100 Millionen Euro in Italien veruntreut
Wie man Luxusyachten mit Steuergeld finanziert

Giuseppe Saggese war einer der Vorzeige-Unternehmer Italiens. Seine Firma kassierte für Hunderte Gemeinden die Steuern ein. Doch nun fehlen 100 Millionen Euro, der Staatsanwalt ermittelt.
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MailandEr war einer der Vorzeige-Unternehmer Italiens und ein Pionier der privaten Steuereintreibung. In den 80er Jahren gründete Giuseppe Saggese die erste private Gesellschaft, die für den Staat Steuern und Gebühren eintreibt. Er fing mit Gebühren für Plakatwände an, dann kamen Abfallgebühren, Immobiliensteuern und schließlich Regionalsteuern. 460 Gemeinden waren zuletzt seine Kunden, darunter auch große Städte wie Bologna. Heute sitzt der Gründer der Gesellschaft mit dem seriösen Namen „Tributi Italia“ im Gefängnis.

Saggese hat mit seinen Tochterfirmen und insgesamt 1000 Mitarbeitern zwar die Steuern eingesammelt. Aber er hat sie nicht an die Gemeinden abgeführt, sondern selbst eingesteckt: für sein Unternehmen und für sich selbst. Insgesamt sind den Regionen mehr als 100 Millionen Euro Steuern verloren gegangen. Mindestens 15 Millionen Euro soll sich Saggese dabei höchstpersönlich in die Tasche gesteckt haben.

Damit finanzierte er seine Autos – Mercedes, Audi, Jeep Cherokee – seine Yacht und die Flüge im Privatjet. Laut seiner Sekretärin ließ er täglich 10 000 Euro in bar abheben. Rauschende Feste an der ligurischen Küste mit Feuerwerken, Bodyguards und Fahrer gingen auf Kosten des Unternehmens. Für solche Extravaganzen hätten die 30 Prozent nicht gereicht, die die privaten Eintreiber in Italien für sich behalten dürfen, um damit ihre Kosten zu decken. Saggese brauchte mehr und gab die eingesammelten Steuern einfach nicht weiter.

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Kommentare zu " 100 Millionen Euro in Italien veruntreut: Wie man Luxusyachten mit Steuergeld finanziert "

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  • Ein Einzelfall?

    Hier in Deutschland lief es anders. Wir denken an das Thema der Entflechtung der Deutschland AG und die ALLIANZ. Da lief es etwas anders, aber im Ergebnis ebenoso.

    Der deutsche Finger auf Italien ist also nicht angebracht. Wir sind gut beraten zuerst in Deutschland für Sauberkeit in den Amtsstuben zu sorgen, bevor den moralischen Zeigefinger für andere erheben.

  • 30 % geben die an die inkassobuden ab.kann ja wohl nich wahr sein.

    naja,dafür stimmen alle zahlen und statistiken und wirtschaftsinformationen die die regierung,ministerien und offizielle stellen verlautbaren lassen.

    helau....

  • War eine prima Geschäftsidee....

    Aber leider vermutlich für Nachahmer nicht geeignet...

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