Abkommen mit Malaysia
Australien schiebt Asylsuchende ab

Nach einer Vereinbarung mit Australien nimmt Malaysia in den nächsten vier Jahren 800 Menschen auf, die illegal nach Australien gelangt sind und dort Asyl beantragt haben.
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Kuala LumpurAsylsuchenden in Australien droht demnächst die Abschiebung nach Malaysia. Die beiden Länder unterzeichneten am Montag in Kuala Lumpur eine umstrittene Vereinbarung. Danach nimmt Malaysia in den nächsten vier Jahren 800 Menschen auf, die illegal nach Australien gelangt sind und dort Asyl beantragt haben. Im Gegenzug lässt Australien 4000 ausländische Flüchtlinge einreisen, die in dem südostasiatischen Staat Asyl beantragt haben. 

Australien hofft, dass dies künftig Flüchtlinge abschreckt, die sich von Schleppern per Boot nach Australien bringen lassen. In der Zeit von Juli 2010 bis Juli 2011 wurden nach Angaben der Regierung 4940 Menschen aufgegriffen, die versuchten, per Boot illegal nach Australien zu gelangen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 5609. Die ersten Asylsuchenden sollen noch dieses Jahr nach Malaysia gebracht werden. 

Bei Menschenrechtsorganisationen stieß die Vereinbarung auf Kritik. „Malaysia hat Flüchtlingen in der Vergangenheit nicht den leisesten Schutz gewehrt. Das bedeutet, dass die 800 Asylsuchenden großen Risiken ausgesetzt sind“, sagte der stellvertretende Asien-Direktor von Human Rights Watch, Phil Robertson. In Malaysia leben etwa 93.000 Asylsuchende, die wenig Rechte haben. Die Kinder dürfen nicht zur Schule gehen. Das Land hat die UN-Konvention zu Flüchtlingen nicht unterzeichnet. 

Australien komme für sämtliche Kosten auf, sagte Einwanderungsminister Chris Brown in Kuala Lumpur. Das schließe den Transport ein, ebenso die Krankenversicherung und Schulausgaben für die Kinder der Asylsuchenden. Die Kosten bezifferte er auf etwa 292 Millionen australische Dollar (220 Millionen Euro).

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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