„15 Länder waren dafür“
Ein Timeout Griechenlands fand nicht nur Schäuble gut

Man glaubt, die Schlacht um das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro sei geschlagen. Doch nun stichelt der deutsche Finanzminister noch einmal gegen Athen: Ein Grexit auf Zeit sei nur an drei Ländern gescheitert.

Das Ringen um Griechenland liegt fast ein Vierteljahr zurück. Anfang Juli hat die griechische Regierung die Auflagen der Europäer akzeptiert – das Land blieb in der Währungsunion. Doch in einer Sendung des deutsch-französischen TV-Kanals Arte, die am Dienstagabend ausgestrahlt wird, geht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble noch einmal auf die Forderung eines „vorübergehenden“ Ausstiegs der Griechen aus der gemeinsamen Währung ein.

Die Tageszeitung Libération druckte das Interview vorab. Die spannendste Aussage Schäubles: Es habe kein deutsches Diktat gegeben, er sei auch keinesfalls in der Euro-Gruppe isoliert gewesen: „Die Ansicht, dass es für die Griechen am besten wäre, für eine gewisse Zeit aus dem Euro auszuscheiden – ein „timeout“ – haben 15 von 18 Finanzministern der Eurozone (ohne Griechenland) geteilt.“ Nur der französische, italienische und zypriotische Minister seien anderer Auffassung gewesen, unterstreicht der Bundesfinanzminister – dem im Interview gar nicht die Frage nach dem Grexit gestellt wird. „Das ist die Wahrheit, alles andere ist Propaganda, im schlimmsten Fall, oder mangelndes Verständnis“, kritisiert Schäuble.

In welche Richtung das geht, ist auch klar: Anfang August hatte Schäubles französischer Kollege Michel Sapin ungewöhnlich offen die Haltung seines engsten Partner kritisiert. „Was den Grexit angeht, habe ich einen Dissens mit Wolfgang Schäuble, einen klaren Dissens.“ Schäuble irre sich in Sachen Grexit und „einige von uns haben es als eigenwillige Methode angesehen, während der Debatte bestimmte Vorschläge zu machen.“ sagte Sapin dem Handelsblatt. „Ich glaube, dass Wolfgang Schäuble sich irrt und sogar in Widerspruch zu seinem tiefen europäischen Willen gerät.“ Die Bundesregierung habe auf dem fraglichen Gipfel am 11. und 12. Juli dann ja auch eine andere Position eingenommen.

Schäuble reagierte im Sommer nicht auf die Kritik. Doch scheint sie ihn zu wurmen. Anders ist nicht zu erklären, warum er nun aus heiterem Himmel wieder auf den Grexit zu sprechen kommt.

Vor zwei Wochen hatte Schäuble in Paris an der Uni Sciences Po mit Studenten über Europa debattiert. Auf kritische Fragen zu seiner Rolle während der Griechenland-Krise reagierte er etwas dünnhäutig. „Sie sollten sich erst mal um ihr eigenes Land kümmern, Schande über ihr Land“, fuhr er eine Studentin an, die ihn fragte, ob er nicht zu hart gegenüber Athen gewesen sei.

Im Interview, das am Dienstag zu sehen ist, zeigt er dagegen stellenweise trockenen Humor. Niemand habe verstanden, warum Tsipras das Referendum gegen die Bedingungen für den Beistand der Europäer angesetzt habe und die Auflagen dann doch akzeptierte: „Aber ich bin ja auch kein Grieche.“

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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