfolg“, sagte Schröder.

+++ Russischer Außenminister: Polen verweigert Überflug +++

Polen hat Agenturberichten zufolge einer Maschine mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu an Bord die Überflugrechte verwehrt. Schoigu sei auf dem Rückweg von einem Besuch in der Slowakei gewesen, meldete RIA am Freitag. Als sein Flugzeug nicht den polnischen Luftraum durchqueren durfte, habe es kehrtgemacht und sei in die slowakische Hauptstadt Bratislava zurückgeflogen. Der Hintergrund des Vorfalls blieb zunächst unklar. Die polnische Luftfahrtbehörde erklärte, die genauen Umstände würden noch untersucht. Polen gehört zu den schärfsten Kritikern des russischen Vorgehens in der Ukraine.

+++ Polens Außenminister spricht von „Krieg“ +++
Im Osten der Ukraine herrscht nach den Worten des polnischen Außenministers Radoslaw Sikorski nicht bloß ein bewaffneter Konflikt, sondern ein veritabler „Krieg“. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb Sikorski am Freitag: „Wenn es wie ein Krieg aussieht, sich wie ein Krieg anhört, und wenn es Tote gibt wie in einem Krieg - dann ist es ein Krieg.“ Damit reagierte er auf eine Äußerung des schwedischen Außenministers Carl Bildt, der sich ebenfalls auf Twitter geschrieben hatte: „Man muss die Dinge beim Namen nennen: Das ist die zweite russische Invasion in der Ukraine binnen eines Jahres.“

+++ JP Morgan-Analyst warnt Russland vor „Lehman-Moment“ +++
Den russischen Kapitalmärkten droht nach Einschätzung des JP Morgan-Analysten Alexander Kantarovitsch ein „Lehman-Moment“. Sollte sich die Situation in der Ukraine deutlich verschlechtern, könnten die Märkte mit einem Schock in Lehman-Manier reagieren, also mit Kursverlusten von 50 Prozent. Allerdings gebe es auch signifikante Unterschiede im Vergleich zur Lehman-Krise in den Jahren 2008 und 2009. Russlands Ölexporte könnten die ökonomische Abwärtsspirale abmildern.

+++ Lawrow: Einigung auf zweiten Hilfskonvoi +++
Die Ukraine hat sich nach Darstellung der Regierung in Moskau prinzipiell bereit erklärt, einen zweiten russischen Hilfskonvoi in die östlichen Rebellengebiete zu lassen. Das Außenministerium in Kiew habe sein „grundsätzliches Einverständnis“ für einen solchen „humanitären Hilfskonvoi“ übermittelt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Freitag auf einer Pressekonferenz. Fragen zur Absicherung des Konvois würden „in den kommenden Tagen“ zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands, der Rebellen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geklärt. Moskau strebt laut Lawrow eine „harmonisiertes Verfahren“ mit den ukrainischen Stellen und dem Roten Kreuz an.


+++ Bürger unterstützen Truppen in Mariupol +++
Es gibt neue Bilder aus der wichtigen Küstenstadt Mariupol, die die Separatisten erobern wollen. Bürger unterstützen offenbar Soldaten der ukrainischen Armee und heben Gräben aus.

+++ Ukraine will Waffen von der Nato +++
Die Ukraine will im Kampf gegen die Separatisten im Osten des Landes von der Nato mit Waffen unterstützt werden, erwartet aber keine Entsendung von Truppen der Allianz. „Was wir brauchen, ist mehr Hilfe, auch militärisch“, sagte der ukrainische Botschafter bei der Nato, Igor Dolgow, am Freitag in Brüssel. „Es ist klar, dass die Nato uns nicht mit Soldaten helfen kann, das erwarten wir auch nicht von den Mitgliedstaaten.“ Die Ukraine wolle jedoch Waffen von der Nato haben, sagte Dolgow.

+++ Bundeswehr fliegt Verwundete aus +++

Die Bundeswehr wird nächste Woche bis zu 20 ukrainische Soldaten, die bei den Kämpfen im Osten des Landes verletzt wurden, zur medizinischen Behandlung nach Deutschland ausfliegen. Vier Ärzte flogen bereits am Freitag zur Vorbereitung der Aktion nach Kiew, wie der Sanitätsdienst der Bundeswehr mitteilte. Die Verwundeten sollen am Dienstag mit einem Spezial-Flugzeug transportiert und dann in den Bundeswehr-Krankenhäusern in Berlin, Hamburg und Koblenz behandelt werden.

+++ Steinmeier: Russland muss mit offenen Karten spielen +++
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Russland aufgefordert, im Ukraine-Konflikt „mit offenen Karten zu spielen“. Zu Beginn eines Treffens der EU-Außenminister sagte Steinmeier am Freitag in Mailand, die „gefährliche Lage“ in der Ostukraine befinde sich „jetzt in einer neuen Dimension“. Steinmeier forderte erneut einen Dialog zwischen der Ukraine und Russland: „Das Ganze hat nur Sinn, wenn Russland mit offenen Karten spielt und wenn die Vernebelung von Sachverhalten, wie wir sie heute morgen gesehen haben, wenn das endlich ein Ende findet“, fügte er hinzu. Die beobachteten Grenzverletzungen „lassen befürchten, dass die Lage zunehmend außer Kontrolle gerät“, sagte Steinmeier. „Und deshalb muss das ein Ende haben. Jedenfalls dann, wenn man noch verhindern will, dass es zu einer unmittelbaren militärischen Konfrontation zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften kommt. Es muss jetzt endlich Vernunft einkehren. Und das sage ich insbesondere mit Blick auf die russische Seite.“

+++ Putin setzt weiter auf Fußball-WM 2018 in Russland +++
Trotz der internationalen Spannungen setzt Russlands Präsident Wladimir Putin weiter auf die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in seinem Land. Auf die Frage, ob das Vorhaben in Gefahr sei, sagte er am Freitag: „Ich hoffe nicht.“ Der Weltfußballverband (Fifa) habe bereits deutlich gemacht, dass Fußball und der Sport allgemein von der Politik getrennt seien. „Ich denke, das ist der richtige Ansatz“, sagte Putin. Die Fifa hatte Russland Ende 2010 den Zuschlag für die WM gegeben. Wegen des Ukraine-Konfliktes haben inzwischen aber auch deutsche Politiker die Austragung in Russland infragegestellt, darunter CSU-Chef Horst Seehofer. Die Fifa hatte sich im Juli zu Russland als Gastgeber bekannt und erklärt, dass ein Boykott die Spannungen in der Region nicht verringern würde.

+++ Nato fordert Ende von illegalen Militäraktionen +++
Die Nato fordert von Russland ein Ende der aus Sicht des Militärbündnisses illegalen Militäraktionen in der Ukraine. „Wir verdammen in schärfster Weise, dass Russland fortgesetzt seine internationale Verpflichtungen missachtet“, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitag in Brüssel nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung der Nato-Ukraine-Kommission. Russische Truppen führten militärische Einsätze innerhalb der Ukraine. Die Nato hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass im Osten des Landes mehr als 1000 russische Soldaten im Einsatz sind.

+++ Bisher mehr als 800 ukrainische Soldaten getötet +++
Seit Beginn der Kämpfe in der Ostukraine sind der Regierung in Kiew zufolge mehr als 800 Soldaten getötet worden. Andrej Lysenko vom Sicherheitsrat in Kiew sprach von einer „traurigen Bilanz“ seit April. Das Militär meldete den Beschuss von Regierungseinheiten beim Flughafen von Lugansk, Lutugino und bei Debalzewo zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. In der Nähe des Eisenbahnknotenpunkts Ilowaisk waren weiterhin mehrere Regierungseinheiten von prorussischen Aufständischen eingekesselt. Die Separatisten melden den Verlust der Ortschaft Rodakowo westlich von Lugansk. Der Gouverneur des Gebiets Donezk, Sergej Taruta, rief die Bürger der Hafenstadt Mariupol auf, sich an der Verteidigung der 400.000-Einwohner-Stadt zu beteiligen. Die Front zwischen Regierungstruppen und Aufständischen verlief am Freitag etwa 20 Kilometer östlich bei der Ortschaft Besymmenoje.

+++ Putin vergleicht ukrainische Armee mit Nazis +++
Im Ukraine-Konflikt hat Kremlchef Wladimir Putin die Regierungseinheiten des Nachbarlandes scharf kritisiert. „Ihre Taktik erinnert mich an die der faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Großstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohner“, sagte Putin am Freitag der Agentur Interfax zufolge. Hingegen könne er das Verhalten der Separatisten verstehen. „Der Sinn ihrer militärisch-humanitären Operation besteht darin, die ukrainische Artillerie und die Mehrfachraketenwerfer von den Großstädten zu verdrängen, damit sie nicht mehr friedliche Zivilisten töten können“, betonte Putin.

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Ukraine will in die Nato

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Putin lobt Rebellen

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  • Frau Merker es wurden sogar Kommentare von mir komplett entfernt, weil sie schlichtweg zu faktisch fundiert gewesen sind.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Fortsetzung

    [...]?! Was derzeit in der Ukraine schief läuft, hat ursächlich ausschließlich der Westen zu verantworten, ein Herr Putin tut nur das was er als russischer Präsident gezwungen ist zu tun. Wer das nicht begreifen möchte hat entweder einen Balken vor dem Kopf oder ist schlicht ein interessierter Provokateur übelster Sorte! Die dämlichen und verführten Menschen der Westukraine kann man nur bedauern, weil sie sich von ihren verbrecherischen Oligarchen für den Westen benutzen lassen und immer noch ihre ehemaligen Mitbürger im Osten massakrieren oder vertreiben möchten. Sie werden ihre bittere Lektion in den nächsten Monaten bekommen und lernen wie zuverlässig die machtgeilen Eliten im Westen sind. Sie werden lernen wie unwichtig sie für den Westen tatsächlich sind.

    [...]!!! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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