19 Tote im Jemen
Washington rückt von Salih ab

Mit scharfer Munition sind Sicherheitskräfte im Jemen erneut gegen Demonstranten vorgegangen. Der Druck auf Präsident Ali Abdullah wird derweil stärker. Die USA scheinen den Machthaber nicht länger stützen zu wollen.
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Sanaa Das Blutvergießen im Jemen geht weiter: Am Montag starben in dem Land im Süden der arabischen Halbinsel 19 Menschen, als Sicherheitskräfte mit scharfer Munition, Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vorgingen. Hunderte wurden verletzt. Viele von ihnen erlitten durch Schüsse in den Kopf und in die Brust Verletzungen, berichteten Krankenhausärzte.

In Taiz wurden 17 Menschen getötet. In der Stadt, die südlich der Hauptstadt Sanaa liegt, eröffneten die Sicherheitskreise den Angaben zufolge das Feuer auf Demonstranten, die ein Gebäude der Provinzregierung stürmen wollten. „Das Regime hat uns mit dem Ausmaß des Tötens überrascht“, sagte der Abgeordnete Mohammed Mukbil al-Hamiri dem Sender Al-Dschasira. „Meiner Meinung nach wird das Volk nichts anderes tun als mit entblößter Brust herauszukommen, um die Munition der Regierung aufzubrauchen.“

In der westlichen Provinz Hudeida kamen am Montagabend zwei Menschen bei Zusammenstößen von Demonstranten und Sicherheitskräften ums Leben. Ärzte sprachen von etwa 250 Verletzten. Die Demonstranten seien auf einen Palast des Präsidenten zumarschiert, als sie mit scharfer Munition beschossen worden seien. Auch Tränengas sei eingesetzt worden. 

Im Jemen demonstrieren seit mehr als sechs Wochen Hunderttausende für den Rücktritt des seit 32 Jahren regierenden Staatschefs Ali Abdullah Salih. Bei der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste durch Sicherheitskräfte wurden bislang an die 100 Menschen getötet und Tausende verletzt. Salih hat zwar angekündigt, bei der Präsidentenwahl 2013 nicht mehr antreten zu wollen, lehnt jedoch einen sofortigen Rücktritt ab. „Wir werden so standfest wie die Berge sein“, rief er am Montag Hunderten von Stammesangehörigen zu, die sich in Sprechchören zu ihm bekannten. Saleh galt bislang als US-Verbündeter im Kampf gegen die radikal-islamische Al-Kaida.

Ein Diplomat in Sanaa sagte am Montag, hinter den Kulissen werde weiter über eine Machtübergabe verhandelt. Alle andere Optionen blieben noch in der Schublade. Zu einer offenen Forderung der USA nach einem Rücktritt von Salih befragt sagte er: „Ich bin mir nicht sicher, ob er sofort nachgeben würde.“ 

Medienberichten zufolge rücken die USA zunehmend von Salih ab. Wie die „New York Times“ am Montag berichtete, hat die US-Regierung zwar noch nicht offen den Rücktritt des Präsidenten verlangt. Doch werde den Verbündeten jetzt hinter den Kulissen vermittelt, dass Salih gehen müsse.

Jahrelang hatte Washington Salih als Verbündeten im Kampf gegen Al-Kaida betrachtet. Die neue Haltung der USA zu ihrem langjährigen Verbündeten hat sich der „New York Times“ zufolge in der vergangenen Woche entwickelt. Zu jenem Zeitpunkt hatten zum ersten Mal Verhandlungen über die Modalitäten eines Abgangs des Präsidenten begonnen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsbeamten in Sanaa.

Die USA hatten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ein besonderes Verhältnis zu Salihs Regierung gepflegt. Denn das Land gehört zu den wichtigsten Rückzugsgebieten der Al-Kaida weltweit. Deshalb hatten die USA Salih immer wieder im Kampf gegen die Terroristen unterstützt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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