150 sterben allein bei Anschlag im Norden
Blutiges Wochenende im Irak

Bei einer Serie blutiger Anschläge sind am Wochenende im Irak etwa 230 Menschen ums Leben gekommen. Beim verheerendsten Terrorakt seit Monaten starben allein im nordirakischen Dorf Armili nach Angaben der Provinzregierung in Tikrit 150 Bewohner.

HB BAGDAD. 200 Menschen erlitten Verletzungen, als sich der Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen auf dem belebten Markt des Dorfes in die Luft sprengte. Bei weiteren Selbstmordattentaten und Bombenanschlägen starben am Wochenende im Großraum Bagdad 40 und in Dörfern in der Umgebung der nordirakischen Stadt Chanakin 37 Menschen.

Der Anschlag in Armili, einer als sehr arm geltenden Gemeinde in der Nähe von Tus Churmatu, 170 Kilometer nördlich von Bagdad, traf die Menschen inmitten des Marktgetriebes. Seine Wirkung war verheerend. Dutzende Häuser, wegen der Armut meist nur aus Lehm errichtet, stürzten ein und begruben ihre Bewohner unter sich. Der Gouverneur der Provinz Salaheddin, Hamed al-Kaisi, der den Ort am Tag darauf besuchte, um sich ein Bild von der Lage zu machen, stieß auf wütende Überlebende, die sein Fahrzeug mit Steinen bewarfen. Sein Stellvertreter Abdullah Dschabura bezeichnete den Terrorakt als „schändliches Verbrechen, das die Fingerabdrücke der El Kaida (im Irak) trägt“. Armili wird von schiitischen Turkmenen bewohnt.

Bereits am Vorabend war in der Nähe von Chanakin, 180 Kilometer nordöstlich von Bagdad, ein Selbstmordattentäter mit seinem Fahrzeug in einen kurdischen Begräbniszug gerast. Bei dieser Explosion starben 20 Menschen, 10 wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. In einem anderen Dorf zwischen Chanakin und der Provinzhauptstadt Bakuba tötete ein Selbstmordattentäter auf einem Markt mit seinem Fahrzeug nach Angaben der Agentur Aswat al-Irak 17 Menschen.

In dem Gebiet um Chanakin leben vor allem Kurden, es liegt aber außerhalb der kurdischen Autonomieregion, in der es um die öffentliche Sicherheit besser bestellt ist. Das Gebiet liegt in der zentralirakischen Provinz Dijala, wo das US-Militär derzeit versucht, das Terrornetz El Kaida zu vertreiben, das sich in den sunnitischen Siedlungsgebieten der konfessionell und ethnisch gemischten Provinz starke Positionen eingerichtet hat.

Westlich von Bagdad tötete am Sonntag ein Selbstmordattentäter 24 sunnitische Armee-Rekruten, als er mit seinen Fahrzeug in deren Bus raste und sich dabei in die Luft sprengte. Bei dem Anschlag in Abu Ghraib, 30 Kilometer westlich von Bagdad, wurden weitere 18 junge Soldaten verletzt, bestätigte die irakische Polizei. In dem Bus saßen Freiwillige aus der ehemaligen sunnitischen Unruheprovinz Anbar. Einige sunnitische Stämme haben sich dort inzwischen für eine Zusammenarbeit mit dem US-Militär entschieden, um die wegen ihres Fanatismus berüchtigten El-Kaida-Gruppen zu bekämpfen.

In Bagdad explodierten am selben Tag nahezu zeitgleich drei Autobomben an drei verschiedenen Stellen. Dabei wurden 11 Iraker getötet und 17 weitere verletzt, berichtete Aswat al-Irak. Eines der Fahrzeuge explodierte nach diesen Angaben nahe dem Hotel Al-Hamra, in dem auch ausländische Journalisten wohnen, das zweite vor einem Restaurant und das dritte bei einer Tigris-Brücke. Beim Mörserbeschuss eines Wohnhauses starben in der Nacht zum Sonntag in Bagdad 5 Menschen, 3 weitere wurden verletzt, berichteten Augenzeugen.

Bei Kampfeinsätzen im Irak wurden in den 48 Stunden zuvor insgesamt sechs US-Soldaten getötet, bestätigte das US-Militärkommando in der irakischen Hauptstadt am Sonntag. Ein britischer Soldat wurde in der Nacht zum Samstag in Basra getöte, als seine Einheit von Aufständischen angegriffen wurde, wie das britische Militärkommando bekannt gab.

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