Abgeordnete verhindern Ausreise
Neue Krise im Fall Rahman

Rückschlag im Fall Abdul Rahman: Das afghanische Parlament will die geplante Ausreise des zum Christentum konvertierten Mannes stoppen. Die Freilassung stehe im Widerspruch zu den Gesetzen des Landes. Die Abgeordneten fordern die Hinrichtung.

HB KABUL. Die Parlamentarierin Safia Seddiqi sagte: „Die meisten Abgeordneten bestehen auf einer Hinrichtung (Rahmans), weil er nach unserer Religion nicht am Leben sein sollte.“ Parlamentspräsident Junus Kanuni ergänzte, Rahman solle verboten werden, sein Heimatland zu verlassen. Kanuni will zudem Vertreter des Obersten Gerichts und der Staatsanwaltschaft vor das Parlament zu zitieren, damit diese über den Fall Rechenschaft ablegen könnten.

Rahman war am Dienstag nach anhaltenden Protesten westlicher Staaten, auch Deutschlands, aus einem Kabuler Gefängnis entlassen worden. Die genauen Gründe für die Entscheidung blieben bislang unklar.

Experten hatten zuletzt erwartet, dass Rahman für unzurechnungsfähig erklärt wird und deshalb freikommen könnte. Am Mittwoch gab es zunächst keine Hinweise darauf, dass Rahman Afghanistan bereits verlassen hat. Die Behörden erklärten, Rahman werde aus Sicherheitsgründen abgeschirmt. Die radikal-islamischen Taliban hatten offen zur Tötung des Christen aufgerufen.

Nach Darstellung der Vereinten Nationen (UN) wird er voraussichtlich Asyl in einem Land beantragen, das an einer Lösung des Konflikts mitgewirkt hatte. Rahman hatte vor seiner Rückkehr nach Afghanistan zeitweise auch in Deutschland gelebt.

Das italienische Kabinett stimmte derweil dem Vorschlag zu, Rahman Asyl zu gewähren. Dies berichteten italienische Medien. Außenminister Gianfranco Fini hatte bereits am Dienstag erklärt, sein Land wolle Rahman aufnehmen. Justizminister Roberto Castelli betonte gleichzeitig, es sei „seltsam, dass ein Land wie Afghanistan - das dank des Eingreifens des Westens demokratisch geworden ist - den Westen in einem solchen Fall um politisches Asyl bitten muss“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%